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Montag, 05 August 2013 19:56

Magazin: Erben - Unternehmensbewertung

Die Zahl der Unternehmen, die auf die nächste Generation übertragen werden (müssen), sei es durch Schenkung oder Erbschaft, steigt aufgrund des demografischen Wandels weiter an. Unternehmensbewertungen rücken deshalb auch in der steuerlichen Praxis immer mehr in den Fokus. Die Beurteilung, ob durch die Übertragung eine Steuerbelastung eintritt, muss durch eine Bewertung des Unternehmens beurteilt werden.

Reform des Bewertungsrechts

Die steuerlichen Regelungen zur Berechnung von Unternehmenswerten wurden durch das Erbschaftssteuerreformgesetz 2009 neu geregelt. Wo früher für Bewertungen das sog. Stuttgarter Verfahren (Kapitalgesellschaft) oder der Betriebsvermögensvergleich (Personengesellschaft) Anwendung fand, ist mit der Reform des Bewertungsrechts zum 1.1.2009 ein neues gesetzlich geregeltes Verfahren eingeführt worden, das vereinfachte Ertragswertverfahren. Dieses unterscheidet sich erheblich von den üblichen betriebswirtschaftlichen Bewertungsverfahren, soll nach Auffassung des Gesetzgebers jedoch einfacher, schneller und kostengünstiger sein.

Die eingeführten Änderungen gelten für Zwecke der Erbschaft- und Schenkungsteuer. Vor allem in Fällen wie z. B. dem Tod eines Gesellschafters oder der Schenkung von Gesellschaftsanteilen wird die Finanzverwaltung die steuerliche Bewertung zu einem der eben genannten Stichtage aufgreifen.

Gemeiner Wert

Dabei muss sich das Finanzamt bei der Bewertung in erster Linie am gemeinen Wert, also am Verkehrswert bzw. am Wert, der im Rahmen eines Verkaufs des Gesellschaftsanteils erzielbar wäre, orientieren. Für den Steuerpflichtigen besteht aber auch die Möglichkeit, ein (für ihn ggfs. günstigeres) betriebswirtschaftliches Bewertungsverfahren heranzuziehen.

Der durchschnittliche Ertrag der letzten 3 Geschäftsjahre bildet die Basis für die Bewertung nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren. Es wird also davon ausgegangen, dass die Ergebnisse vergangener Tage in der erreichten Form in der Zukunft unendlich fortbestehen werden. Im Detail sind hierbei noch Hinzurechnungen/Kürzungen/Besonderheiten im Einzelfall zu berücksichtigen.

Wenn aber ein Unternehmen in den letzten 3 Jahren z. B. keine positiven Ergebnisse erzielen konnte, kann nicht von einem Unternehmenswert in Höhe von 0 € ausgegangen werden. Die Untergrenze bildet stets der Liquidationswert.

Beachtet werden muss auch, dass nicht betrieblich genutzte Vermögensgegenstände, wie etwa Grundstücke, Aktien etc. separat zu bewerten sind und am Ende der Berechnung dem Unternehmenswert hinzugerechnet werden müssen.

Wertermittlung

Durch die Abzinsung der durchschnittlichen Erträge wird letztlich der Unternehmenswert errechnet. Die Abzinsung (Kapitalisierung) erfolgt mit einem Kapitalisierungszinssatz. Dieser setzt sich aus einem Basiszinssatz und einem pauschalen Risikozuschlag zusammen. Der Basiszinssatz wird einmal im Jahr vom Bundesministerium der Finanzen veröffentlicht. Der Wert orientiert sich dabei am Zinsniveau an den Finanz- und Kapitalmärkten. Der Risikozuschlag beträgt fix 4,5 % und berücksichtigt neben dem Unternehmerrisiko auch andere Korrekturposten.

Nachdem der Kapitalisierungsfaktor der Kehrwert des Kapitalisierungszinssatzes ist (= 1/Kapitalisierungszinssatz) führt im Rahmen der Unternehmensbewertung ein niedriger Basiszinssatz zu deutlich höheren Unternehmenswerten.

Für 2013 liegt der Kapitalisierungsfaktor bei 15,3. Bei einem durchschnittlichen Ertrag von 100.000 € würde der Unternehmenswert nach dem vereinfachten Ertragswertverfahren deshalb bei 1.530.000 € liegen. Die Frage ist, ob ein solcher Wert die wahre Situation abbildet.

Kein Problem besteht, wenn für den berechneten Wert die vorhandenen Freibeträge und die Verschonungsregelungen nach dem Erbschaft-/Schenkungsteuergesetz ausreichen bzw. greifen. Ist dies nicht der Fall, sollte die Gesamtsituation und die bestehenden Möglichkeiten, wie die Bewertung nach einem anderen betriebswirtschaftlichen Verfahren (z. B. Discounted Cashflow-Verfahren), noch einmal geprüft werden. Hier kommt es dann entscheidend darauf an, dass Ihr Berater aus der Vielzahl von Bewertungsmethoden diejenige anwendet, die die Finanzverwaltung dann akzeptiert und die für Sie das optimale Ergebnis bringt!

Zitat

Es gibt verschiedene Methoden, ein Unternehmen zu bewerten. Welche der Methoden gewählt wird, hängt insbesondere von der Branche, der Unternehmensgröße und dem Bewertungsanlass ab.

[Frank Lienhard und Sebastian Broß]

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