Kanzlei Nickert http://kanzlei-nickert.de/images/nickert-logo-fb.jpg KANZLEI NICKERT | Rechtsanwälte und Steuerberater, Offenburg, kompetent in Rechts-, Steuerberatung, Finanz-, Lohnbuchhaltung, spezialisiert auf Branchen Bau, Handel und Industrie. info@kanzlei-nickert.de
Rammersweierstraße 120 77654 Offenburg

kanzlei nickert logo

header-tax-blog-steuern

Montag, 24 April 2017 11:09

Rechtsformvergleich

Die Frage nach der "optimalen Rechtsform" stellt sich nicht nur zu Beginn einer
Unternehmung (=Gründungsstadium), sondern auch im Laufe eines bestehenden
Unternehmens.


Änderungen der persönlichen, wirtschaftlichen oder rechtlichen Verhältnisse (z. B.
Überlegungen zur Nachfolgeregelung, steuerliche Änderungen usw.) können Überlegungen
hinsichtlich eines Wechsels der Rechtsform notwendig machen.

Immer wieder geben Veränderungen der steuerlichen Rahmenbedingungen durch die
Gesetzgebung Anlass, sich Gedanken über die steueroptimierte Rechtsform zu machen.
Gerade für den Mittelstand und insbesondere für die inhabergeführten Einzelunternehmen
stellt sich nach Senkung des Körperschaftsteuersatzes auf eine Definitivbelastung von 15
Prozent (zzgl. Soli) und einer linearen Gewerbesteuer-Messzahl von 3,5 (es erfolgt keine
GewSt-Anrechnung auf Gesellschafterebene) immer häufiger die Frage, ob bzw. ab wann
die GmbH als Rechtsform günstiger ist.

Rechtsformwechsel: individuelle Vor- und Nachteile abwägen

Es ist zu überlegen, ob ein Rechtsformwechsel wegen einer vermeintlich geringeren
Ertragssteuerbelastung vorgenommen werden soll, wenn andererseits spezifische Vorteile
einer anderen Rechtsform vor allem bei Erbschafts- und Schenkungsfällen oder
gesellschaftsrechtliche Vorteile verloren gehen können. Bei Überlegungen bzw. Erwägungen
hinsichtlich eines Rechtsformwechsels sind daher für jeden Einzelfall die individuellen Vorund
Nachteile abzuwägen.
Der folgende Beitrag bietet nur eine Hilfestellung für Unternehmer, indem an einem
konkreten Beispiel die Rechtsformen zwischen Einzelunternehmen und GmbH verglichen
werden.

Berechnungs-Beispiel Rechtsformvergleich

Der Unternehmer A ist 40 Jahre alt, ledig und bezieht Einkünfte aus dem Handwerksbetrieb,
Gewinn 200.000 €. Geschäftsführergehalt des A soll jährlich 90.000 € betragen. Der Gewinn
wird in voller Höhe ausgeschüttet. Gewerbesteuer-Hebesatz wird mit 400 v. H. unterstellt.
Beim Einzelunternehmen beträgt die Gewerbesteuer 37.168 €, bei der GmbH kommt noch
die Körperschaftsteuer (inkl. Soli) hinzu, sodass insgesamt 59.650 € anfallen. Bei der
Besteuerung auf der Beteiligtenebene fallen beim Einzelunternehmer 83.354 €
Einkommensteuer (inkl. Soli) an und beim GmbH-Gesellschafter 67.284 €. Somit ist im o. g.
Beispiel die Gesamtsteuerbelastung für das Einzelunternehmen günstiger gegenüber der
GmbH.

Unterschiede bei der Gewinnausschüttung

Bei der Wahl der Rechtsform nur unter Berücksichtigung ertragsteuerlicher Aspekte ist das
für Kapitalgesellschaften geltende Trennungsprinzip und das für Personenunternehmen
einschlägige Einheitsprinzip von zentraler Bedeutung. Dies wirkt sich insbesondere bei
Gewinnausschüttungen aus, weil es insofern bei Kapitalgesellschaften zu einer
Doppelbelastung mit Körperschaft- und Einkommensteuer kommt.

Verlustsituation

In Verlustsituationen sind Einzelunternehmen in der Gesamtsteuerbelastung i.d.R. günstiger
als Kapitalgesellschaften, da die negativen Einkünfte mit anderen positiven Einkünften
verrechnet werden können.
Schwankende Gewinne bei der GmbH müssen beim Gesellschafter nicht zu unerwünschten
Progressionsspitzen führen. Durch Ausschüttungsstrategie kann ein entsprechender
Ausgleich bzw. periodisch konstante Einkünfte geschaffen werden. Erzielt ein Gesellschafter
z. B. negative Einkünfte aus Vermietung kann eine progressivere Ausschüttungspolitik
betrieben werden, während hingegen beim Vorliegen hoher positiver Einkünfte aus anderen
Einkunftsarten eine verstärkte Thesaurierungsstrategie von Vorteil sein kann.

Fazit: Steuerbelastungsvergleich im Einzelfall vornehmen

Die steuerlichen, rechtsformabhängigen Einflussfaktoren haben demzufolge erhebliche
Auswirkungen bei Steuerbelastungsvergleichen. Die Vorteilhaftigkeit einer Rechtsform unter
Berücksichtigung der gewerbe- und ertragsteuerlichen Belastungen sowie unter
Einbeziehung der Gesellschafts- als auch der Gesellschafterebene kann nur für den
jeweiligen Einzelfall beurteilt werden und setzt stets eine detaillierte
Steuerbelastungsanalyse voraus.

Weiterführende Beiträge der KANZLEI NICKERT

[Irina Schmidt-Steinke]

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine Haftung übernehmen.

 

Die von uns verwendeten Cookies sollen sicherstellen, dass Sie unsere Website optimal genießen können.
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Nutzung dieser Cookies einverstanden. Weitere Informationen zum Datenschutz