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Matthias Kühne
Donnerstag, 28 Juli 2016 09:38

Fit für die Zukunft nach einem erfolgten Sanierungsverfahren – Fallstricke im Sanierungsverfahren, warum die Sanierung nicht erfolgreich ist

Seit Einführung des ESUG am 1.3.2012 ist das Insolvenzverfahren ein geeignetes Mittel zur Sanierung von Unternehmen. Besonders interessant sind das Schutzschirmverfahren und die (vorläufige) Eigenverwaltung. Die Verfahren sind mittlerweile in der Praxis angekommen.

Allerdings sind diese Verfahren keine Selbstläufer. Gegenüber einem regulären Insolvenzverfahren bestehen erhöhte Anforderungen. Folgende Punkte sind für eine erfolgreiche gerichtliche Sanierung zu beachten.

Einer der Haupterfolgsfaktoren einer gerichtlichen Sanierung ist die gute Vorbereitung des Verfahrens. Hierzu gehört insbesondere die Einschätzung, inwieweit das Unternehmen oder Teile davon sanierungsfähig sind. Über die Eckpunkte der Sanierung sollte schon im Vorfeld ein grober Plan entwickelt werden. Bei der Umsetzung von Sanierungsmaßnahmen können die Besonderheiten des Insolvenzverfahrens genutzt werden. Eine realistische Einschätzung über die Tragfähigkeit des Konzepts ist essentielle Voraussetzung einer erfolgreichen Sanierung.

Zu einer ordentlichen Vorbereitung gehört auch die Kommunikation mit den Stakeholdern. Insbesondere ist im Vorfeld mit den wichtigsten Partnern, insbesondere den Banken, dem Betriebsrat und den wesentlichen Kunden und Lieferanten die Unterstützung eines gerichtlichen Insolvenzverfahrens abzuklären. Die Unterstützung setzt voraus, dass das Vertrauensverhältnis zu den wichtigsten Partnern nicht zerstört wurde.

Teilweise wird die Einrichtung eines informellen Gläubigerausschusses bereits vor dem Antrag auf Insolvenz als sehr wichtig erachtet. Damit sollen die wichtigsten Gläubiger bereits vor dem eigentlichen Verfahren auch formal in den Prozess miteingebunden werden.

Ebenso Teil einer guten Vorbereitung ist die Auswahl des Teams, das das Unternehmen durch die Sanierung begleitet. Die Geschäftsleitung verfügt in den wenigsten Fällen über das entsprechende Know-how. Die gute und ergebnisorientierte Zusammenarbeit aller Beteiligten ist für das Gelingen des Verfahrens äußerst wichtig. In einer Erhebung von Roland Berger und Noerr aus dem Jahre 2015 bewerten 96 % der Befragten die gute Zusammenarbeit zwischen dem schuldnerischen Unternehmen und dessen Beratern sowie der Sachwaltung als einen der wichtigsten Erfolgsfaktoren einer gerichtlichen Sanierung.

Teil der Vorbereitung eines gerichtlichen Verfahrens ist auch die Sicherstellung der für die Geschäftsfortführung erforderlichen Liquidität. Deshalb sollten bereits im Vorfeld der Insolvenz Liquiditätspläne auch für den Zeitraum des gerichtlichen Sanierungsverfahrens erstellt werden. Die Folgen der Insolvenz sind hierbei sachgerecht zu schätzen. Die Sicherstellung der Liquidität ist als vertrauensbildende Maßnahme gegenüber Lieferanten unerlässlich. Zahlungstermine sind als vertrauensbildende Maßnahme ohne Verzögerungen einzuhalten.

Durchführung

Die Sanierung über ein Eigenverwaltungsverfahren setzt voraus, dass das Verfahren nicht mit Nachteilen für die Gläubiger verbunden ist. Dies ist grundlegende Voraussetzung.

Zu Beginn des Verfahrens, nachdem die Einleitung des gerichtlichen Verfahrens bei allen Beteiligten bekannt wurde, ist ein erhöhter Kommunikationsaufwand erforderlich. Die Kommunikation, die schon im Vorfeld abgestimmt sein muss, muss zielgerichtet auf allen Ebenen umgesetzt werden. Gericht, Sachwalter, vorläufiger Gläubigerausschuss, Einzelgläubiger und Arbeitnehmer müssen entsprechend mit den für sie jeweils maßgeblichen Informationen bedient werden. Entsteht Misstrauen oder Intransparenz, ist das Verfahren in den meisten Fällen zum Scheitern verurteilt.

Gerade die Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Berater des Unternehmens und Sachwalter ist äußerst wichtig. Hier sollten schon zu Beginn des Verfahrens die "Spielregeln" festgelegt werden. Hier hat sich noch keine einheitliche Praxis herausgebildet. Es ist deshalb wichtig, dass die wechselseitigen Erwartungshaltungen abgeklärt und auch schriftlich fixiert werden.

Im Rahmen der Verfahrensdurchführung steht daneben auch die Erstellung des Sanierungskonzepts im Vordergrund. Hier ist ein Leitbild des sanierten Unternehmens zu entwerfen. Die hierfür erforderlichen Maßnahmen sind umzusetzen bzw. einzuleiten. Das Sanierungskonzept ist sodann Grundlage für einen Insolvenzplan. Dieser regelt die Befriedigung der Gläubiger und ist Grundlage für die Beendigung des Verfahrens. Die Einzelregelungen im Rahmen des Insolvenzplans sind mit den Gläubigern im Vorfeld abzustimmen und die Zustimmung zum Plan vorab zu klären.

Verfahrensaufhebung

Ist ein Insolvenzplan zustande gekommen, ist darauf Wert zu legen, das Verfahren schnell zu beenden. Dies setzt voraus, dass zum einen die Verfahrenskosten und die Verwaltervergütung festgesetzt und bezahlt werden. Zögert sich die Aufhebung des Verfahrens heraus, führt dies zu Vertrauensverlust bei Kunden und Lieferanten.

Nicht zu vergessen ist in diesem Stadium die Kommunikation mit Warenkreditversicherer und Wirtschaftsauskunfteien. Gegenüber diesen ist die positive Entwicklung zu kommunizieren mit dem Ziel, dass das Unternehmen in Zukunft wieder von Seiten der Warenkreditversicherer versichert und eine bessere Bonitätseinschätzung erhält. Die Punkte sind wesentlich für die Liquiditätsplanung des Unternehmens.

Fazit

Die Erfolgsfaktoren einer gerichtlichen Sanierung sind in jedem Verfahrensstadium zu beachten. Ist das Vertrauen erst einmal zerstört, ist das Scheitern einer gerichtlichen Sanierung praktisch nicht mehr zu verhindern. Die Erkenntnisse über die Fallstricke im Verfahren und die Erfolgsfaktoren sowie ein stringentes Projektmanagement und eine intensive Kommunikation sind Grundlage für den Erfolg.

Autoreninfo

kuma-testMatthias Kühne

Rechtsanwalt, Betriebswirt (IWW), Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Anlalyst EACVA)

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