Kanzlei Nickert //images.kanzleinickert.de/nickert-logo-fb.jpg KANZLEI NICKERT | Rechtsanwälte und Steuerberater, Offenburg, kompetent in Rechts-, Steuerberatung, Finanz-, Lohnbuchhaltung, spezialisiert auf Branchen Bau, Handel und Industrie. info@kanzlei-nickert.de
Rammersweierstraße 120 77654 Offenburg

kanzlei nickert logo

Cornelius Nickert
Montag, 30 März 2020 13:41

Vorbereitung einer gerichtlichen Sanierung: Das gilt es zu beachten

Die Corona-Pandemie trifft uns alle hart. Niemand weiß genau, wie lange die Beeinträchtigungen der Menschen und der Wirtschaft andauern. Niemand kann aktuell verlässlich die Folgen abschätzen. Daher ist es sinnvoll, sich auf eine eventuell unumgängliche gerichtliche Sanierung vorzubereiten – quasi als Plan B.

Der Vorteil: Alles, was Sie hierzu tun, hilft ihnen auch außerhalb eines Insolvenzverfahrens weiter. Es ist also keinesfalls vergebens.

Aktuelles Rechnungswesen

Ein aktuelles Rechnungswesen ist Pflicht. Der Kaufmann und die Organe (Geschäftsführer, Vorstände) müssen jederzeit in der Lage sein, ihre wirtschaftlichen Verhältnisse zu überblicken. Daher ist eine aktuelle Buchführung genauso Pflicht wie die fristgemäße Erstellung der Bilanz.

Soweit ein kaufmännisches Unternehmen in der Krise ist, muss dieses die Bilanz in 2-3 Monaten nach dem Stichtag erstellen. Andernfalls droht eine Bankrottstrafbarkeit. Lesen Sie hierzu auch unseren Blog-Beitrag Eintrittsvoraussetzungen für die Eigenverwaltung. Der Weg in eine Eigenverwaltung ist versperrt, wenn diese Voraussetzungen nicht gegeben sind.

Jederzeit Überblick über Ihr Rechnungswesen

Bauen Sie Ihr Rechnungswesen so auf, dass Sie jederzeit einen Überblick über die aktuelle Lage haben. Erfassen Sie daher die Eröffnungsbilanzwerte, buchen Sie alle Verbindlichkeiten ein, auch die Verbindlichkeiten auf den Sachkonten, und erfassen Sie unterjährig betriebswirtschaftliche Abgrenzungen wie Abschreibungen, Bestandsveränderungen, Weihnachtsgeld, Versicherungen etc. Erfassen Sie zudem in der OPOS-Buchhaltung die Fristen, sowohl bei den Debitoren, als auch bei den Kreditoren.

Aktuelle Liquiditätsplanung

Im Unternehmen muss dringend eine kurzfristige Liquiditätsplanung eingerichtet werden. Gerade wenn die Liquidität knapp wird, ist dies unumgänglich, da bei eingetretener Zahlungsunfähigkeit ansonsten Strafbarkeitsrisiken drohen können. Jedenfalls darf dann nicht mehr auf Rechnung bestellt werden.

Soweit die Buchführung wie oben dargestellt aufgebaut ist, können Sie aus dieser die Liquidität ableiten. Die DATEV stellt z. B. das Tool Liquiditätsvorschau zur Verfügung, mit dem dies praktisch vollautomatisch erfolgen kann, soweit es einmal eingerichtet ist. Selbst wenn Sie dieses Tool nicht einsetzen, haben die Buchführungssysteme Auswertungen, mit denen Sie die Liquidität einfach und schnell ermitteln können. 

Permanente Solvenzprüfung

Aus der Liquiditätsplanung kann schnell die Zahlungsfähigkeit oder Zahlungsunfähigkeit dokumentiert werden. Soweit Vergünstigungen wegen der Corona-Pandemie in Anspruch genommen werden sollen, muss dokumentiert werden, dass zum 31.12.2019 noch keine Zahlungsunfähigkeit bestand.

Bei haftungsbeschränkten Gesellschaften muss zudem dokumentiert werden, dass zu diesem Stichtag keine Überschuldung vorlag. Lesen Sie hierzu auch unser Whitepaper Insolvenzgründe.

Aktuelle Unternehmensplanung

Bei allen tatsächlichen Schwierigkeiten sollte eine Planung erstellt werden.

Zunächst ergibt es Sinn, die Planung so aufzustellen, als hätte uns die Corona-Pandemie nicht getroffen. Sodann sollte der Versuch unternommen werden, in einem “Corona Szenario” die Folgen der Pandemie in der Planung aufzuzeigen. So kann dargestellt werden, wie sich die Pandemie voraussichtlich auf die Zahlen des Unternehmens auswirken wird.

Aktueller Vertragsspiegel

Ein aktueller Vertragsspiegel ist schon deshalb hilfreich, weil hier zur Kostensenkung geprüft werden kann, von welchen Belastungen man sich, gegebenenfalls auch kurzfristig, trennen kann. Daher sollte ein solcher Spiegel auch die Zahlungsbeträge und die Laufzeiten umfassen.

Vorstellung über die künftige Ausrichtung

Die Krise hat auch eine heilende Wirkung. Man macht sich Gedanken darüber, was man macht, was man künftig nicht mehr machen möchte und wo im Idealfall die Reise hingehen sollte. Wir orientieren uns bei der generellen Ausrichtung einer Unternehmung sehr gerne an der Business Model Canvas.

Analyse der Ist-Situation sowie der Handlungsoptionen

Zum Schluss sollte die aktuelle Situation analysiert werden, insbesondere die Veränderungen des wirtschaftlichen und rechtlichen Umfelds sowie etwaige Trends. Hierzu haben sich in der Betriebswirtschaftslehre Tools wie die PESTL Analyse, die Porters Five Forces Analyse und die SWOT-Analyse herauskristallisiert.

Nutzen Sie die Corona-Pandemie, um einen Prozess zu entwickeln, in dem Sie derartige Analysen regelmäßig anstellen. Das reicht i.d.R. ein bis zweimal pro Jahr völlig aus.

Aufbau eines Risikomanagementsystems

Bauen Sie ein der Größe Ihres Unternehmen adäquates Risikomanagementsystems auf. Ein erster Schritt wäre es, die Risiken zu erfassen (inventarisieren) und zu bewerten. Ein kostenloses Tool dazu erhalten Sie bei.

Fazit

Sind Sie so ausgerüstet, haben Sie nicht nur den aktuellen Überblick über die wirtschaftliche Lage, sondern auch einen sehr guten Blick nach vorne und können daher jetzt in hektischer Zeit eine ruhige Entscheidung auf Basis einer sorgfältigen Analyse treffen. Hierdurch steigern Sie die Qualität Ihrer Entscheidungen und verbessern damit nicht nur die Lage Ihres Unternehmens, sondern eröffnen sich frühzeitig Handlungsspielräume.

Sollte sich dann abzeichnen, dass eine gerichtliche Sanierung dennoch nicht ausgeschlossen ist, können Sie den Antrag schnell stellen, um sich dann in einem gerichtlichen Insolvenzverfahren, meist in der Form der Eigenverwaltung, unter der Ausnutzung gesetzlich eingeräumter Sanierungsmittel zu sanieren.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Erstellen Sie Ihren Plan B. Bereiten Sie sich auf ein Insolvenzszenario vor. Das lässt Sie ruhiger werden, so dass Sie mit der nötigen Souveränität auch schwierige Zeiten meistern.

Weitere Beiträge der KANZLEI NICKERT zum Thema

Magazin: 10 Gründe für die gerichtliche Sanierung

Typischer Verfahrensablauf Eigenverwaltung

Sanierungsberatung für mittelständische Unternehmen

Aktuelle Informationen wegen Corona zu Recht, Wirtschaft und Steuern

Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

Wir verwenden zum Teilen der Inhalte sogenannte "Shariff"-Schaltflächen. Mit Shariff können Sie Social Media nutzen, ohne Ihre Privatsphäre unnötig aufs Spiel zu setzen. Das c't-Projekt Shariff ersetzt die üblichen Share-Buttons der Social Networks und schützt Ihr Surf-Verhalten vor neugierigen Blicken. Weitere Informationen zu Shariff finden Sie unter https://www.heise.de/ct/artikel/Shariff-Social-Media-Buttons-mit-Datenschutz-2467514.html.

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine Haftung übernehmen.

Diese Webseite verwendet Cookies. Indem Sie unsere Webseite nutzen, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Mehr erfahren ...