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Frank Lienhard
Dienstag, 11 Dezember 2018 11:00

Kennzahleneinsatz in der Krise

Die Verletzung der Pflicht, die Gesellschaft z. B. auf mögliche Insolvenzgründe hin zu prüfen oder Sanierungsmaßnahmen zu ergreifen, kann zivilrechtliche und auch strafrechtliche Haftungstatbestände bei der Geschäftsführung auslösen.

Sie sollten Kennzahlen als Frühindikatoren für eine Krise daher nicht unbeachtet lassen. Aber auch zur Beurteilung von Geschäftspartnern können Sie solche Kennzahlen entsprechend heranziehen.

Bestandsorientierte bzw. statische Liquiditätsanalyse

Mithilfe der Liquiditätsanalyse können Sie untersuchen, inwieweit das Liquiditätspotenzial ausreicht, um den gegebenen Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Ziel der Analyse soll es u.a. sein, auf den zeitlichen Anfall von künftigen Einnahmen und Ausgaben zu schließen.

Um über die kurzfristige Situation im Unternehmen eine Aussage treffen zu können, werden die Verhältniszahlen aus den Positionen des Umlaufvermögens und den kurzfristigen Verbindlichkeiten näher betrachtet. Die Entwicklung dieser kurzfristigen Kennzahlen lässt nur die Tendenz der Liquiditätsveränderung im Unternehmen erkennen.

Liquidität 2. Grades

Die Liquiditätsgrade sind hierbei wohl die bekanntesten Kennzahlen. In der Praxis wird der Liquidität 2. Grades besondere Beachtung geschenkt. Diese sollte 100 % sein. Kann das nicht erreicht werden, dann kann als absolute und kurzfristige Untergrenze 50 % angesehen werden. Allerdings ist die Einhaltung der Grenzen keine Garantie dafür, dass zu jedem Zeitpunkt die Zahlungsfähigkeit gewährleistet ist.

Generell gilt: Je höher die Liquiditätsgrade, umso günstiger ist die Liquiditätslage zu beurteilen.

Working Capital

Das Working Capital ist derjenige Teil des Umlaufvermögens, der nicht zur Abdeckung des kurzfristigen Fremdkapitals gebunden ist und deshalb anderen Bereichen zur Verfügung steht. Es sollte daher immer positiv sein.

Weitere interessante Kennzahlen, die herangezogen werden können, sind das Debitorenziel und das Kreditorenziel in Tagen. Aus diesen Kennzahlen ist die durchschnittliche Länge des gewährten Zahlungsziels ersichtlich.

Die bestandsorientierte Liquiditätsanalyse hat ihre Schwächen, dennoch hat sie eine Aussagekraft und findet in der Praxis regelmäßig Anwendung.

Dynamische Betrachtungsweise der Liquidität

Mithilfe der Kennzahl defensive interval ratio lässt sich die Anzahl der Tage bestimmen, in denen die Aufwendungen durch die kurzfristige Liquidität gedeckt sind. Je länger dieser Zeitraum ist, umso besser ist dies für ein Unternehmen.

Cashflow-Analyse

Der dynamische Verschuldungsgrad lässt Aussagen über die Verschuldensfähigkeit eines Unternehmens zu, da letztlich Verbindlichkeiten nur aus den noch freien Mitteln getilgt werden können. Der dynamische Verschuldungsgrad gibt die Anzahl der Jahre an, in denen eine vollständige Tilgung der Schulden (Fremdkapital) aus den erwirtschafteten Zahlungsmitteln möglich wäre. Als Faustregel gilt:

  • bis 3,5 Jahre = gut
  • bis 5 Jahre = befriedigend
  • bis 8 Jahre = ausreichend
  • über 8 Jahre = unbefriedigend

Der Verschuldungsgrad eignet sich gut als Frühindikator. Ein kontinuierlich steigender Wert kann z. B. auf eine Gefährdung der Finanzlage des Unternehmens hindeuten. Im Umkehrschluss kann auch der sog. Entschuldungsgrad (oder die Schuldentilgungsfähigkeit) berechnet werden.

Dieser Beitrag verweist nur auf einen Ausschnitt an möglichen Kennzahlen und zeigt: Krisenerkennung ist wichtig und kompliziert. Nichtsdestotrotz sollte alles getan werden, um diese zeitig zu erkennen.

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Formeln für den Kennzahleneinsatz in der Krise

Autoreninfo

lifr-testFrank Lienhard

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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