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1. Analyse des Bewertungsanlasses

Sofern ein Unternehmen zu bewerten ist, ist zunächst der Bewertungsanlass zu untersuchen. Aus dem Bewertungsanlass können sich Folgen für das Bewertungsverfahren bzw. für die Bewertungsmethodik ergeben. So sehen z. B. steuerrechtliche Vorschriften eine gesetzlich geregelte Bewertungsart vor. Ähnliches findet sich öfters in gesellschaftsvertraglichen Klauseln. Erst die Analyse des Bewertungsanlasses gibt das weitere Vorgehen vor.

2. Interne Unternehmensanalyse

Sofern keine speziellen Vorschriften z. B. aufgrund steuerlicher oder gesellschaftsrechtlicher Regelungen vorliegen, werden die Unternehmen nach betriebswirtschaftlichen Methoden bewertet. Hierzu ist zunächst die Ausgangslage des Unternehmens zu analysieren.
Die Analyse der Jahresabschlüsse, des aktuellen Rechnungswesens und die Besichtigung des Unternehmens geben erste Anhaltspunkte für Analyseschwerpunkte. Im Rahmen der Analyse der Jahresabschlüsse ist zunächst die Qualität des Rechnungswesens zu untersuchen. Auch ist eine Entscheidung darüber zu treffen, wie viel zurückliegende Jahre in die Analyse einzubeziehen sind. Dies kann von Fall zu Fall sehr unterschiedlich sein.
Das Ergebnis der Unternehmensanalyse soll die nachhaltige Ertragskraft des Unternehmens aufzeigen. Hierzu werden Sondereffekte in der Vergangenheit bereinigt. Soweit z. B. aperiodische, nicht wiederkehrende positive wie negative Ereignisse in den Jahresabschlüssen erfasst wurden, sind diese zu bereinigen und die bereinigten Jahresabschlüsse einer erneuten Analyse zu unterziehen.

3. Externe Unternehmensanalyse

Neben der Analyse der Jahresabschlüsse sind das Unternehmen und dessen Stellung im Markt zu analysieren. Hier zählt zunächst die Analyse des Wettbewerbs und der Wettbewerbsintensität. Eine solche Analyse wird in der Regel mittels einer Porter's Five-Forces Analyse durchgeführt.
Das Unternehmen bzw. dessen Produkte und Leistungen werden zusätzlich einer Lebenszyklusanalyse und einer Potenzial-Analyse unterzogen. Beide Analyseergebnisse werden dann einer globalen Trendanalyse unterzogen. Diese als PESTEL-Analyse strukturierte Vorgehensweise umfasst politische, wirtschaftliche, soziokulturelle, technologische und rechtlich wie steuerliche Aspekte.
Bezogen auf diese Umweltanalysen wird eine Verbindung zum konkreten Unternehmen hergestellt, indem im Rahmen einer SWOT-Analyse die Stärken, Schwächen sowie die Chancen und Risiken abgebildet werden. In der SWOT-Analyse wird die unternehmensexterne Situation mit der unternehmensinternen Situation in Abgleich gebracht. Es handelt sich um ein Instrument des Strategischen Managements.

4. Integrierte Unternehmensplanung

Aufbauend auf dieser Gesamtanalyse der Unternehmenssituation und der Vergangenheit des Unternehmens wird entweder eine Unternehmensplanung erstellt oder eine vom Unternehmen erstellte Unternehmensplanung plausibilisiert.
Hintergrund dieser Unternehmensplanung ist die betriebswirtschaftliche Erkenntnis, dass sich Unternehmenswerte aus den künftigen Erfolgspotenzialen ableiten und nicht aus der Vergangenheit. Schon Eugen Schmalenbach hat festgestellt: "Für das Gewesene gibt der Kaufmann nichts." Daher ist die Vergangenheitsanalyse und die Lagebeurteilung nur die Ausgangsbasis für die Unternehmensplanung.
Die Unternehmensplanung beinhaltet als integrierte Planungsrechnung nicht nur die Ertragsaussicht, sondern auch die Entwicklung der Bilanz und der Liquidität. Dabei reicht der Planungszeitraum solange, bis das Unternehmen einen sogenannten eingeschwungenen Zustand erreicht hat. D.h. im letzten Planjahr ist ein Gleichgewichtszustand eingetreten, der es zulässt, dass sämtliche künftigen Veränderungen sich die Waage halten. In der Praxis umfassen diese Planungszeiträume 3-10 Jahre. In Ausnahmefällen, z. B. bei Unternehmen in Krisensituationen oder Wachstumsunternehmen, auch kürzer oder länger.

5. Ermittlung des Erwartungswerts künftiger Erträge oder Cashflows

Eine Unternehmensbewertung hat praktisch ausnahmslos den Zweck der Entscheidungsvorbereitung. So könnte der Verkauf oder der Erwerb eines Unternehmens davon abhängig gemacht werden oder z. B. die Besteuerung. Wenn aber mit der Unternehmensbewertung die Entscheidungsvorbereitung bezweckt ist, muss die Unternehmensplanung eben für jene Entscheidung tauglich sein.
In der Betriebswirtschaftslehre ist man sich einig, dass nur der sogenannte Erwartungswert taugliches Entscheidungskriterium sein kann. Der Erwartungswert verdichtet alle Chancen und Risiken der zukünftigen Entwicklung. Dabei kann der Entscheidungswert von der Sicht des Managements abweichen. Sofern das Unternehmen eine Planung auf Basis der Sicht des Managements vorgelegt hat, ist zu überprüfen, ob und in welchem Umfang diese Sicht vom Erwartungswert abweicht und ggf. die Planung für den Bewertungsanlass zu korrigieren ist.
Eine Ausprägung dieses Erwartungswerts ist die Bereinigung der künftigen Erträge und Cashflows auf die übertragbare Ertragskraft bei der Bewertung von KMU bei Inhaberwechsel. Oft sind bei KMU Geschäftsbeziehungen stark personenbezogen und können nicht oder nur beschränkt auf den Übernehmer übertragen werden. In solchen Fällen ist dieser „Schwund" bei der Planungsrechnung zu berücksichtigen.

6. Festlegung der Bewertungsmethode

Nach Fertigstellung und Plausibilisierung dieser Unternehmensplanungsrechnung ist der Bewerter erstmals in der Lage, das taugliche Unternehmensbewertungsverfahren bzw. die Methode der Bewertung festzulegen. Es gibt nämlich verschiedene Situationen eines Unternehmens, in denen verschiedene Bewertungsmethoden vorgeschrieben oder ausgeschlossen sind. Diese Einschätzung kann erst auf Basis der Unternehmensplanung getroffen werden.
Nach Durchführung der Wahl werden dann die weiteren Schritte der Unternehmensbewertung durchgeführt.

7. Ertragswertverfahren

Sofern das Unternehmen mit dem in Deutschland üblichen Ertragswertansatz bewertet wird, ist zunächst einmal aus der Unternehmensplanung abzuleiten, welche Erträge ausgeschüttet werden können. Hierzu ist zunächst zu untersuchen, welche Gewinne nach handelsrechtlichen Kriterien ausschüttungsfähig sind.
Anschließend ist zu überprüfen, ob eine solche Ausschüttung auch betriebswirtschaftlich vertretbar ist. Allein die handelsrechtlich zulässigen und betriebswirtschaftlich vertretbaren Gewinnausschüttungen sind Kapitalisierungsgröße für die Unternehmensbewertung nach dem Ertragswertverfahren. Sodann sind die steuerlichen Folgen zu beachten und der Kapitalisierungszinssatz zu ermitteln. Dabei wird üblicherweise das CAPM (Capitel Asset Pricing Model) bzw. das Tax - CAPM (Tax-Capital Asset Pricing Model) angewandt. Der so gewonnene Wert wird durch Plausibilisierungsprüfungen überprüft.

8. DCF-Verfahren (Discounted Cashflow Methode)

Soweit das Unternehmen mit der Discounted Cashflow Methode bewertet wird, ist zunächst zu entscheiden, ob als Unterart des DCF-Verfahrens ein Bruttoverfahren (Total Cashflow als WACC oder APV) oder ein Nettoverfahren (Flow to Equity) angewandt wird. Beim Bruttoverfahren werden die Cash-Flows vor Zinsen, Tilgung und Kapitalveränderungen analysiert, während beim Flow to Equity Verfahren, also beim Nettoverfahren, nur die den Eigentümern zufließenden Zahlungsströme diskontiert werden.
In Konsequenz dieser Methodenvielfalt werden beim Bruttoverfahren entweder gewichtete Kapitalkosten angesetzt oder aber Kapitalkosten des hypothetisch unverschuldeten Unternehmens und anschließend dann die Schuldenlast abgezogen. Demgegenüber wird beim Nettoverfahren mit den Eigenkapitalkosten gerechnet und damit direkt auf den Unternehmenswert (Eigenkapitalwert) geschlossen.

9. Liquidationswert

In jedem Bewertungsverfahren ist man sich einig, dass die Wertuntergrenze immer den Liquidationswert darstellt. Der Liquidationswert kommt auch zum Tragen, wenn dieser höher ist als der Fortführungswert nach der Ertragswertmethode oder nach dem DCF-Verfahren.
Beim Liquidationswert wird eine Liquidation geplant und die Zahlungsströme aus der Liquidation mit allen Einnahmen und Ausgaben und allen finanziellen Folgen der Liquidation auf den Bewertungsstichtag durch Abzinsung zurückbezogen.

10. Multiples

In der Bewertungspraxis, z. B. dem Investment Banking oder bei M&A-Beratern, werden regelmäßig Multiplikatoren im Rahmen der Unternehmensbewertung eingesetzt. In der klassischen Betriebswirtschaftslehre dienen Multiplikatoren nur dazu, das fundamental gewonnene Bewertungsergebnis, also die Unternehmensbewertung aus der Planung künftigen Erträge oder Cash-Flows, zu überprüfen.
In der Praxis gibt es mehrere Datenanbieter. Diese Datenanbieter führen Datenbanken, in denen Unternehmenskäufe oder -verkäufe vermerkt sind. Aus diesen dort enthaltenen Transaktionsdaten lassen sich Multiplikatoren bestimmen. Die bekanntesten Multiplikatoren dürften das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) oder die EBIT Multiples sein.
Tatsächlich kann aber auf jede beliebige Kennzahl ein Multiplikator gesetzt werden. So könnten z. B. Unternehmen der Telekommunikationbranche nach der Anzahl der Kunden bewertet werden oder Steuerberaterpraxen nach den Umsatzzahlen.
Wir setzen Multiplikatoren nur zur Überprüfung des Bewertungsergebnisses ein bzw., wenn sehr wenig Zeit für die Bewertung zur Verfügung steht, für eine "indikative Unternehmensbewertung".

11. Substanzwert

Beim Substanzwertverfahren wird fiktiv das Unternehmen auf der grünen Wiese nachgebaut. D.h., sämtliche Vermögensgegenstände werden entweder unter der Annahme der Unternehmensfortführung oder unter der Annahme der Liquidation bewertet und in die fiktive Bilanz eingetragen.
Hierzu zählen nicht nur die körperlichen Vermögensgegenstände, sondern auch die immateriellen Vermögensgegenstände sowie die passiven Vermögensgegenstände, also die Schulden. Der Substanzwert ist dann das dort abgebildete bilanzielle Reinvermögen (Eigenkapital). Beim Wertansatz wird grundsätzlich mit Wiederbeschaffungskosten bewertet.
In der Praxis hat der Substanzwert nur noch Bedeutung, soweit dieser in gesellschaftsvertraglichen Klauseln geregelt ist oder bei der Besteuerung. Dort nämlich bildet der Substanzwert der Unternehmung die Bewertungsuntergrenze nach dem Bewertungsgesetz.

12. Nicht betriebsnotwendiges Vermögen

Vermögen, das nicht für den originären Geschäftsbetrieb benötigt wird, ist gesondert zu bewerten und dem Unternehmenswert hinzuzurechnen. Infrage kommen z. B. nicht bebaute Grundstücke, Mietwohneinheiten, Kunstgegenstände, etc. Dabei ist eine gründliche Trennung notwendig. Denn die Unternehmensplanung des operativen Geschäfts darf keine Ertrags- oder Aufwandspositionen enthalten, die mit den nicht betriebsnotwendigen Teilen in Verbindung stehen.

13. Steuerliche Verfahren

Anders als in früheren Zeiten gibt es zum Zweck der Besteuerung kein eigenständiges Bewertungsverfahren mehr. Früher existierte hier das Stuttgarter Verfahren in verschiedener Ausprägung (Vermögenssteuer-Richtlinien 1995, Erbschaftsteuer-Richtlinien 2003).
Im Bewertungsgesetz ist grundsätzlich geregelt, dass börslich gehandelte Unternehmen mit dem Börsenpreis bewertet werden. Alle übrigen Unternehmen werden mit dem Unternehmenswert nach der betriebswirtschaftlichen Methode bewertet.
Hierzu gibt es aber eine Vereinfachung in Form des vereinfachten Ertragswertverfahrens. Beim vereinfachten Ertragswertverfahren wird unterstellt, dass die Erträge in der Zukunft dem Ergebnis der Vergangenheit entsprechen. Hierauf wird ein gesetzlich bzw. durch Rechtsverordnung festgelegter Kapitalisierungszins zugeordnet, mit dem diese künftigen Erträge abgezinst werden. Dieses Verfahren kann im Vergleich zur betriebswirtschaftlichen Vollbewertungen zu erheblichen Verzögerungen führen.
Aus diesem Grund sollte bei jeder steuerlichen Bewertung zumindest indikativ ein betriebswirtschaftlicher Wert ermittelt werden, damit sichergestellt wird, dass keine Übermaßbesteuerung vorliegt.

14. Mischverfahren

In der Praxis existieren noch verschiedene Bewertungsempfehlungen, die aus verschiedenen Bewertungsmethoden einen Gesamtwert bilden. Es handelt sich dabei fast immer um sogenannte Mischverfahren. Die wohl bekannteste Variante hierzu war das in der Besteuerung früher geltende Stuttgarter Verfahren, das sich aus einem Vermögenswert (Substanzwert) und einer Ertragskomponente (Ertragswert) zusammensetzte. Solche Bewertungsmethoden haben in der Betriebswirtschaftslehre keine Basis. Wir stehen diesen Bewertungsmethoden skeptisch gegenüber.

15. Unternehmensbewertungsgutachten vor Gericht

Unternehmensbewertung findet nicht in einem rechtsfreien Raum statt. Bewertungen zum Zweck der Besteuerung können in einem nachgelagerten Verfahren der finanzgerichtlichen Überprüfung zugezogen werden. Im Fall von Erbauseinandersetzungen bzw. Pflichtteilsklagen oder Zugewinnausgleich im Rahmen von Scheidungsklagen werden solche Unternehmensbewertungen regelmäßig durch Sachverständige eingeholt, vom Gericht gewürdigt und letztlich in einem Urteil festgelegt.
Entsprechendes gilt, wenn ein Unternehmen ge- oder verkauft wird. Hier kann regelmäßig die Haftung der Organe oder des Aufsichtsrats im Raum stehen. Vor diesem Hintergrund müssen Unternehmensbewertungsgutachten "gerichtsfest" sein. Dabei ist der jeweilige Bewertungsanlass und ggf. die Verhältnisse am Gerichtsstand des Unternehmens zu berücksichtigen.

16. Parteigutachten / Gegengutachten

Liegt in einer streitigen Auseinandersetzung, z. B. vor Gericht, ein Unternehmensbewertungsgutachten vor, muss dies nicht hingenommen werden, wenn das Guthaben falsch ist. In solchen Fällen bietet sich ein Gegengutachten oder zumindest eine pointierte Stellungnahme an, die die Schwächen des Gutachtens aufzeigt.
In diesem Zusammenhang ist die Funktion des Bewerters wichtig. Während der Wirtschaftsprüfer wegen der Regelung in § 43 WPO zur Neutralität verpflichtet ist, kann der Anwalt oder der Steuerberater auch ein sogenanntes Argumentationsgutachten erstellen, in dem einseitig nur die Interessen und Belange einer Prozesspartei abgebildet und berücksichtigt werden. Dies kann sich gerade im Rahmen einer streitigen gerichtlichen Auseinandersetzung empfehlen.

17. Dauer und Kosten einer Unternehmensbewertung

Aus dem Vorstehenden folgt, dass eine Unternehmensbewertung eine umfassende Beratungsaufgabe darstellt. Dabei handelt es sich um eine Tätigkeit, die regelmäßig in einem Team von Sachbearbeitern erledigt und bewerkstelligt werden muss. Dabei sinkt die Bearbeitungszeit und damit einhergehend die Bearbeitungskosten mit der Güte und der Qualität der Informationen, die dem Bewerter zur Verfügung gestellt werden. In der Praxis hat sich herausgestellt, dass bei der Bearbeitungszeit für Unternehmensbewertungen von wenigen Wochen bis mehreren Monaten auszugehen ist.
Als Faustformel für das Honorar einer Unternehmensbewertung kalkulieren wir die 4 bis 6-fachen Kosten eines Jahresabschlusses mit Anhang, Erstellung, Bericht und Steuererklärungen. Dies kann im Einzelfall deutlich darüber aber auch darunter liegen. In der Praxis machen wir nach einem umfangreichen Erstgespräch und eine eventuell nachfolgenden Daten- und Informationenerhebung ein Festpreisangebot.

 

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