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Montag, 13 Dezember 2010 13:03

Halbfertige Arbeiten

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Soweit zum Bilanzstichtag unfertige Erzeugnisse bzw. unfertige Leistungen vorhanden sind, müssen diese in der Bilanz als Vermögensgegenstände bzw. Wirtschaftsgüter angesetzt werden. Und zwar in Höhe der Aufwendungen, die durch die Herstellung bis zum Aufnahmezeitpunkt entstanden sind. Aber wie lassen sich die anzusetzenden Beträge ermitteln?

Die nachfolgend dargestellten Methoden können in Unternehmen verschiedener Größenordnung eingesetzt werden, um die halbfertigen Arbeiten zu ermitteln.

 

Ermittlung über den Fertigstellungsgrad; Plausibilisierung über gestellte/erhaltene Anzahlungen

 

Der Bauvertrag bildet die Grundlage für die Abrechnung mit dem Auftraggeber. Die Gesamtsumme ist demzufolge der Gesamtleistungswert (entspricht dem „Erlös" aus diesem Bauprojekt). Beinhaltet der Bauvertrag z.B. die Errichtung eines Einfamilienhauses zu einem Verkaufspreis von 200.000 € (inkl. eines kalkulierten Unternehmergewinns von 20.000 €), betragen die Gesamtkosten der Bauausführung somit 180.000 €. Wird nun zum Bilanzstichtag ein Fertigstellungsgrad von 60 % durch den Unternehmer ermittelt, sind die halbfertigen Arbeiten mit 108.000 € (180.000 x 60 %) zu bewerten. Der Fertigstellungsgrad kann während der Bauausführung über die Abschlagsrechnungen auf die Gesamtleistung plausibilisiert werden.

 

Ermittlung über die Produktivstunden

 

Bei diesem Verfahren wird unter Zugrundelegung von Vergangenheitswerten die erbrachte Gesamtleistung über geleistete Produktivstunden verprobt.

Die Gesamtleistung aus dem Vorjahr (Vj) wird durch die Gesamtzahl der produktiven Stunden (ohne Krankheit, Urlaub, Feiertage) geteilt. Hieraus ergibt sich die Gesamtleistung pro Produktivstunde. Der ermittelte Wert für das Vj wird mit den Produktivstunden des lfd. Jahres multipliziert. Hierdurch gelangt man zur Gesamtleistung zum Stichtag. Vergleicht man den Wert mit den Netto-Umsatzerlösen des lfd. Jahres, so ist die Differenz Bestandserhöhung/Bestandminderung.

Hierzu folgendes Beispiel: Die Gesamtleistung aus dem letzten Jahresabschluss beträgt 6.000 T€. Die Produktivstunden im letzten Jahr sind 84.507. Die Gesamtleistung je Produktivstunde beträgt somit 71 €. Ergeben bspw. die monatlichen Lohnzettel der gewerblichen Arbeitnehmer zum Stichtag 37.632 Produktivstunden, so beträgt die Gesamtleistung 2.672 T€ (37.632 x 71 €). Diese hochgerechnete Gesamtleistung wird mit den gebuchten Umsatzerlösen subtrahiert (z.B. Netto-Umsatzerlöse per 31.12. = 2.520 T€). Die Differenz (2.672 T€ – 2.520 T€ = 152 T€) ergibt dann die Bestandsveränderung.

 

Ermittlung über die Kostenrechnung

 

Die Kostenrechnung ist unter den dargestellten Methoden die genaueste Ermittlungsmethode. In der Kostenrechnung werden die einzelnen Aufwendungen (Material, Lohn, Sonderkosten der Fertigung, Werteverzehr des Anlagevermögens), die in Bezug auf das Bauvorhaben anfallen, dem jeweiligen „Baustellenkonto" zugewiesen. Alle Gemeinkosten (Material-GK, Lohn-GK, Verwaltungs-GK) werden über einen Umlageschlüssel auf die einzelnen Baustellen verteilt. Hierdurch lassen sich die Selbstkosten ermitteln, die die Bewertung der halbfertigen Arbeiten vorgeben. Durch die Erfassung der erhaltenen und gestellten Anzahlungen sowie der Vorgabe des Fertigstellungsgrades lässt sich dieser Bewertungsansatz wiederum plausibilisieren.

 

Besonderer Vorteil der Kostenrechnung gegenüber der übrigen Ermittlungsmethoden

 

Über die Kostenrechnung lassen sich Material- und Zeiteinsatz sowie weitere direkt zurechenbare Kosten baustellenbezogen erfassen. Gleichzeitig erfolgt eine Erfassung der Leistungserbringung. So können permanent Deckungsgrade der einzelnen Baustellen ermittelt werden. Im Gegensatz zur reinen Nachkalkulation können bei einer derartigen Projektüberwachung im Falle von negativen Deckungsbeiträgen die Ursachen für die Abweichungen noch während des Bauablaufs untersucht sowie Schwachpunkte aufgedeckt und abgestellt werden.

 

Verlustfreie Bewertung

 

Haben Sie sich für einen Bewertungsansatz entschieden, müssen Sie noch die absolute Obergrenze der Herstellungskosten eines Wirtschaftsguts beachten. Im Sinne einer verlustfreien Bewertung dürfen Sie max. die (anteiligen) Herstellungskosten aktivieren, die auch im späteren Verkauf des Wirtschaftguts erzielbar sind.

[Rechtsanwalt Frank Lienhard]

 

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine Haftung übernehmen.

 

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