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Mittwoch, 24 September 2014 12:03

Abgeltungssteuersatz auch bei Darlehen zwischen Angehörigen - Nicht jedes Näheverhätnis führt zum Ausschluss der Abgeltungssteuer

Grundsätzlich ist bei Einkünften aus Kapitalvermögen der Abgeltungssteuersatz in Höhe von 25% anzuwenden. Dies ist gem. § 32d Abs.2 S.1 Nr.1a EStG jedoch nicht der Fall, wenn Gläubiger und Schuldner „einander nahestehende Personen" sind.

Nun stellt sich die Frage, wann Gläubiger und Schuldner „einander nahestehende Personen" im Sinne des § 32d Abs.2 S.1 Nr.1a EStG sind.

Bisher wurde hiervon schon bei einer familiären Beziehung zwischen Gläubiger und Schuldner ausgegangen. Dies ist in der neuen Entscheidung des Bundesfinanzhofes vom 29.4.2014 – VIII R 44/13 nicht mehr der Fall.

Ein Näheverhältnis zwischen Personen wird nach der Auslegung des Bundesfinanzhofes dann angenommen, wenn eine der Vertragsparteien einen „beherrschenden Einfluss" auf die andere hat oder ein eigenes wirtschaftliches Interesse besteht.

Demzufolge kann nach der Entscheidung des Bundesfinanzhofes der Abgeltungssteuersatz auch bei Darlehensverträgen mit Angehörigen angewendet werden, sofern eine missbräuchliche Gestaltung ausgeschlossen ist. Die Zinsen sind dann mit einem Steuersatz in Höhe von 25 % zu versteuern.

Profitieren von dieser Entscheidung werden in Zukunft Steuerpflichtige, deren persönlicher Einkommensteuersatz höher ist als 25 % (vgl. hierzu auch das BFH-Urteil v. 29.4.2014 – VIII R 35/13).

Hier nun einige Anwendungsfälle:

Darlehen zwischen Angehörigen

Ein Steuerpflichtiger gewährt bspw. seinem Sohn ein Darlehen, dessen Zinsen der Angehörige absetzen kann, z. B. als Werbungskosten aus Vermietung und Verpachtung. Gem. § 32d Abs. 2 Buchst. a EStG ist die Abgeltungsteuer für den Darlehensgeber aufgrund des Verwandtschaftsverhältnisses ausgeschlossen. Der Gesetzeswortlaut wird in der Entscheidung vom Bundesfinanzhof jedoch dahingehend eingeschränkt, dass für den Ausschluss der Abgeltungssteuer nicht alleine auf das Verwandtschaftsverhältnis zwischen den Personen abgestellt werden darf (vgl. hierzu auch das BFH-Urteil v. 29.4.2014 – VIII R 9/13).

Darlehen zwischen einer Kapitalgesellschaft und nahen Angehörigen des Gesellschafters, z. B. die Ehefrau

Die Muster-GmbH nimmt ein Darlehen bei der Ehefrau von einem Gesellschafter mit einer Beteiligung von mindestens 10 %. Die Anwendung der Abgeltungsteuer ist per Gesetz ausgeschlossen. Nach einer Entscheidung des Bundesfinanzhofes unterliegen jedoch auch in diesem Beispiel die Darlehenszinsen nur der Abgeltungsteuer beim Darlehensgeber (Ehefrau des Gesellschafters) (vgl. hierzu auch das BFH-Urteil v. 14.5.2014 – VIII R 31/11).

Fazit

Mit den oben zitierten Entscheidungen des Bundesfinanzhofes stellt dieser die Besteuerung der Zinsen aus einer Darlehensvergabe – soweit keine missbräuchliche Gestaltung vorliegt und es sich auch nicht um nahestehende Personen handelt – sowohl bei Angehörigen als auch Dritten gleich.

Es besteht für die Unternehmen nun die Möglichkeit, bei Angehörigen bzw. bei den Angehörigen des Gesellschafters Fremdkapital aufzunehmen und die Zinsen als Betriebsausgaben abzusetzen. Im Gegenzug muss der Darlehensgeber die Zinseinnahmen nur mit 25 % versteuern. Zu beachten ist, dass ein Darlehensvertrag unter Angehörigen den Fremdvergleichsgrundsätzen standhalten muss.

Tipp der KANZLEI NICKERT:

Bei einer Kapitalgesellschaft könnte es nach dem BFH-Urteil v. 14.5.2014 - VIII R 31/11 sinnvoll sein, dass statt des Gesellschafters ein Angehöriger der Gesellschaft Fremdkapital zur Verfügung stellt. Der Angehörige kann somit in den „Genuss" des Abgeltungssteuersatzes in Höhe von lediglich 25 % kommen.

Die Finanzbehörde wird in Zukunft verstärkt eine missbräuchliche Gestaltung prüfen. Beispielsweise liegt eine solche vor, wenn der Angehörige die Mittel zuvor vom Gesellschafter erhalten hat.

[Carmen Kruss]

[Natalie Götz]

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