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Dienstag, 08 Oktober 2019 07:00

Krisenfrüherkennung: Diese 3 Kennzahlen zeigen schon 4 Jahre vor einer Insolvenz die Existenzgefährdung auf

Euler Hermes (EH) hat in einer aktuellen Studie aufgezeigt, dass sich Insolvenzen schon 4 Jahre zuvor anhand von Finanzkennzahlen ankündigten. Die Studie betrifft wesentliche europäische Länder und vor allem auch Deutschland.

Die Ergebnisse der Studie decken sich mit unseren Erfahrungen als Insolvenzverwalter, Sanierungs- und Gläubigerberater in hunderten von Verfahren.

Warum ist Krisenfrüherkennung so wichtig?

Krisen laufen meist mehrstufig ab. Zuerst beginnen sie mit einer Strategiekrise, in der Unternehmen ihre Erfolgspotentiale zu verlieren beginnen. Meist geht dies einher mit dem Verlust von Kernkompetenzen. Das Gefährliche daran ist, dass sich dies in der Anfangsphase schlecht erkennen lässt, weil die Finanzkennzahlen in diesem Stadium noch (einigermaßen) gut sind. Anderseits lässt sich in dieser Phase noch ohne allzu großen Aufwand gegensteuern.

Erfolgt dies nicht, knüpft sich daran die Erfolgskrise: Die Ergebnisse brechen ein. Es wird eine unterdurchschnittliche Rendite erwirtschaftet, die sich bei fortlaufender Krise in Verluste wandelt. In dieser Phase werden die negativen Entwicklungen sichtbar, jedoch wird der Aufwand, um gegenzusteuern, deutlich größer. Erfolgt auch dies nicht, zeigt sich der vorangeschrittene Krisenverlauf im Verlust von Eigenkapital.

Die 3. und leider meist letzte Stufe vor dem Insolvenzereignis ist dann die Liquiditätskrise, die dann “urplötzlich” im Sekundentod enden kann, vgl. hierzu den lesenswerten Blog von Prof. Dr. Meitner.

In zeitlicher Abfolge verläuft die Krise zu Beginn schleichend und schwer erkennbar. Mit zunehmender Dauer erhöht sich die Entwicklungsgeschwindigkeit, so dass von einem exponentiellen Verlauf auszugehen ist. Ebenso exponentiell entwickeln sich mit dem Verlauf die Aufwendungen, um noch gegensteuern zu können. Aus diesem Grund ist es enorm wichtig, ein Früherkennungssystem zu entwickeln, um sich abzeichnende Krisen frühzeitig entdecken zu können.

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Woran kann man Krisen erkennen?

EH hat aus der Analyse von Insolvenzfällen ermittelt, dass schon 4 Jahre vor der Insolvenz diese anhand von 3 Kennzahlen indiziell vorausgesagt werden kann:

  • return on capital employed (ROCE), die weiter entwickelte Gesamtkapitalrentabilität
  • Eigenkapitalquote und
  • Zinsdeckungsquote

Die weiter entwickelte Gesamtkapitalrentabilität zeigt das Verhältnis von EBIT (earnings before interest and taxes) zur Bilanzsumme (ROCE – return on capital employed) auf, die Eigenkapitalquote das Verhältnis von Eigenkapital zur Bilanzsumme und die Zinsdeckungsquote das Verhältnis von Zinsaufwand zu EBIT.

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Die kritischen Kennzahlen sind:

Kennzahl

Kritisch

Durchschnitt

Gesamtkapitalrentabilität

7,0%

10-14%

Eigenkapitalquote

20,6%

30,0%

Zinsdeckungsquote

0,8

3,0

Nachrichtlich: Die Durchschnittskennzahlen der KMU sind zum Vergleich dargestellt.

Was zeigt die Analyse von EH nicht auf?

Die Studie von EH zeigt aber nicht auf, wieviel Unternehmen trotz obiger kritischer Kennzahlen die Insolvenz vermeiden konnten. Insoweit ist das Reißen dieser Kennzahlen ein wichtiges Indiz zur Früherkennung, lässt aber keine sichere Insolvenz vorhersagen.

Wie haben wir in der KANZLEI NICKERT die Erkenntnisse für unsere Mandanten umgesetzt?

Wir haben aufgrund dieser Studie unser kanzleiinternes Frühwarnsystem für bilanzierende Mandanten um diesen Kennzahlentest erweitert und ermitteln diese routinemäßig im Herbst eines jeden Jahres und anlassbezogen unterjährig bei der Betreuung von kritischen Mandanten.

Eine Auswertung sehen Sie hier:

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Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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