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Sonntag, 01 August 2010 02:03

Magazin: Die Qual der Rechtsformwahl

Das deutsche Handels- und Gesellschaftsrecht bietet Unternehmern eine ganze Reihe von Möglichkeiten, die Rechtsform des Unternehmens zu gestalten. Mit der Rechtsform des Unternehmens wird nicht nur festgelegt, wer im Unternehmen welche Handlungs- u d Entscheidungskompetenz besitzt. Von der Rechtsform hängt auch ab, welchen Aufwand Sie für den Jahresabschluss betreiben müssen und welche Steuern zu zahlen sind.

Einzelunternehmer/Personengesellschaften, z.B. OHG und KG

Für den Einzelunternehmer entsteht entsprechend seinem persönlichen Steuersatz Einkommensteuer auf die entstandenen Gewinne. Gesellschafter einer Personengesellschaft erhalten in der Regel entsprechend ihrer Beteiligung am Unternehmen einen Anteil am Gewinn der Gesellschaft. Diese Gewinnanteile sind ausschließlich auf die Person des Gesellschafters bezogen und unterliegen daher der Einkommensteuer, ebenfalls mit dem persönlichen Steuersatz.

Soweit der Geschäftsbetrieb keinen Gewinn erzielt, können anfallende Verluste mit anderen positiven Einkünften des laufenden Jahres verrechnet werden. Verbleibende Verluste werden dann über Verlustrück- bzw. Verlustvortrag verrechnet, was die Steuerlast ebenfalls mindert. Zudem fällt Gewerbesteuer an. Die Gewerbesteuer stellt seit 2008 keine Betriebsausgabe mehr dar. Dafür wird die bezahlte Gewerbesteuer auf die zu zahlende Einkommensteuer angerechnet.

Der Unternehmer ist grds. auch zur Abführung der Umsatzsteuer verpflichtet. Je nach Art des Gewerbes sieht das Gesetz aber auch Befreiungen vor (z. B. Ärzte, Kleinunternehmer). Muss keine Umsatzsteuer abgeführt werden, können grds. die in Rechnung gestellten Steuerbeträgen nicht als Vorsteuer geltend gemacht werden. Zum Ende des Geschäftsjahres ist der Gewinn zu ermitteln. Dies erfolgt durch Betriebsvermögensvergleich(Bilanz) oder durch eine Einnahmeüberschussrechnung(EÜR). Die Wahl und damit auch der Kostenfaktor der Gewinnermittlung hängen von bestimmten Größenordnungen bzw. Erleichterungen durch den Gesetzgeber ab. Bei Finanzierungsfragen wird i.d.R. aber eine (kostenintensivere) Bilanz verlangt. Soll das Einzelunternehmen bzw. die Personengesellschaft aufgelöst werden, sind alle im Anlagevermögen noch vorhandenen Wirtschaftsgüter zu bewerten und ins Privatvermögen zu überführen oder im Ganzen zu verkaufen. Der Aufgabegewinn ist in diesem Fall zu ermitteln und zu versteuern. Für die Besteuerung dieses Gewinns gilt unter bestimmten Voraussetzungen ein ermäßigter Steuersatz und zusätzliche Freibeträge. Anders verhält es sich, wenn die Wirtschaftsgüter einzeln veräußert werden. In diesem Fall zählen diese Einnahmen zum laufenden Gewinn und sind damit nicht steuerbegünstigt.

Freiberufler

Die Freiberufler (z. B. Ärzte, Künstler, Steuerberater, Rechtsanwälte, etc.) unterscheiden sich von den EU/PG grds. dadurch, dass keine Gewerbesteuer anfällt. I.d.R. erfolgt die Ermittlung des Überschusses durch EÜR.

Die GmbH

Als juristische Person unterliegt die GmbH der Körperschaft-, Gewerbe- und Umsatzsteuer. Die Besteuerung der juristischen Person ist strikt von der Besteuerung der Gesellschafter zu trennen– anders bei den Personengesellschaften. Zum Schluss eines jeden Geschäftsjahres muss eine Bilanz zusammen mit einer Gewinn- und Verlustrechnung aufgestellt sowie ein Anhangerstellt werden. Zudem bestehen Offenlegungspflichten. Der Gewinn der GmbH wird einheitlich mit 15 %Körperschaftsteuer belastet – egal, ob der Gewinn an die Gesellschafter ausgeschüttet oder einbehalten wird. Schüttet die Gesellschaft den Gewinn ganz oder teilweise an die Gesellschafter aus, wird dieser bei der natürlichen Personals Gesellschafter bei der Einkommensteuer der 25 %igen Abgeltungssteuer unterworfen. Handelt es sich bei den Gesellschaftern um Körperschaften, sind die ausgeschütteten Gewinne steuerbefreit. Bei der Gewinnausschüttung sind die Gesellschafter verpflichtet, Kapitalertragsteuer in Höhe von derzeit 25 % der Gewinnausschüttung einzubehalten und an das Finanzamt abzuführen Die GmbH ist kraft ihrer Rechtsform gewerbesteuerpflichtig. Schuldner der Gewerbesteuer ist die GmbH. Ferner ist die GmbH umsatzsteuerpflichtig. Die Beendigung erfolgt i.d.R durch Liquidation (Aufgabe der Gesellschaft) oder Übertragung (Verkauf der Gesellschaftsanteile).

Die GmbH & Co. KG

Die GmbH & Co. KG ist wirtschaftlich eine Doppelgesellschaft. An einer KG (Personengesellschaft)ist eine GmbH (Kapitalgesellschaft) als Vollhafterin beteiligt. die GmbH & Co. KG ist nur im Gewerbe- und Umsatzsteuerrecht eigenständiges Steuersubjekt .Daher unterliegt die GmbH & Co. KG ertragsteuerlich weder der Einkommen- noch der Körperschaftsteuer. Die Besteuerung findet auf der Ebene der Gesellschafter (GmbH und Kommanditisten)statt. Entstandene Verluste der Gesellschaft finden auf der Ebene der Gesellschafter die steuerlichen Entlastungen. Erhält der Gesellschafter bspw. Tätigkeitsvergütungen oder Zinsen für ein überlassenes Darlehen, mindern diese Zahlungen – anders als beiden Kapitalgesellschaften – nicht das gewerbesteuerliche Einkommen der Gesellschaft

„Die Wahl der Rechtsform sollte nicht nuraus haftungsrechtlichen Gründen erfolgen,sondern auch steuerliche Gesichtspunkteberücksichtigen. "

Bei der Frage nach der Rechtsform sollten eben der Haftung und Vertretung des Unternehmens das Steuerrecht nicht außer Acht gelassen werden. Für die Besteuerung der Gewinne ist die gewählte Rechtsform von erheblicher Bedeutung. So versteuern Personenunternehmen –hierzu gehören in erster Linie Einzelunternehmen– ihre Gewinne nicht selbst. Diese sind vielmehr beim Unternehmer im Rahmen seiner Einkommensteuererklärung zu veranlagen. Bei Kapitalgesellschaften sieht es dagegen anders aus. Hier muss die Gesellschaft die Gewinne selbst versteuern. Auf der Ebene der Gesellschafter erfolgt eine weitere Versteuerung der Gewinnausschüttung. Die Wahl der Rechtsform kann im Einzelfall nur unter Berücksichtigung des persönlichen Steuersatzes, sonstiger Einkünfte und des örtlichen Gewerbesteuerhebesatzes getroffen werden.

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

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