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Donnerstag, 23 Juli 2015 10:27

Rechtliche Sanierungsaspekte

Im Rahmen der Suche nach dem richtigen Sanierungsweg stellt sich immer die Frage, ob das Unternehmen außergerichtlich oder gerichtlich saniert werden soll.

Insbesondere die Chance der gerichtlichen Sanierung wird häufig fehlerhaft eingeschätzt und deshalb bei der Entscheidungsfindung nicht berücksichtigt.

Im Handel ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Wertschöpfung durch das Personal in der Regel deutlich geringer ausfällt. Daher können Sanierungsaspekte aus der Insolvenzgeldfinanzierung im gerichtlichen Sanierungsverfahren nur in geringerem Umfang berücksichtigt werden.

Ein wesentlicher Erfolgstreiber der Sanierung ist das Vertrauen der Geschäftspartner. Sofern das Vertrauen in der Vergangenheit in Mitleidenschaft gezogen wurde, ist es wieder herzustellen. Ganz wesentlich hierfür ist es, den Gläubigern Transparenz, insbesondere Transparenz in die Zahlen des Rechnungswesens, zu geben. Hierzu gehört, dass die Bestände z. B. mit Umschlagshäufigkeiten offengelegt werden, und eine sog. verlustfreie Bewertung vorgenommen wird.

Erst und nur wenn diese Voraussetzungen gegeben sind, kann der letztlich richtige Weg beschlossen werden. Für die außergerichtliche Finanzierung spricht insbesondere, dass in verschiedenen Konstellationen die Fortführung der Finanzierung problematisch sein könnte. Dies gilt insbesondere dann, wenn die Lieferanten großzügig auf Ziel liefern und das Lieferantenziel über dem durchschnittlichen Kundenziel des zu sanierenden Unternehmens liegt. Derartige Finanzierungsbeiträge können möglicherweise in der außergerichtlichen Sanierung wegfallen, was zu einem sprunghaften Anstieg des Kapitalbedarfs führt. Dies gilt insbesondere dann, wenn sich das Unternehmen über Factoring finanziert.

Insbesondere in solchen Konstellationen bietet sich eine gerichtliche Sanierung an. Im Rahmen einer gerichtlichen Sanierung kann der rechtliche Rahmen dafür geschaffen werden, dass die Lieferanten die Waren weiterhin auf Ziel liefern. Auch kann die Fortsetzung der Zahlungssysteme vertraglich geregelt werden. Seitens der Gläubiger besteht hier der Vorteil, dass mit dem Insolvenzverwalter oder dem Sachwalter eine neutrale dritte Person das zu sanierende Unternehmen beaufsichtigt und dadurch ein weiterer Vertrauenstatbestand geschaffen wird.
Für das zu sanierende Unternehmen besteht der weitere Vorteil, dass die Eigensanierung über einen Insolvenzplan, also einen Vertrag mit den Gläubigern, geregelt wird. Im Rahmen eines solchen Insolvenzplans können Gläubiger, die außergerichtlich nicht zu Sanierungsbeiträgen bereit waren, überstimmt werden.
Im Rahmen einer gerichtlichen Sanierungslösung wird regelmäßig überprüft, ob die Gläubiger im Insolvenzplan schlechter stehen als im Fall der Regelabwicklung. Die Regelabwicklung nach der Insolvenzordnung ist aber die Liquidation. Sofern ein Handelsunternehmen liquidiert wird, wird das Warenlager veräußert, die Forderungen eingezogen und das Anlagevermögen in der Regel versteigert. In der Grundkonsequenz erhalten die Gläubiger in derartigen Verfahren, wenn überhaupt, nur eine sehr geringe Insolvenzquote. Diese wird üblicherweise erst nach 3 bis 5 Jahren ausbezahlt. Im Rahmen der Liquidation werden insbesondere immaterielle Werte nicht realisiert. D. h., die Kundenbeziehungen werden nicht vergütet.

Aufgrund dieser branchenbezogenen stark ausgeprägten Besonderheit kann relativ einfach dargelegt werden, dass die Gläubiger in einem sog. Insolvenzplanverfahren wesentlich besser stehen, als im Fall der gesetzlich üblichen Liquidation. Dies wiederum erhöht die Möglichkeit, einen Insolvenzplan unter Umständen auch gegen den Widerstand einzelner widersprechender Gläubiger gerichtlich durchzusetzen.

Fazit

Handelsunternehmen weisen bezüglich der Unternehmenssanierung Besonderheiten auf, die im Wesentlichen durch die Bilanzstruktur und durch die Finanzierung geprägt sind. Die Analyse der Gesamtumstände zeigt, ob eine gerichtliche Sanierung der außergerichtlichen Sanierung vorzuziehen ist. Insgesamt ist festzustellen, dass die gerichtliche Sanierung mit ihren, gerade bei Handelsunternehmen, starken Mechanismen unterrepräsentiert ist.

Autoreninfo

nico-testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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