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Freitag, 15 Dezember 2017 13:27

Handelsrechtliche Fortführungsprognose

Nach Handelsrecht muss jeder bilanzierende Kaufmann im Rahmen der Erstellung des Jahresabschlusses überprüfen, ob er von der Fortsetzung der Unternehmenstätigkeit ausgehen darf oder ob dieser Fortsetzung rechtliche oder wirtschaftliche Gründe entgegenstehen.

Dabei handelt es sich um wesentliche Pflichten im Rahmen der Bilanzierung. Bedeutung gewinnt diese Anforderung bei ertragsschwachen Unternehmen. Wie aber wird ermittelt, ob noch unter der Annahme der Fortsetzung bilanziert werden darf oder aber nicht mehr?

Implizite Fortführungsprognose

Nach der Rechtsprechung und der Berufspraxis darf ohne weiteres von der Fortsetzung der Unternehmenstätigkeit ausgegangen werden, wenn 3 Voraussetzungen kumulativ erfüllt sind: Das Unternehmen muss in der Vergangenheit nachhaltig Gewinne erwirtschaftet haben, das Unternehmen hat Zugang zur Liquidität und es droht keine Überschuldung.

Wenn diese 3 Voraussetzungen insgesamt vorliegen, spricht man von einer sog. impliziten Fortführungsprognose. Hier ist nichts weiter zu veranlassen.

Explizite Fortführungsprognose

Soweit diese Voraussetzungen aber nicht oder nicht kumulativ vorliegen, muss der Kaufmann prüfen, ob er noch unter der Annahme der Fortsetzung der Unternehmenstätigkeit bilanzieren darf.

Konzept muss erstellt werden

Hierzu muss er ein Konzept erstellen, was mit hinreichender Sicherheit belegt, dass das Unternehmen auch in Zukunft am Markt tätig sein wird. Insbesondere muss der Kaufmann in solchen Fällen prüfen und negativ bescheinigen, dass kein Insolvenzgrund vorliegt.

Analyse der Ausgangsbasis

Im Rahmen einer solchen Konzepterstellung hat der Kaufmann sein Unternehmen gründlich zu analysieren. Hierzu gehört, dass die allgemeinen Entwicklungen, die das Unternehmen prägen, berücksichtigt werden. Hierzu zählen technologische, rechtliche, demokratische und ökonomische Entwicklungen.

Ferner hat der Kaufmann zu untersuchen, wie die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Unternehmens zu bewerten ist. Hierzu hat er neben einer Analyse des aktuellen Wettbewerbs zu überprüfen, welche potenziellen neuen Wettbewerber in Erscheinung treten oder durch welche Leistungen oder Produkte die eigenen Angebote ersetzt werden können.

Zudem ist die Verhandlungsmacht der Kunden bzw. der Lieferanten zu analysieren. All dies in Verbindung mit der Analyse der eigenen Finanz-, Vermögens- und Ertragslage mündet in eine sog. SWOT-Analyse, in der die Chancen und Risiken, sowie die Stärken und Schwächen des Unternehmens analysiert werden.

Unternehmensplanung

Auf Basis dieser tiefgreifenden Analyse ist dann abzuschätzen, welche Einnahmen und Ausgaben, welche Erträge und Aufwendungen in Zukunft erzielt werden und wie sich diese auf das Bilanzbild auswirken. Erst und nur dann kann die gesamte Situation für das Unternehmen eingeschätzt werden.

Folgen bei Verstoß

Erstellt der Kaufmann die Bilanz unter der Annahme der Fortführung, obwohl dies nicht mehr gerechtfertigt ist, kann dies strafrechtliche und haftungsrechtliche Konsequenzen zur Folge haben. Aus diesem Grund empfiehlt es sich dringend, selbst bei leichten Zweifeln an der Fortführungsfähigkeit ein solches Konzept zu erstellen. Dies hält einem zudem den Spiegel vor Augen und zeigt auf, wie sich die wirtschaftliche Lage des Unternehmens verbessern lässt.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Prüfen Sie schon im Herbst, ob es Anzeichen für eine negative wirtschaftliche Entwicklung gibt. Die Erstellung eines solchen Konzepts ist kurzfristig in der Regel nicht möglich. Gerade aber bei ertragsschwachen Unternehmen ist die Frist zur Erstellung der Handelsbilanz auf 3 Monate verkürzt, sodass die Arbeit nach dem Bilanzstichtag zu einem enormen Zeitdruck führt.

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Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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