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Donnerstag, 01 April 2010 11:21

Das Auto in der Steuer

Ein Auto ist ein Auto – oder etwa doch nicht? Mit den Augen eines Steuerberaters gesehen jedenfalls nicht immer. An der betrieblichen Nutzung eines Autos bei einem Pizza-Lieferservice oder einem Taxi-Unternehmen kann sicherlich kein Zweifel bestehen – aber können diese Unternehmer ihre betrieblichen Fahrzeuge nicht auch zu einem Wochenendausflug ins Grüne nutzen oder zu privaten Fahrten zum Supermarkt? Genau hier setzt der Gesetzgeber mit seinen Regelungen zur Besteuerung der privaten Nutzung eines Betriebsfahrzeugs an.

Betriebsvermögen vs. Privatvermögen

Ein Fahrzeug kann dem Betriebsvermögen zugeordnet werden, wenn der Umfang der betrieblichen Nutzung mindestens 10 % ist. Es ist zwingend dem Betriebsvermögen zuzuordnen, wenn die betriebliche Nutzung mehr als 50 % ist.

Die betrieblichen Fahrten umfassen neben den reinen Geschäftsfahrten sowohl die Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte, als auch Familienheimfahrten bei doppelter Haushaltsführung eines Unternehmers. Bei den beiden letztgenannten greift trotz betrieblicher Qualifikation der Fahrten das „Werkstorprinzip": Diese Fahrten werden der Privatsphäre zugeordnet und können nur begrenzt als Betriebsausgaben geltend gemacht werden.

Tatsächlicher Ansatz: Die Fahrtenbuchmethode

Fahrtenbuch einen aussagekräftigen Überblick über die tatsächlichen Nutzungsverhältnisse geben. Die angefallenen Kfz-Kosten werden im Verhältnis der gefahrenen Kilometer auf die jeweiligen Nutzungsarten aufgeteilt. Bei der Ermittlung der nicht abzugsfähigen Betriebsausgaben ist die Entfernungspauschale von 0,30 € in Abzug zu bringen.

Ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch muss Datum und Kilometerstand zu Beginn und Ende jeder einzelnen betrieblich veranlassten Fahrt, das Reiseziel, den Reisezweck und die Namen der aufgesuchten Geschäftspartner (z.B. Kunden und Lieferanten) enthalten. Sowohl die betrieblichen als auch die privaten Fahrten sind unbedingt als solche kenntlich zu machen. Berufsspezifisch bedingte Erleichterungen sind u.a. für Handelsvertreter, Taxifahrer und Fahrlehrer möglich. Wichtig: in einem Fahrtenbuch müssen nachträgliche Änderungen technisch ausgeschlossen, bzw. zumindest dokumentiert sein. Dies gilt auch bei elektronisch geführten Fahrtenbüchern. Die Fahrtenbuchmethode ist für den Unternehmer dann von Vorteil, wenn mit der 1 % -Regelung ein unangemessen hoher privater Nutzungsanteil ausgewiesen werden würde.

Kfz im Betriebsvermögen – pauschale Nutzungswertermittlung

Bei einem Fahrzeug im Betriebsvermögen werden alle damit zusammenhängenden Kosten als Betriebsausgaben in einen Topf geworfen. Der Privatanteil ist mittels der 1 %-Methode wie folgt zu ermitteln: Der private Nutzungswert ist in Höhe von 1 % des Bruttolistenpreises im Zeitpunkt der Erstzulassung (zuzüglich der Kosten für Sonderausstattung) anzusetzen.

Voraussetzung für den Ansatz dieser Methode ist die betriebliche Nutzung des Fahrzeugs zu mehr als 50 %, wobei der Unternehmer hierfür die objektive Beweislast trägt. Die überwiegend betriebliche Nutzung kann u. a. durch formlose Aufzeichnungen über einen repräsentativen zusammenhängenden Zeitraum von 3 Monaten nachgewiesen werden. Die so ermittelte Privatnutzung ist als Nutzungsentnahme zu versteuern. Vorteilhaft ist die 1 %-Regelung vor allem bei einem niedrigen Bruttolistenpreis eines Fahrzeugs, bzw. bei einem relativ hohen privaten Nutzungsanteil (jedoch unter 50 %). Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte sind monatlich zunächst mit 0,03 % des Bruttolistenpreises, Familienheimfahrten mit 0,002 % des Bruttolistenpreises je Entfernungskilometer zu bewerten. Als Betriebsausgabe darf die in diesen Beträgen jeweils enthaltene Entfernungspauschale von 0,30 € herausgerechnet werden.

Der positive Restbetrag ist als nicht abzugsfähige Betriebsausgabe zu qualifizieren. Der 1 %-Methode, aber auch sämtlichen anderen pauschalen Bewertungsmethoden, ist die sog. Kostendeckelung zugrunde zu legen. Sprich: Übersteigt der pauschal berechnete private Nutzungswert die tatsächlich angefallenen Fahrzeugkosten, ist die Höhe der zu versteuernden Entnahme auf den letzteren Betrag zu begrenzen

Kfz im Privatvermögen: pauschale Nutzungswertermittlung

Wie kann nun wiederum der betriebliche Nutzungswert berechnet werden, wenn die gesamten Kosten in den privaten Bereich fallen?

Die rein betrieblichen Geschäftsfahrten werden pauschal mit 0,30 € pro gefahrenem Kilometer angesetzt, Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätte mit 0,30 € pro Entfernungskilometer. Familienheimfahrten können mit maximal 52 tatsächlich unternommenen Fahrten im Jahr mit der Entfernungspauschale von 0,30 € als Betriebsausgaben pauschal geltend gemacht werden.

Besonderheiten und Einzelfälle

Bei mehreren Fahrzeugen im Betriebsvermögen hat ein Einzelunternehmer die 1 %-Regelung auf jedes privat genutzte Betriebsfahrzeug anzuwenden, soweit es von ihm selbst oder von zu seiner Privatsphäre gehörenden Personen für Privatfahrten genutzt wird. Der Unternehmer muss die überwiegend betriebliche Nutzung für jedes einzelne Fahrzeug (s. 3-Monats-Regel) nachweisen.

Hat ein Steuerpflichtiger mehrere Betriebsstätten in unterschiedlicher Entfernung von der Wohnung, z.B. ein Bäcker mit mehreren Bäckerei- Filialen, sind die Fahrten Wohnung/Betrieb lediglich für die am nächsten gelegene Betriebsstätte mit 0,03 % des Bruttolistenpreises zu bewerten, für die restlichen Betriebsstätten ist die 0,002 % - Pauschale anzusetzen. Bei der Nutzung eines betrieblichen Fahrzeugs zusätzlich für eine oder mehrere andere Einkunftsarten (Friseurin, die angestellt ist und gleichzeitig privat einen mobilen Friseurservice betreibt) ist die Nutzungsentnahme für die außerbetrieblichen, jedoch nicht privaten Fahrten, zusätzlich mit 0,001 % des Bruttolistenpreises pro Entfernungskilometer zu bewerten. Dieser Wert ist im Rahmen der jeweiligen Einkunftsart als Aufwand anzusetzen.

Die Fahrtenbuchmethode birgt ihre Tücken. Wird das Fahrtenbuch nicht ordentlich geführt, verwirft es das Finanzamt als nicht ordnungsgemäß und greift auf die pauschale Bewertung zurück – dann war die Mühe umsonst! Führen Sie also immer Datum, Kilometerstand zu Beginn und Ende jeder einzelnen betrieblich veranlassten Fahrt, Reiseziel, Reisezweck auf sowie die Namen der aufgesuchten Geschäftspartner.

„Fahrtenbuch oder 1%-Methode – ja, was denn nun?"

Artikel verfasst im März 2010

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