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Samstag, 27 April 2013 00:00

Magazin: Bauabzugssteuer

Seit dem 1.1.2002 unterliegen Bauunternehmen nach § 48 EStG einer 15%igen Sondersteuer, die vom Leistungsempfänger (Bauherr) einzubehalten und abzuführen ist, falls der Leistungserbringer (Bauunternehmer) keine Freistellungsbescheinigung vorlegt.

Der Begriff der Bauleistungen umfasst alle Leistungen, die der Herstellung, Instandsetzung, Instandhaltung, Änderung und Beseitigung von Bauwerken dienen. Was steuerlich als Bauleistung angesehen wird, definiert § 1 der Baubetriebe-Verordnung.

Steuerabzug für Vergütungen aus Bauleistungen

Die Bauabzugssteuer ist eine besondere Erhebungsform der Einkommen- bzw. Körperschaftsteuer bei Bauleistungen.

Erbringt der Bauunternehmer im Inland eine Bauleistung an einen Unternehmer im Sinn des § 2 UStG oder an eine juristische Person des öffentlichen Rechts (Leistungsempfänger), ist der Leistungsempfänger verpflichtet, von der Zahlung einen Steuerabzug von 15% aus der Rechnung des Leistenden vorzunehmen (Bauabzugssteuer).

Der Steuerabzug ist auch von Vermietern von Grundstücken, Gebäuden und Wohnung zu beachten, wenn er Bauleistungen in Anspruch nimmt.

Es sind jedoch nur die Vermieter betroffen, die mehr als 2 Wohnung vermieten. Bei der Auslegung der Zweiwohnungsregelung sind viele Details zu beachten, die im Einzelfall genau zu prüfen sind. Unerheblich ist allerdings, ob die Wohnungen im In- oder Ausland belegen sind, zu Wohnzwecken dienen oder gewerblich vermietet werden.

Ausnahmen

Der Steuerabzug muss nicht vorgenommen werden, wenn

  • der Leistende dem Leistungsempfänger eine im Zeitpunkt der Leistungserbringung gültige Freistellungsbescheinigung vorlegt
  • der Leistungsempfänger nicht mehr als 2 Wohnungen vermietet
  • die geschuldete Gegenleistung (Höhe der Rechnung) im laufenden Kalenderjahr eine bestimmte Freigrenze nicht übersteigt.

Freigrenzen

Die Freigrenze beträgt grundsätzlich 5.000 € pro Leistender (Bauunternehmer) und Kalenderjahr. Die Freigrenze erhöht sich auf 15.000 € für Bauherren, die nur steuerfrei Vermietungsumsätze tätigen. Aber nur, wenn bei der Vermietung nicht zur Umsatzsteuer optiert wurde.

Zu beachten ist ferner, dass es sich um Freigrenzen handelt. Das bedeutet, dass die Pflicht zum vollen Steuerabzug entsteht, sobald die Werte von 5.000 € bzw. 15.000 € erstmalig überschritten werden.

Freistellungsbescheinigung

Legt der Bauunternehmer dem Bauherr eine Freistellungsbescheinigung vor, muss er keinen Steuerabzug vornehmen.

Die Freistellungsbescheinigung muss der Bauunternehmer bei dem für ihn zuständigen Finanzamt formlos beantragen. Sie wird nach amtlichem Vordruck auftragsbezogen, zeitlich befristet oder für maximal 3 Jahre erteilt. Das Finanzamt hat die Möglichkeit, Freistellungsbescheinigungen zu widerrufen bzw. zurückzunehmen.

Berechnung des Steuerabzugs

Bemessungsgrundlage für den Steuerabzug ist die Gegenleistung des Bauherrn, d. h. das Entgelt zzgl. der Umsatzsteuer. Auch Abschlagszahlungen lösen den Steuerabzug schon aus.

Anmeldung und Abführung des Steuerabzugs

Die Verpflichtung zum Steuerabzug entsteht zum 10. des folgenden Monats ab dem Zeitpunkt der Überweisung. Der Bauherr muss den Bauunternehmer über den Steuerabzug informieren.

Anrechnung des Steuerabzugs

Wurde der Steuerabzug einbehalten und angemeldet, kann sich das Bauunternehmen diesen Betrag im Sinn des § 48c EStG auf die zu entrichtende Lohnsteuer, Einkommen- oder Körperschaftsteuer anrechnen lassen.

Haftung

Der Bauherr haftet grundsätzlich für nicht oder zu niedrig abgeführte Beträge. Deshalb ist es wichtig, dass der Bauherr einmalig die Richtigkeit der Freistellungsbescheinigung prüft. Diese Überprüfung ist über eine elektronische Abfrage beim Bundesamt für Finanzen unter www.bff-online.de möglich.

Die Einbehaltung der Bauabzugssteuer führt bei den Bauunternehmen zu einer spürbaren Liquiditätsbelastung. Es ist deshalb vorteilhaft, eine Freistellungsbescheinigung zu beantragen.

[Frank Lienhard, Ingeborg Springmann]

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine Haftung übernehmen.

 

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