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Donnerstag, 17 September 2020 14:00

Maßnahmen gegen die Krise

Die meisten Unternehmen konzentrieren sich in der Krise ausschließlich darauf, Kosten zu sparen. Man kann bzw. sollte aber gleichzeitig auch prüfen bzw. daran arbeiten, ob man nicht auch auf der Einnahmenseite Verbesserungen erreichen kann bzw. strukturelle Veränderungen am und im Unternehmen vornehmen sollte.

Es gibt verschiedene Ansatzpunkte, in der Krise tätig zu werden. Im ersten Schritt steht selbstverständlich insbesondere das Ziel im Vordergrund, die Liquiditätslage zu verbessern. Die Bandbreite, das Unternehmen wieder „auf Kurs zu bringen“, ist jedoch breiter und bewegt sich von der Beseitigung möglicher Insolvenzgründe, über das Erreichen der Gewinnzone bis hin zur strategischen (Neu-) Ausrichtung des Unternehmens.

Im Folgenden stelle ich Ihnen, quasi als Anregung, beispielhaft einige Maßnahmen vor, die Ihnen zum einen in der Krise kurzfristig mehr Handlungsspielraum ermöglichen, zum anderen aber auch über das Krisenstadium hinaus Wirkung zeigen können.

Gesellschafterdarlehen

Ein Gesellschafterdarlehen bringt dem Unternehmen in der Krise kurzfristig Liquidität und ist damit grundsätzlich auch geeignet, den möglicherweise bestehenden Insolvenzgrund der Zahlungsunfähigkeit zu beseitigen.

Unter bestimmten Voraussetzungen kann ein Gesellschafterdarlehen auch den Insolvenzgrund der Überschuldung beseitigen, der neben der Zahlungsunfähigkeit immer dann zu berücksichtigen ist, wenn das zu sanierende Unternehmen eine Kapitalgesellschaft ist bzw. eine Personenhandelsgesellschaft ohne persönlich haftenden Gesellschafter.

Damit sich ein Gesellschafterdarlehen positiv auf den Überschuldungsstatus auswirkt, muss bezüglich des Darlehens ein Rangrücktritt vereinbart werden. Mit der Folge, dass das Darlehen dann im Insolvenzfall nachrangig zu berücksichtigen ist.

Verkauf von nicht betriebsnotwendigem Vermögen

Auch ein kurzfristiger krisenbedingter Verkauf von Unternehmensbeteiligungen oder Grundstücken führt zur Verbesserung der Liquidität und bei Aufdeckung von stillen Reserven auch zur Verbesserung des Überschuldungsstatus.

Zu beachten ist allerdings, dass Sie bei einer solchen Veräußerung aus einer Notlage heraus mit Wertabschlägen rechnen müssen. Gefahr droht hier insbesondere dann, wenn Sie nur einen Verkaufswert unterhalb des Buchwerts erzielen können. Dann haben Sie zwar kurzfristig Liquidität, aber einen verschlechterten Überschuldungsstatus.

Sale and Lease Back

Betriebsnotwendiges Vermögen kann das Unternehmen in der Krise verkaufen und anschließend „zurückleasen“. Dies führt kurzfristig zu einer verbesserten Liquiditätssituation und bei Aufdeckung der stillen Reserven auch zusätzlich zu einem verbesserten Überschuldungsstatus.

Langfristig ist bei dieser Maßnahme jedoch Vorsicht geboten: Der zunächst positive Liquiditäts-Effekt kann sich nämlich aufheben bzw. ins Gegenteil umschlagen, da die Leasingraten nachhaltig Ertrag und Cashflow belasten.

Factoring

Ähnlich ist es beim Factoring: Auch der Forderungsverkauf bringt kurzfristig Liquidität. Hier dürfen allerdings zum einen die damit verbundenen Kosten nicht unterschätzt werden. Zum anderen bringt auch nur das sog. echte Factoring (im Gegensatz zum „unechten“ Factoring) die gewünschte Bilanzentlastung, da nur hier die Forderung endgültig beim Factor verbleibt: Gerade in der Krise kann es aber schwer sein, einen Factor zu finden. Denn: Nicht jedes Factoring-Unternehmen kauft Forderungen von Krisen-Unternehmen. Daher ist es gerade in der Krise wichtig, ein besonderes Augenmerk auf das Factoring-Unternehmen zu legen.

Aufnahme neuer Gesellschafter

Zur Verbesserung der Finanzsituation im kriselnden Unternehmen führt auch die Aufnahme eines neuen Gesellschafters im Zuge einer Kapitalerhöhung: Zum einen wirkt sich eine solche Kapitalerhöhung positiv auf einen möglichen Überschuldungsstatus aus, zum anderen – im Fall der Bareinlage – zusätzlich auch auf die Liquidität.

Stundung von Forderungen durch Gläubiger

Eine weitere Möglichkeit, die Liquidität kurzfristig zu erhöhen, ist es, Stundungsvereinbarungen mit Gläubigern zu treffen. Zu beachten ist hierbei allerdings, dass Sie eine solche Stundung ausdrücklich vereinbaren müssen.

Es reicht also nicht aus, einfach nicht zu zahlen bzw. ohne Absprache verspätet zu zahlen: Ein möglicherweise bestehender Insolvenzgrund der Zahlungsunfähigkeit wird dadurch nämlich nicht beseitigt.

Änderungen beim Preismanagement

Verbesserungen auf der Einnahmenseite können Sie z. B. durch Veränderungen beim Preismanagement erzielen. Hierzu gibt es vielerlei Ansätze, hier ein paar Beispiele:

  • Inklusivleistungen künftig separat berechnen: Wenn Sie bisher für bestimmte Produkte und/oder Dienstleistungen einen Gesamtpreis berechnet haben, könnten Sie darüber nachdenken, künftig die einzelnen Komponenten separat abzurechnen. So sind Sie flexibler, wenn Sie in der Zukunft dann nur bei einzelnen dieser Komponenten Preiserhöhungen durchsetzen wollen.
  • Arbeiten Sie den Nutzen Ihrer Dienstleistung bzw. Ihres Produkts, auch individuell für einzelne „wichtige“ Kunden, heraus und machen Sie diesen für Ihren Geschäftspartner sichtbar.
  • Eine professionelle Vorbereitung von Preisverhandlungen ist – gerade in der Krise – unvermeidlich. Hier hilft es beispielsweise, sich mit den Wertschöpfungs- und Geschäftsprozessen des Kunden auseinanderzusetzen.

Neue Kunden

Neukundengeschäft: Neue Umsätze mit neuen Kunden tragen zur Verbesserung der Finanzsituation im Unternehmen bei. Auch und gerade „flächendeckende“ Krisen, wie die Finanzkrise 2008 oder auch die aktuelle Corona-Situation, treffen nicht alle Unternehmen gleich – auch nicht Unternehmen innerhalb derselben Branche.

Prüfen Sie daher Möglichkeiten, wo Sie strauchelnden Konkurrenten bzw. Konkurrenten, die die Krise nicht „überleben“, Kunden abwerben können. Denn klar ist: Die Krise oder die bereits eingetretene Insolvenz von Unternehmen führt bei deren Kunden häufig zur Wechselbereitschaft.

Anpassung des Produkt- bzw. Dienstleistungsangebots

Überdenken Sie eine Ausweitung Ihres Produkt- bzw. Dienstleistungsportfolios insofern, als Sie es um Service-Angebote erweitern. Oder könnte beispielsweise ein Servicevertrag Ihr bisheriges Angebot ergänzen? Solche zusätzlichen Angebote erweitern zum einen die Wertschöpfungskette, gleichzeitig können Sie mit diesen Zusatzaufträgen Mitarbeiter auslasten, die andernfalls in der Krise möglicherweise unausgelastet wären.

Vielleicht könnten Sie sogar generell darüber nachdenken, künftig nicht nur einzelne Produkte oder Dienstleistungen anzubieten, sondern generell zum Systemanbieter werden – ggf. auch nur in einzelnen Geschäftsbereichen.

Fazit

Sie sehen, die Möglichkeiten, in der Krise kurzfristig Maßnahmen zu ergreifen, sind außerordentlich vielschichtig – das zeigt bereits diese beispielhafte und punktuelle Aufzählung einzelner Maßnahmen. Entscheidend ist, dass Sie von herein nicht nur die Kostenseite betrachten, dass Sie die für Ihr Unternehmen passenden Ansatzpunkte herausarbeiten und dass Sie diese dann auch konsequent umsetzen.

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Autoreninfo

nian-testAnne Nickert

Rechtsanwältin, Fachanwältin für Steuerrecht

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