Kanzlei Nickert //images.kanzleinickert.de/nickert-logo-fb.jpg KANZLEI NICKERT | Rechtsanwälte und Steuerberater, Offenburg, kompetent in Rechts-, Steuerberatung, Finanz-, Lohnbuchhaltung, spezialisiert auf Branchen Bau, Handel und Industrie. info@kanzlei-nickert.de
Rammersweierstraße 120 77654 Offenburg

kanzlei nickert logo

header-tax-blog-steuern

Dienstag, 01 Dezember 2009 09:45

Inventur – mit uns ein Kinderspiel

Inventur – warum ist sie so wichtig?

Die Notwendigkeit der Inventur ergibt sich aus deren Folgen: Fehlerhafte oder nicht aufgenommene Inventurwerte wirken sich wie folgt aus:

  • Das Jahresergebnis in der Bilanz kann nicht richtig ermittelt werden. Bei einer Betriebsprüfung können Zuschätzungen im Jahresabschluss erfolgen. Sie müssen mit Steuernachzahlungen rechnen.
  • Im Rahmen von Basel II verlangen die Banken zunehmend die Prüfung des Jahresabschlusses durch den Steuerberater. Von dieser Seite her gelangt die Inventur ebenfalls in den Blickpunkt. Fehlerhafte Inventurdaten führen zur Versagung des Testates durch den Berater. Durch das fehlende Testat erhält der Jahresabschluss einen entscheidenden Makel im Ratingverfahren. Ein Schuldner mit besserem Rating kann sich zu besseren Konditionen (niedrigeren Zinsen) Kapital verschaffen. Dagegen müssen Schuldner mit einer schlechteren Ratingeinstufung aufgrund der dadurch zum Ausdruck kommenden höheren Ausfallswahrscheinlichkeit (Bonität) einen höheren Zinssatz bezahlen.

Inventuraufnahme

Hinsichtlich der Inventuraufnahme ist zu unterscheiden zwischen

  • der körperlichen Bestandsaufnahme
  • der buchmäßigen Bestandsaufnahme und
  • der Bestandsaufnahme anhand von Urkunden.

Die körperliche Bestandsaufnahme ist der Regelfall. Das Vorhandensein der Vermögensgegenstände wird durch Inaugenscheinnahme festgestellt. D.h. die Vermögensgegenstände sind durch Messen, Zählen und Wiegen nach Art und Menge zu erfassen. Dabei sind Aufzeichnungen und Auswertungen zur Dokumentation zu verwenden (Zählzettel, Aufnahmebelege, Übersichten), damit die Werte für die Inventur eindeutig nachvollziehbar sind. Wertmindernde Faktoren sind zu berücksichtigen (Mode, technischer Stand, Alter und Beschaffenheit). Körperlich nicht feststellbare Vermögensgegenstände und Schulden wie Forderungen und Verbindlichkeiten sind der Hauptanwendungsfall für die Buchinventur. Hier werden die Werte anhand von Belegen und Büchern in der Buchführung erfasst und wertmäßig ermittelt. Für die einzelnen Kunden und Lieferanten werden die Belege in Kontokorrentkonten erfasst. Zur Ermittlung der Inventurwerte werden Saldenlisten verwendet, die Auskunft über die einzelnen Posten für die Forderungen und Verbindlichkeiten zum Inventurstichtag liefern.

Die Bestandsaufnahme anhand von Urkunden erfolgt bei immateriellen Vermögensgegenständen und bei der sich im Besitz von Dritten befindlichen bzw. nicht zugänglichen Vermögensgegenständen. Der Nachweis dieser Bestände erfolgt z. B. durch Patenturkunden.

Inventurverfahren

  • Stichtagsinventur: Diese Inventur beinhaltet eine körperliche Bestandsaufnahme für einen bestimmten Inventurstichtag (z. B. der 31.12). Der Großteil der Kaufleute ermittelt ihre Inventurwerte nach dieser Form.
  • Permanente Inventur: Beim permanenten Inventurverfahren erfolgt eine dauernde Bestandsaufnahme der Warenbestände. Die Bestände werden hier über eine Lagerbuchhaltung erfasst. In der Bestandsbuchführung (Lagerbuch, Lagerkartei, Warenwirtschaftsprogramm) sind alle Bestände, sowie die Zu- und Abgänge einzeln nach Tag, Art und Menge eingetragen und belegt.
  • Zeitverschobene Inventur: Eine Erleichterung für viele Betriebe stellt die zeitverschobene Inventur dar. Bei diesem Inventurverfahren wird der Zeitpunkt innerhalb der letzten 3 Monate vor oder der ersten 2 Monate nach dem Abschlussstichtag festgelegt. Der sich ergebende Gesamtwert des Bestandes wird dann wertmäßig auf den Abschlussstichtag fortgeschrieben bzw. zurückgeschrieben.
  • Stichprobeninventur: Unter bestimmten Voraussetzungen darf bei der Inventur der Bestand der Vermögensgegenstände nach Art, Menge und Wert aufgrund von Stichproben ermittelt werden. Kennzeichen dieser Inventur ist, dass nicht alle Lagerbestände aufgenommen werden. Nur die hochwertigen Gegenstände werden durch eine körperliche Bestandsaufnahme aufgelistet. Vom restlichen Bestand wird nach dem Zufallsprinzip eine Stichprobe genommen. Mit Hilfe dieser Stichprobe werden Aussagen über den Inventurwert des gesamten Vorratsvermögens getroffen.

Inventurbewertung

Mit der Inventur wird lediglich ein Mengengerüst über die vorhandenen Warenbestände ermittelt. Unter Anwendung der Bewertungsmaßstäbe des Handels- und Steuerrechtes wird letztlich ein realistisch angemessener Geldwert der Vorräte zum Bilanzstichtag errechnet. Die Vermögensgegenstände und Schulden sind hierzu einzeln zu bewerten. Da sich die Anschaffungskosten der oft an verschiedenen Zeitpunkten zu unterschiedlichen Preisen bezogenen Warenvorräte am Bilanzstichtag meist nur schwer feststellen lassen, ist diese Einzelbewertung sehr aufwendig. Als Ausnahme zu diesem Grundsatz der Einzelbewertung können unter bestimmten Voraussetzungen Bewertungsvereinfachungen in Anspruch genommen werden (Verbrauch / Festwerte / Durchschnitt).

Beim Verbrauchsfolgeverfahren wird unterstellt, dass gleichartige Wirtschaftsgüter des Vorratsvermögens in bestimmter Folge verbraucht oderveräußert werden. Hierzu gehören das Lifo- und das Fifo-Verfahren (Last in first out; First in first out).

Festwerte sind für Sachanlagen sowie für Roh-, Hilfs- und Betriebsstoffe unter bestimmten Voraussetzungen vorgesehen. Hier müssen die Gegenstände im Gesamtwert für das Unternehmen von untergeordneter Bedeutung sein.

Bei Wirtschaftsgütern, die im Verkehr nach Maß, Zahl oder Gewicht bestimmt werden und Schwankungen im Laufe des Wirtschaftsjahres unterliegen, können die Werte nach der Durchschnittsbewertung ermittelt werden. Hier erfolgt die Bewertung mit dem gewogenen Durchschnittspreis

Die jährlich durchzuführende Inventur dient neben der Feststellung des richtigen Jahresergebnisses auch der Überprüfung der buchhalterischen Bestände. Eventuell sind dadurch Richtigstellungen der Bestände vorzunehmen. Versäumnisse bei der Aufnahme können sich bei Ihrer Bank und gegenüber dem Finanzamt negativ auswirken. Was vielleicht als beiläufige Bestätigung der Zahlen aus der Buchhaltung erscheint, ist tatsächlich eine folgenschwere gesetzliche Pflicht.

„Sehen Sie potenziellen Gefahren in die Augen. Umsichtige Unternehmen
legen ein besonderes Augenmerk auf die Inventur. "

Artikel verfasst im November 2009

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine Haftung übernehmen.

 

Die von uns verwendeten Cookies sollen sicherstellen, dass Sie unsere Website optimal genießen können.
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Nutzung dieser Cookies einverstanden. Weitere Informationen zum Datenschutz