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Dienstag, 06 August 2013 20:26

Fortsetzungsbeitrag Erben - Unternehmensbewertung: Berechnungsbeispiel zur Unternehmensbewertung

Wie Sie dem Fachbeitrag Steuer bzw. BWL unseres Kanzleimagazins (Ausgabe 2/2013) mit dem Schwerpunkt Unternehmensbewertungen entnehmen konnten, kommt es in einzelnen Fallgestaltungen entscheidend darauf an, dass Ihr Berater aus der Vielzahl von Bewertungsmethoden diejenige anwendet, die das optimale Ergebnis für Sie bringt.

Da der Bereich Unternehmensbewertung von einer beträchtlichen Zahl verschiedener Bewertungsmethoden geprägt ist, sollte bereits im Vorfeld geklärt werden, welche Methode für den jeweiligen Bewertungszweck sinnvoll ist.

Eine Systematisierung der bedeutendsten Bewertungsverfahren lässt sich vornehmen durch eine Untergliederung in Gesamtbewertungsverfahren, Mischverfahren und Einzelbewertungsverfahren.

Bei den Einzelbewertungsverfahren wird der Unternehmenswert aus der Summe der einzelnen Vermögensgegenständen und Schulden zu einem bestimmten Stichtag berechnet.

Mischverfahren sind als Weiterentwicklung der Einzelbewertungsverfahren zu verstehen und resultieren aus der Erkenntnis, dass nicht nur die Substanz eines Unternehmens, sondern auch dessen Ertragskraft in die Bewertung einzubeziehen ist.

Gesamtbewertungsverfahren stellen im Gegensatz zu den Mischverfahren bei der Unternehmensbewertung alleine auf die zukünftige Ertragskraft des zu bewertenden Unternehmens ab. Die Ertragskraft erfolgt durch die Bewertung der zukünftigen Erträge, die aus dem Zusammenwirken aller realen Bestandteile des Unternehmens resultieren. Im Gegensatz zu den Einzelbewertungsverfahren, die Unternehmen als Summe isolierter Einzelwerte interpretieren, betrachten die Gesamtbewertungsverfahren die Unternehmen als Bewertungseinheit. Zu den Gesamtbewertungsverfahren zählen die Discounted Cash-Flow-Verfahren (DCF-Verfahren), die Multiplikatorenverfahren und der Realoptions-Ansatz. Diese 3 Verfahren sind durch weitere Abgrenzungen innerhalb der Gruppe weiter untergliedert.

DCF- Verfahren

Die DCF-Verfahren sind die international am weitesten verbreiteten Bewertungsmethoden. Bei den DCF-Verfahren handelt es sich um investitionstheoretisch fundierte Ansätze, bei denen Zahlungsüberschüsse, die zur Auszahlung an die Kapitalgeber zur Verfügung stehen, abgezinst und somit bewertet werden. Die zu erwartenden Cash-Flows stehen demnach als Synonym für den in der Zukunft zu erwartenden Nutzen, den das Unternehmen seinen Kapitalgebern stiftet. Der Unternehmenswert wird abgeleitet, indem die zukünftigen Cash- Flows mit einer alternativen Geldanlage verglichen werden. Diese alternative Geldanlage spiegelt sich im Diskontierungszinssatz, mit dem die freien Cash-Flows abgezinst werden, wider.

Unter dem Oberbegriff DCF-Verfahren gilt es zwei verschiedene Ansätze zu unterscheiden. Die Unterteilung erfolgt über die zu ermittelnde Zielgröße. Hierbei erfolgt eine Untergliederung in Entity-Ansätze und Equity-Ansätze.

Multiplikatorverfahren

Die Bewertungspraxis kennt neben den Kapitalwertkalkülen die sog. Multiplikatormethoden zur Abschätzung vorläufiger Unternehmenswerte, Bandbreiten oder Bewertungen zur Plausibilisierung anderer Bewertungsmethoden. Im Rahmen der Multiplikatorenbewertung handelt es sich um marktorientierte Bewertungsansätze (Market Approach). Die Bewertung baut dabei auf Preisen auf, welche am Markt bereits zustande gekommen sind. Grundsätzlich basiert die Bewertung anhand von Multiplikatoren auf der Annahme, dass vergleichbare Unternehmen ähnlich bewertet werden.

Multiplikatoren werden dadurch gebildet, dass der Wert eines Unternehmens zu einem bestimmten Zeitpunkt ins Verhältnis zu einer bestimmten Bezugsgröße des Unternehmens (z.B. Umsatz oder Gewinn) gesetzt wird.

Multiplikator = Wert / Bezugsgröße

Bei der Unternehmenswertberechnung wird der Multiplikator mit der entsprechenden Bezugsgröße des zu bewertenden Unternehmens multipliziert.

Wert (U) = Aggregierter Multiplikator * Bezugsgröße (U)

Derartige vom Gutachter vorgenommene Multiplikatorenbewertungen stellen nur vereinfachte Wertfindungen dar, können jedoch im Einzelfall Anhaltspunkte für eine Plausibilitätskontrolle bieten. Diese Verfahren berücksichtigen jedoch weder die langfristigen Planungsrechnungen, noch Sonderfaktoren, wie das laufende Investitionsprogramm, ausreichend. Zutreffender Weise handelt es sich daher lediglich um eine zur Plausibilisierung vorgenommene Kontrollrechnung.

EBIT-Multiplikator

Bei der Multiplikatormethode wird davon ausgegangen, dass sich durch die Übertragung operativer Messzahlen bestimmter Vergleichsunternehmen der Unternehmenswert bestimmen lässt. In diesem Zusammenhang haben sich u.a. sogenannte EBIT-Multiplikatoren durchgesetzt. Es darf allerdings nicht unberücksichtigt bleiben, dass der EBIT-Multiplikator einen entscheidenden Nachteil aufweist, wenn das EBIT der Vergleichsunternehmen durch unterschiedliche Abschreibungsmodalitäten und versetzte Investitionsphasen verzerrt ist.

Ausgehend vom nachhaltigen Jahresergebnis (EBIT), also dem Gewinn vor Steuern und Zinsen wird mittels eines branchentypischen Multiplikators ein rechnerischer Unternehmenswert abgeleitet. Beim EBIT-Multiplikatorverfahren handelt es sich um ein Entity-Verfahren. Zusätzlich wird deshalb das sogenannte zinstragende Fremdkapital abgezogen. Damit soll der individuellen Finanzierungsstruktur des Unternehmens zum Transaktionszeitpunkt Rechnung getragen werden.

Ein EBIT-Multiplikator ist abhängig von der Branche bzw. der Vergleichsunternehmen die betrachtet werden. Dabei beträgt der Unternehmenswert in der Regel zwischen dem 4,0 - 10,0-fachen des realisierten EBIT (überschlägige Betrachtung). Inwieweit für das jeweilige Unternehmen ein EBIT-Multiplikator am oberen oder unteren Rand der Bandbreite anzuwenden ist, hängt von vielfältigen und zum Teil subjektiven Einflussgrößen ab. Stellvertretend seien genannt:

  • Marktposition/Branche: Wettbewerbsstellung, Marktabdeckung, strategische Aufstellung, generelle Unternehmensgröße, etc.
  • Produkt- und Leistungsspektrum: Produktbreite bzw. -tiefe, Forschung & Entwicklung, Technologie, neue Produkte, Flexibilität, Abhängigkeit von Lieferanten, etc.
  • Kundenstruktur: regionale Verteilung, Branchenmix, etc.
  • Management: Nachhaltigkeit des Managements bzw. der Belegschaft, Personalstruktur, Loyalität/Fluktuation
  • Wirtschaftliches Risikoprofil: Investitionsbedarf, Ausfallrisiken, Gesellschaftsstruktur, Umweltrisiken, etc.

Folgendes vereinfachte Berechnungsbeispiel anhand des EBIT-Multiplikators und des vereinfachten Ertragswertverfahrens soll Ihnen beispielhaft verdeutlichen, wie unterschiedlich die Ergebnisse je nach Wahl des Verfahrens ausfallen können. 

Der Unternehmer U bereitet sich auf den Ruhestand vor und möchte sein Unternehmen auf seinen Sohn S übertragen. Aus diesem Grund soll eine Bewertung des Unternehmens durchgeführt werden. Das Unternehmen ist im Bereich Maschinenbau tätig und entwickelt und produziert seit mehreren Jahrzehnten sehr erfolgreich Maschinen zur Materialbearbeitung. In den letzten Jahren hat sich das Unternehmen auf Maschinen für die kunststoffverarbeitende Industrie spezialisiert. Die Hauptabnehmer kommen aus den Bereichen Elektronik und Automotive.

Ausgehend von einem durchschnittlichen Jahresüberschuss nach Steuern von 100.000,00 € ergeben sich folgende Berechnungen:

EBIT-Multiplikator

Bei der Auswahl des EBIT-Multiplikators wurde auf die Branche „Construction“ zurückgegriffen. Dies spiegelt die originäre Unternehmenstätigkeit (Maschinenbau) wider.

Der für die Multiplikatorenbewertung hinzugezogene Multiplikator stammt aus dem Internetangebot von „finexpert“. Der für die Bewertung des Beispielsunternehmens zu

berücksichtigende Multiplikator beträgt: 9,6

Daraus ergibt sich folgender Eigenkapitalwert zum 1.1.2013

EBIT * Multiplikator = 155.000 € (Annahme vor Zinsen mit 12.143 € und 30% Steuern 42.857 €) * 9,6 (Annahme) = 1.488.000 € Unternehmenswert

-       abzüglich des zinstragenden Fremdkapitals: 400.000 €

=   Wert des Eigenkapitals: 1.088.000 €

 

Nachrichtlich die Berechnung ab EBIT-Ebene: EBIT in Höhe von 155.000 € abzüglich Zinsen von 12.143 € und mit einer fiktiven Steuerbelastung von 30 % auf die 142.857 € in Höhe von 42.857 € ergibt sich ein Ergebnis nach Steuern von 100.000 €.

Vereinfachtes Ertragswertverfahren

Für 2013 liegt der Kapitalisierungsfaktor bei 15,3. Bei dem angenommenen durchschnittlichen Ertrag von 100.000 € ergibt sich ein nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren ein Unternehmenswert von 1.530.000 € (15,3 * 100.000 €). Damit liegt der Wert nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren um 442.000 € bzw. 40,6 % über dem Unternehmenswert nach der Multiplikatorenbewertung.

Dieses Berechnungsbeispiel ist stark vereinfacht und soll lediglich zeigen, dass die Abweichungen zwischen den betriebswirtschaftlichen und steuerrechtlich ausgerichteten Bewertungsverfahren teilweise erheblich sein können. Es ist zu beachten, dass die Bewertungen in der Praxis in der Regel viel komplexer und umfangreicher sind, da viele Besonderheiten berücksichtigt werden müssen und das dargelegte Berechnungsschema stark verkürzt dargestellt ist.

 

Autoreninfo

lifr-testFrank Lienhard

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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