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Donnerstag, 06 September 2018 13:46

Erfolgsfaktoren der Unternehmenssanierung

Wer sich dazu entschieden hat, die Sanierung seines Unternehmens aktiv anzugehen, hat den ersten Schritt bereits getan. Nun ist es wichtig, diejenigen Faktoren zu beherzigen und zu befolgen, die regelmäßig Garant dafür sind, dass eine Sanierung glückt. Mindestens genauso wichtig ist es jedoch, diejenigen Punkte im Auge zu behalten, die in aller Regel dazu führen, dass die Sanierung scheitert.

Erfolgreiche Unternehmenssanierung:

1. Maximale Transparenz

Ein entscheidender, wenn nicht sogar der entscheidende Punkt einer erfolgreichen Sanierung ist die maximale Transparenz der Unternehmensführung gegenüber den Beteiligten des Sanierungsverfahrens. Und zwar bezüglich aller Handlungen, Entscheidungen, Tatsachen und Entwicklungen, die das Unternehmen betreffen. Die Unternehmensführung muss hier konsequent und ausnahmslos mit offenen Karten spielen.

2. Vertrauen in die handelnden Personen

Unmittelbar damit zusammen hängt der 2. Punkt: das Vertrauen in die handelnden Personen. Durch die eben aufgezeigte Transparenz entsteht in der Regel Vertrauen. Bestärkt wird dieses Vertrauen durch einen schnellen und unaufgeforderten Informationsfluss seitens der handelnden Personen. Wichtig ist: Gibt es an den Schlüsselpositionen des Unternehmens – wenn auch nur vereinzelt – nicht vertrauenswürdige Personen, so müssen diese ausgetauscht werden. Das Risiko des Vertrauensverlusts gegenüber den Beteiligten des Verfahrens ist sonst zu groß.

3. Aktive und zeitnahe Kommunikation

Über das gesamte Verfahren hinweg muss sichergestellt sein, dass aktiv und vor allem auch zeitnah kommuniziert wird. Schlechte Nachrichten werden nicht besser, indem man sie denen, die sie betreffen, vorenthält. Im Gegenteil: In der Regel entsteht die Verärgerung bei Lieferanten, Kunden oder auch den beteiligten Banken erst recht, wenn sie die (negativen) Informationen nur stückchenweise, verspätet oder über mehrere Ecken erfahren. Hier ist es essentiell wichtig, die Krisenkommunikation aktiv zu steuern – und so Vertrauen zu schaffen bzw. aufzubauen.

Dieser Punkt betrifft insbesondere auch die Kommunikation mit und gegenüber den Mitarbeitern. Auch hier ist es wichtig, aktiv und zeitnah, insbesondere über möglicherweise anstehende Veränderungen, zu informieren.

4. Leitbild des sanierten Unternehmens

Ein Schlüsselfaktor einer erfolgreichen Unternehmenssanierung ist, dass die Unternehmensführung, ggf. gemeinsam mit ihren Beratern, relativ schnell ein „Leitbild des sanierten Unternehmens“ erarbeitet. Dieses Leitbild muss klar aufzeigen, wie das Unternehmen die Krise überwinden will und wird.

Ein entscheidender Punkt auch für die Mitarbeiter: Auch sie sind in der Krise verunsichert, fürchten um die dauerhafte Sicherung ihres Arbeitsplatzes. Daher ist es gerade bei guten Mitarbeitern, insbesondere dann, wenn sie Schlüsselpositionen besetzen, wichtig, ihnen den Weg aus der Krise aufzuzeigen. Sobald das Leitbild erarbeitet ist, sollte es daher auch zeitnah den Mitarbeitern vorgestellt werden. So können zum einen Mitarbeiterabgänge vermieden, und zum anderen aber auch Mitarbeiter aktiv ans Unternehmen gebunden werden.

5. Zeitliche Komponente: maximal 1 Jahr

Zuletzt ist auch die zeitliche Komponente entscheidend: Das Ziel muss ganz klar sein, dass das Sanierungsverfahren innerhalb eines Jahres abgeschlossen ist. Besser sogar in weniger als einem Jahr. Konkret bedeutet das, dass insbesondere die finanzwirtschaftlichen Maßnahmen innerhalb eines Jahres geklärt und umgesetzt sind. Hierzu zählen z. B. mögliche Umschuldungen, Forderungsverzichte von Gläubigern oder auch die Vereinbarung gänzlich neuer Finanzierungen.

Und aus juristischer Sicht ebenfalls binnen Jahresfrist sollte der Insolvenzplan (falls vorgesehen) bzw. ein Sanierungsplan abgeschlossen sein.

Was dagegen die leistungswirtschaftliche Seite der Sanierungsmaßnahmen betrifft, ist es in der Regel nicht erforderlich, dass diese bereits innerhalb eines Jahre komplett umgesetzt sind. Diese können durchaus auch über ein Jahr hinaus andauern. So z.B., wenn neue Software oder auch neue Maschinen in Folge des Sanierungsplans erworben und künftig in der Fertigung eingesetzt werden sollen.

Erfolglose Unternehmenssanierung:

1. Ausgangslage ist unklar

Ein Punkt, an dem Sanierungen häufig scheitern, ist der Zustand des Rechnungswesens im zu sanierenden Unternehmen. Ein rückständiges Rechnungswesen ist für die Sanierung ebenso hinderlich wie ein falsches oder ein unvollständiges. In jedem dieser Fälle bietet es jedenfalls keine brauchbaren und belastbaren Zahlen, auf denen eine erfolgreiche Sanierung aufbauen kann.

2. Keine oder zu kurzfristige Unternehmensplanung

Bei vielen Unternehmen, die sich in der Sanierung befinden, ist festzustellen, dass sie entweder erst gar keine Unternehmensplanung haben oder wenn doch, dann ist diese oft viel zu kurzfristig. Meist ist diese Planung dann auch noch vergangenheitsorientiert, sprich aufbauend auf der/den letzten Bilanzen – aber nicht nach vorne, in die Zukunft, gerichtet.

Ohne eine verlässliche, zumindest mittelfristige Unternehmensplanung ist es jedoch gerade für ein kriselndes Unternehmen schlichtweg unmöglich, den richtigen Weg einzuschlagen und diesen dann vor allem auch kontinuierlich zu verfolgen.

3. Zu langes Abwarten

Häufig scheitern Unternehmenssanierungen aber auch einfach (nur) daran, dass zu spät mit Sanierungsmaßnahmen begonnen wird. Klar ist jedoch: Zu langes Abwarten verspielt das Vertrauen der Beteiligten (Banken, wie Geschäftspartner und vor allem auch Mitarbeiter) in das Handeln der verantwortlichen Personen.

4. Keine Änderung im Handeln

Ein weiterer Punkt, der in der Praxis nach wie vor immer wieder festzustellen ist, ist der, dass Unternehmen zwar eine Planung und ein Fortführungskonzept bzw. ein Sanierungskonzept erarbeiten, unter anderem deswegen, weil die finanzierende/n Bank/en das verlangen, trotzdem aber anschließend in ihrem täglichen Tun und Lassen weitermachen wie bisher – und damit die Chance zur erfolgreichen Sanierung nicht aktiv ergreifen.

5. Verpasste Neuausrichtung

Spätestens im Rahmen der Sanierung und des Sanierungskonzepts sollte sich ein Unternehmer Gedanken über seine strategische Ausrichtung machen. Die Sanierung eines Unternehmens ist ohne Zweifel ein Wendepunkt im Lebenszyklus eines jeden Unternehmens – und damit der ideale Zeitpunkt, das Unternehmen strategisch neu auszurichten. Diese Chance ergreifen Unternehmer häufig leider nicht, sodass auch hierin häufig die Ursache für ein Scheitern der Unternehmenssanierung liegt.

6. Unsicherheit über die Besteuerung von Sanierungsgewinnen

Zuletzt trägt auch die aktuelle Unsicherheit über die Besteuerung von Sanierungsgewinnen dazu bei, dass dringend notwendige Sanierungen erst gar nicht angestoßen werden. Die Verunsicherung seitens der kriselnden Unternehmen ist hier groß, sodass dieser Punkt derzeit ein großes Sanierungshemmnis ist – jegliche Chance auf Sanierung eines insoweit verunsicherten Unternehmens ist hier von vornherein ausgeschlossen, da mit der Sanierung erst gar nicht begonnen wird.

 

Autoreninfo

nian-testAnne Nickert

Rechtsanwältin, Fachanwältin für Steuerrecht

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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