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Dienstag, 25 April 2017 12:04

Anforderungen an ein Sanierungskonzept

Stakeholderkrise, Strategiekrise, Produkt- und Absatzkrise, Ertragskrise und schlussendlich die Liquiditätskrise bilden den üblichen Krisenverlauf eines in wirtschaftliche Schwierigkeiten geratenen Unternehmens ab. Müssen nun Kreditlinien verlängert werden oder benötigt ein Unternehmen gar neue finanzielle Mittel für einen erfolgreichen Turnaround, ist die Erstellung eines Sanierungskonzepts die Voraussetzung zur Begleitung eines Sanierungsprozesses durch die Bank.

In der Praxis sind meist die finanzierenden Hausbanken der Initiator und Adressat des Konzepts, denn die Banken werden eine Kreditentscheidung nur auf Grundlage eines Sanierungskonzepts treffen.

Doch welchen Zweck hat ein solches Sanierungskonzept? Zunächst ist eine Entscheidungsgrundlage für Kreditinstitute und Kapitalgeber bei Neufinanzierungen in Krisensituationen. Finanzielle Probleme beim Kreditnehmer erfordern (zwingend) ein Sanierungskonzept, um dem Finanziere überhaupt ein Handeln zu ermöglichen. Durch die Vorlage eines Sanierungskonzepts durch den Kreditnehmer haben die finanzierenden Banken die Möglichkeit zur Beurteilung der Sanierungsfähigkeit des Unternehmens.

Allerdings profitieren nicht nur die Kapitalgeber von der Erstellung eines Sanierungskonzepts. Durch die umfangreiche Analyse der Unternehmenstätigkeit sowie der Marktgegebenheiten werden in einem Sanierungskonzept die unternehmerische Vision sowie die Robustheit des Geschäftsmodells aufgezeigt.

Ein Sanierungskonzept verfolgt das Ziel einer klaren Darstellung der leistungswirtschaftlichen und finanzwirtschaftlichen Maßnahmen zur Stabilisierung und Optimierung des Unternehmens. Hierdurch soll verlorengegangenes Vertrauen bei den Stakeholdern durch die Definition der erforderlichen Maßnahmen zur Beseitigung der existenziellen Risiken und das Aufzeigen „des Weges“ in eine profitable Zukunft zurückgewonnen werden.

Zudem bietet ein Sanierungskonzept nicht nur eine Grundlage für Verhandlungen mit Stakeholdern, sondern dient insbesondere der Entlastung der handelnden Organe bezüglich straf- und haftungsrechtlicher Aspekte.

Allerdings fehlt bislang eine gesetzliche Definition der Mindestanforderungen an ein solches Sanierungskonzept. Vielmehr orientiert man sich aktuell an der höchstrichterlichen Rechtsprechung zu misslungenen Sanierungen. Der Bundesgerichtshof hat durch eine Vielzahl von Urteilen allgemeine Mindestanforderungen dargelegt.

Da es sich hierbei allerdings nicht um einen rechtsverbindlichen Anforderungskatalog handelt, hat eine Vielzahl von Interessensgruppen Arbeitspapiere und Gegenentwürfe zu den durch den BGH festgelegten Forderungen ausgearbeitet. Hierzu gehören z. B. die Grundsätze ordnungsgemäßer Sanierungskonzepte (GoS) sowie die Mindestanforderungen
an Sanierungskonzepte (MaS) und die Richtlinie zur Erstellung von Sanierungskonzepten für KMU.

Auch das Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) hat in seinem Standard IDW S 6 den Inhalt eines Sanierungskonzepts definiert, der allerdings über die Anforderungen der höchstrichterlichen Rechtsprechung hinausgeht.

Alle Ausarbeitungen haben zum Ziel, eine „Roadmap“ für erfolgreiche Unternehmenssanierungen vorzugeben.

Um bei einer misslungenen Unternehmenssanierung sowohl straf- und haftungsrechtliche Aspekte sowie insolvenzrechtliche Anfechtungstatbestände ausschließen zu können, sollte man sich bei der Ausarbeitung eines Sanierungskonzepts zumindest an die folgenden Mindestanforderungen der Rechtsprechung halten:

  • Das Sanierungskonzept basiert auf erkannten und erkennbaren Gegebenheiten und ist durchführbar.
  • Buchhaltungsunterlagen des Unternehmens lagen dem Ersteller des Sanierungskonzepts vor. Der Ersteller hat die Validität der verwendeten Informationen zu prüfen.
  • Das Sanierungskonzept enthält eine Analyse der wirtschaftlichen Lage des Unternehmens im Rahmen seiner Branche und erfasst die Krisenursachen.
  • Das Konzept beurteilt die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage des Unternehmens zutreffend.
  • Das Unternehmen ist objektiv sanierungsfähig und die begonnenen Maßnahmen sind insgesamt objektiv geeignet, das Unternehmen nachhaltig zu sanieren.
  • Sanierungsmaßnahmen sind bereits sachgerecht eingeleitet.

Zitat: „In der Vergangenheit schwach und in der Zukunft stark… – nur durch ein schlüssiges Konzept kann die Belastbarkeit der Trendwende beurteilt werden. Die Anforderungen an ein solches Konzept sind jedoch hoch.“

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[Joel Münchenbach]

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