Kanzlei Nickert //images.kanzleinickert.de/nickert-logo-fb.jpg KANZLEI NICKERT | Rechtsanwälte und Steuerberater, Offenburg, kompetent in Rechts-, Steuerberatung, Finanz-, Lohnbuchhaltung, spezialisiert auf Branchen Bau, Handel und Industrie. info@kanzlei-nickert.de
Rammersweierstraße 120 77654 Offenburg

kanzlei nickert logo

Montag, 03 August 2015 08:56

Magazin: Sanierungsaspekte im Handel

Wie in anderen Branchen auch gibt es besondere Aspekte, die im Rahmen der Sanierung eines Handelsunternehmens zu achten sind. Diese zu kennen und rechtzeitig zu berücksichtigen ist ein wesentlicher Erfolgsfaktor für die Gesundung des Unternehmens.

Ein Handelsunternehmen kauft Waren oder Güter ein, um diese mit einem Kosten- und Gewinnaufschlag an seine Kunden weiterzuveräußern. In der Regel gehen mit dieser Leistungserbringung eine Warenbereitstellung zur kurzfristigen Belieferung, eine Logistikdienstleistung und eine Bestellmengenreduktion einher. Der Endkunde könnte nämlich beim Produzenten in der Regel nur große Losgrößen abnehmen, die für den Endkunden aber nicht von Relevanz sind.

Insbesondere die kurzfristige Verfügbarkeit der Waren bedingt regelmäßig eine Bevorratung (Lagerhaltung). Lagerbestände aber kosten Geld. Die Kosten setzen sich aus verschiedenen Positionen zusammen: Kosten für das Lager, Kosten für die Vorfinanzierung und Kosten für das Risiko, dass die Ware nicht abgenommen wird (Verderblichkeit, Ladenhüter). Aus diesem Grund stellt sich immer die Frage nach der optimalen Lagergröße. Ein zu großes Lager verursacht zu hohe Kosten, demgegenüber schränkt ein zu geringes Lager die kurzfristige zeitliche Lieferbarkeit stark ein.

Aus diesem Grund ist ein gutes Warenwirtschaftssystem, das entsprechend gut gepflegt wird, eine wesentliche Voraussetzung, um das Lager optimal zu bestücken.

Eine weitere Fragestellung ist die Finanzierung des sog. Nettoumlaufvermögens (Working Capital). Als Faustformel gilt, dass das Working Capital, bestehend aus der freien Liquidität in Form von Geldbestandskonten, den Forderungen und dem realistisch bewerteten Umlaufvermögen größer sein muss als die kurzfristigen Verbindlichkeiten aus den Wareneinkäufen. Gerade in Sanierungsfällen kann aus einem zu geringen Working Capital schnell Zahlungsunfähigkeit entstehen.

Bei einem zu geringen Liquiditätspolster müssen Sie überprüfen, ob Sie zur Finanzierung einen mittelfristigen Kredit beantragen müssen, damit Sie Insolvenzrisiken ausschließen können. Eng mit dem Working Capital Management verknüpft ist der Einkauf.

Hier liegt oft ein zentraler Werttreiber im Handel. Aus der Auswertung der Zahlen aus der Warenwirtschaft lässt sich auch ein optimales Einkaufsverhalten ableiten. Es gilt, mit dem eigenen Lieferanten optimierte Einkaufsbedingungen auszuhandeln.

Ein Handelsunternehmen macht nur dann Gewinn, wenn es die erforderlichen Margen in den Preisverhandlungen durchsetzen kann. Gerade hier gilt es, eine optimierte Pricing-Strategie zu entwickeln und diese in den Preisverhandlungen auch durchzusetzen.

So könnte z. B. das Zahlungsziel gegenüber den eigenen Kunden verlängert werden, dieses Zugeständnis aber durch einen Preisaufschlag kompensiert werden. Eine solche Strategie ist insbesondere dann interessant, wenn die eigenen Kunden um Liquiditätsschonung bedacht sind. In derartigen Fällen ist aber gleichzeitig auf eine Absicherung der Forderungen zu achten, weil mit einer derartigen Strategie die Anfälligkeit für Forderungsabschreibungen steigt.

Prüfen Sie, ob und welche Zusatzdienstleistungen Sie zum reinen Handelsgeschäft erbringen können. Handelswaren können im Zeitalter des Internets praktisch überall eingekauft werden. Insoweit muss das Handelsunternehmen die Frage beantworten, ob ein Alleinstellungsmerkmal (Unique selling propostion, usp) besteht. Es muss die Frage beantworten können, weshalb der Kunde bei ihm einkauft.

Erst wenn diese leistungswirtschaftlichen Optimierungskonzepte entwickelt wurden, stellt sich die Frage nach dem richtigen Weg zur Umsetzung der geplanten Maßnahmen.

„Kein Kunde kauft jemals ein Erzeugnis. Er kauft immer nur das, was das Erzeugnis für ihn leistet." Peter F. Drucker

 

Weiterführende Beiträge der KANZLEI NICKERT zum Thema:

Rechtliche Sanierungsaspekte

Kernkompetenzen des Handelsbetriebs

Magazin: Marketing im B2B Handel

Besonderheiten der Unternehmensplanung in der Handelsbranche

Magazin: Interview Online-Shops

Magazin: Handel

 

Autoreninfo

nico testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine Haftung übernehmen.

 

Die von uns verwendeten Cookies sollen sicherstellen, dass Sie unsere Website optimal genießen können.
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Nutzung dieser Cookies einverstanden. Weitere Informationen zum Datenschutz