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Freitag, 30 März 2012 09:48

Magazin: Das angemessene Geschäftsführergehalt

Gesellschafter sind durch ihre Anteile an der Kapitalgesellschaft beteiligt und erhalten hieraus Gewinne oder Verluste. Diese Gewinne oder Verluste bilden Einkünfte aus Kapitalvermögen. Der Gesellschafter kann jedoch auch in einem Anstellungsverhältnis zur Kapitalgesellschaft stehen und als Geschäftsführer Einkünfte aus nichtselbständiger Arbeit erzielen. Die Art und Höhe der Geschäftsführer(GF)-Vergütung ist relativ frei zu bestimmen.

Da die Gehaltszahlung für den Gesellschafter in der Regel steuerlich günstiger ist als die entsprechende Gewinnausschüttung, ist die GF-Vergütung beim Gesellschafter beliebt und fällt eher zu hoch aus. Vor diesem Hintergrund ist die GF-Vergütung häufiger Bestandteil der Betriebsprüfung. Hierbei wird überprüft, ob die Vergütung tatsächlich auf dem Anstellungsverhältnis beruht, oder ob die Gehaltszahlung nur eine andere Form der Gewinnausschüttung darstellt. Ist letzteres der Fall, liegt eine verdeckte Gewinnermittlung (vGA) vor mit der Folge, dass es zu Steuernachzahlungen kommen kann.

Eine vGA ist eine Vermögensminderung oder verhinderte Vermögensmehrung, die nicht auf einer offenen Gewinnausschüttung beruht, sich auf das Betriebsvermögen auswirkt und durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst ist.

Vereinbarungen sind durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst, wenn ein ordentlicher und gewissenhafter Geschäftsleiter die Vermögensminderung oder die verhinderte Vermögensmehrung gegenüber einer Person, die nicht Gesellschafter ist, unter sonst gleichen Umständen nicht hingenommen hätte. Hierunter fallen auch unangemessene Geschäftsführer-Vergütungen.

Die GF-Vergütung stellt eine Betriebsausgabe auf der Ebene der Kapitalgesellschaft dar, der Gewinn wird in ihrer Höhe gemindert. Liegt jedoch eine vGA vor, muss diese außerhalb der Steuerbilanz im Rahmen der Einkommensermittlung wieder hinzugerechnet werden. Es ist somit darauf zu achten, dass das GF-Gehalt nicht unangemessen hoch ist, da sonst eine vGA bestehen würde und diese als Einkünfte aus Kapitalvermögen besteuert werden müsste.

Bei der Prüfung, ob das GF-Gehalt angemessen ist, ist zunächst zu prüfen, ob die Vergütung  dem Grunde nach als durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst anzusehen ist. Des Weiteren sind die Vergütungsbestandteile danach zu beurteilen, ob sie der Höhe nach als durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst anzusehen sind. Im 3. Schritt ist zu prüfen, ob die Vergütungsbestandteile, die nicht durch das Gesellschaftsverhältnis veranlasst sind, in ihrer Summe als angemessen anzusehen sind.

1. Prüfungsschritt: Angemessenheit dem Grunde nach

Es ist zu prüfen, ob die Vergütungsbestandteile zivilrechtlich wirksam zustande gekommen sind. Die Vereinbarungen müssen klar und eindeutig vereinbart sein. Die Vergütung muss üblich sein. Die einzelnen Vergütungsbestandteile sind zu durchleuchten, ob sie auch einem fremden Dritten gestattet worden wären. Die Vereinbarungen müssen tatsächlich durchgeführt werden. Sämtliche Formerfordernisse sind zu beachten. Liegen alle Voraussetzungen vor,  sind auf der ersten Stufe keine vGA anzunehmen.

2. Prüfungsschritt: Angemessenheit der Höhe nach

Was ein angemessenes Grundgehalt ist, ist sehr umstritten. So werden 500.000 € Jahresgehalt teilweise als (noch) angemessen angesehen – 150.000 € dagegen auch schon mal als (bereits) unangemessen. Es gibt keine gültige Obergrenze. Überprüfungsmethoden, ob ein GF-Gehalt angemessen ist, sind der interne wie auch der externe Gehaltsvergleich.

Interner Gehaltsvergleich

Es werden Vergütungen sämtlicher GF miteinander verglichen, ein Vergleich mit einem Fremdgeschäftsführer vorgenommen sowie das Gehalt vom GF mit dem eines leitenden Angestellten in Verhältnis gesetzt. Bei der Überprüfung spielen objektive (Ertragsaussichten) als auch subjektive (Vorbildung) Faktoren eine Rolle.

Externer Gehaltsvergleich

Es wird herbei mit Zahlen gearbeitet, die z. B. jährlich in der DStR (Zeitschrift: Deutsches Steuerrecht) veröffentlicht werden. GF der verschiedensten GmbHs werden aufgelistet. Eine enorme Spannweite ist die Regel.

Die derzeitige Rechtsprechung geht von einem flexiblen Bewertungsmaßstabs bzgl. des Grundgehalts aus. Das GF-Gehalt gilt als angemessen, wenn nach Abzug des Gehaltes noch eine Kapitalverzinsung von 15 % des eingesetzten Kapitals über einen längeren Zeitraum verbleibt.

Grundsätzlich muss die GF-Vergütung dem externen Vergleich standhalten, damit keine vGA vorliegt. Das GF-Gehalt setzt sich regelmäßig aus mehreren Bestandteilen zusammen, die jeweils für sich dem Grunde und der Höhe nach beurteilt werden müssen.

3. Prüfungsschritt: Die Gesamtsumme

Sämtliche Vergütungsbestandteile sind als Ganzes zu betrachten. Diese Gesamtbezüge dürfen nicht unangemessen hoch sein und müssen einem Fremdvergleich standhalten. Um die Gesamtvergütung zu bewerten, gibt es bestimmte Beurteilungskriterien:

•    Art u. Umfang der Tätigkeit
•    Künftige Ertragsaussicht des Unternehmens
•    Fremdvergleich – was andere Geschäftsführer bei gleichartigen Betrieben an Leistungen erhalten
•    Verhältnis des GF-Gehaltes zum Gesamtgewinn

Bei der Vereinbarung von Geschäftsführungsvergütungen sind viele Grenzen und Bestimmungen zu beachten, damit das GF-Gehalt keine vGA darstellt. Eine gründliche Prüfung der Voraussetzungen ist hierbei ratsam, damit es bei einer zukünftigen Betriebsprüfung nicht das böse Erwachen sowie Steuernachzahlungen gibt.

Die Angemessenheit von Geschäftsführer-Vergütung ist regelmäßig Bestandteil von Betriebsprüfungen.

[Lisa Riehle]

 

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