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Dienstag, 14 Dezember 2010 16:03

Betriebsprüfung

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Es gibt kaum einen Betriebsinhaber, der nicht Angst vor der Betriebsprüfung hat. Richtig ist: In den meisten Prüfungen werden Tatbestände aufgegriffen, die evtl. zu einer höheren Steuer führen. Eine optimale Vorbereitung auf eine bevorstehende Betriebsprüfung hilft daher, unliebsame Überraschungen zu vermeiden und die richtigen Maßnahmen einzuleiten.

Betriebsprüfung, abgekürzte Außenprüfung oder Sonderprüfung

Der reguläre Prüfdienst der Finanzverwaltung ist die Betriebsprüfung. Sie prüft in einem bestimmten Turnus. Die Prüfung wird mit einer Prüfungsanordnung angekündigt. In der Regel umfasst der Prüfungszeitraum die letzten 3 Veranlagungszeiträume. Die Ausdehnung kann bei Verdacht einer Steuerordnungswidrigkeit oder einer Steuerstraftat erfolgen.

Der Prüfungsturnus hängt von der Größe des Betriebs ab. Je größer der Betrieb, desto öfter wird er geprüft. Die Einteilung in Kleinst-, Klein-, Mittel- und Großbetriebe erfolgt entweder gewinn- oder umsatzabhängig. Die Grenzwerte werden von den Betriebsprüfungsstellen im 3-jährigen Turnus den wirtschaftlichen Gegebenheiten in der Betriebskartei angepasst. Die Groß- und Konzernbetriebe werden fortlaufend geprüft. Alle anderen Prüfdienste zählen zu den Sonderprüfungen, z. B. Umsatzsteuerprüfung. Diese werden nur dann eingesetzt, wenn ein konkreter Anlass besteht.

Die reguläre Betriebsprüfung wird in der Regel nur bei umsatzsteuerlichen Unternehmern durchgeführt. Dagegen werden bei der abgekürzten Außenprüfung auch Privatpersonen, Land- und Forstwirte geprüft. Die abgekürzte Außenprüfung erstreckt sich nur auf punktuell bestimmte Einkunftsarten, wie z. B. Einkünfte aus Vermietung, Kapitaleinkünfte, sonstige Einkünfte. Sie kann sich aber auch auf einzelne Sachverhalte, wie z. B. Fahrtenbuch, Abgrenzung von Herstellungskosten/Anschaffungskosten beziehen. Bei einer Betriebsprüfung werden hingegen alle Einkunftsarten und alle Sachverhalte geprüft.

Die Umsatzsteuernachschau

Seit dem Veranlagungszeitraum 2002 gibt es eine weitere Form der Prüfung, die Umsatzsteuernachschau. Hier sind die Betriebsprüfer berechtigt, die Grundstücke/Geschäftsräumlichkeiten der Unternehmer während der üblichen Geschäfts- und Arbeitszeiten ohne vorherige Ankündigung (!) zu betreten. Durch die Nachschau soll sich die Finanzbehörde ein Bild von den tatsächlichen Verhältnissen des Unternehmers verschaffen.

Gründe für eine Betriebsprüfung

Das Finanzamt sucht sich die zu prüfenden Betriebe grundsätzlich nach dem Zufallsprinzip aus. Dem Finanzamt kann aber auch Kontrollmaterial oder eine Anzeige vorliegen. Anlass zur Prüfung können auch auffällige Sachverhalte in der Steuererklärung sein, die einer Aufklärung bedürfen, oder die betrieblichen Kennzahlen weichen im internen/externen Betriebsvergleich vom Branchenschnitt ab.

Wo findet die Prüfung statt?

Grundsätzlich soll die Betriebsprüfung in den Geschäftsräumen des Unternehmers stattfinden. Ist eine Prüfung z. B. aus Platzmangel nicht möglich, kann auch in der privaten Wohnung geprüft werden. Ist dies nicht erwünscht, kommt nur die Amtsprüfung in Frage. Es besteht kein Rechtsanspruch, dass die Prüfung beim Steuerberater stattfindet.

Es gibt Gründe, die für eine Prüfung in Betriebsräumen sprechen, z.B. der Prüfer beschäftigt sich dann ausschließlich mit Ihrem Betrieb, die Prüfung kann dadurch beschleunigt werden. Gründe, die gegen eine Prüfung in Ihrem Betrieb und für eine Prüfung beim Steuerberater sprechen, sind z. B.: Sie sind „schutzlos" den Fragen des Prüfers ausgeliefert, der Steuerberater hingegen erkennt die Hintergründe der Frage und weiß, worauf der Prüfer hinaus möchte, der Steuerberater erkennt mögliche steuerliche Auswirkungen.

Rechte und Pflichten während einer Prüfung

Als Geprüfter sind Sie verpflichtet, die Fragen des Prüfers zu beantworten. Die Auskunftspflicht können Sie allerdings auch an Ihren Steuerberater delegieren. Sie sind außerdem verpflichtet, notwendige Unterlagen zur Verfügung zu stellen. Das sind Buchhaltungs-, Abschlussunterlagen sowie GDPdU-fähige Daten.

Die digitale Steuerprüfung kommt!

Seit dem 1.1.2002 gelten für die Betriebsprüfung verschärfte Zugriffsmöglichkeiten. Die Betriebsprüfer müssen auf die steuerrelevanten Daten, die für die Besteuerung von Bedeutung sind, elektronisch zugreifen können (Grundsätze zum Datenzugriff und zur Prüfbarkeit digitaler Unterlagen). Die elektronischen Daten müssen innerhalb der steuerlichen Aufbewahrungsfristen jederzeit digital verfügbar sein, unverzüglich lesbar gemacht werden können und maschinell auswertbar sein!

Der Umfang einer Prüfung wurde durch die Einführung der digitalen Betriebsprüfung rein rechtlich nicht verändert. Allerdings führen die neuen technischen Errungenschaften die Prüfer dazu, dass sie jetzt Prüfungsschritte/Prüfungsverfahren in Sekundenschnelle vornehmen können. Die von Prüfern eingesetzte Prüfsoftware IDEA kann in wenigen Sekunden Vollständigkeitsanalysen über Rechnungsnummern etc. durchführen. Unregelmäßigkeiten werden so schneller ersichtlich. Die Prüfer haben aufgrund der schnellen technischen Analysen mehr Zeit fürs Nachforschen nach auffälligen Geschäftsvorfällen oder typischen Streitpunkten wie z. B. Rückstellungsbildung und Bewertung.

[Irina Schmidt]

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