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Mittwoch, 27 November 2013 07:10

Magazin: Gesellschaftersicherheiten

Sicherheiten aus dem persönlichen Vermögen der Gesellschafter spielen bei Unternehmensfinanzierungen eine wichtige Rolle. Teilweise verfügt die Gesellschaft selbst nicht über adäquate Sicherheiten. Teilweise ist es aber auch so, dass die Sicherheiten der Gesellschafter neben solchen Sicherheiten aus dem Gesellschaftsvermögen treten. In einer möglichen Insolvenz der Gesellschaft hat dies unterschiedliche Auswirkungen auf die Position der Gesellschaftersicherheit.   Grundsätzliche Möglichkeiten zur Besicherung

Die Besicherung von (Bank-)Verbindlichkeiten zur Unternehmensfinanzierung findet in der Praxis über 2 Wege statt. Zum einen sind typische Sicherungsmittel Vermögenswerte der Gesellschaft selbst. Hier sind insbesondere Sicherungsmittel wie Grundschulden, Sicherungsübereignungen, Forderungsabtretungen zu nennen.

Als weitere Sicherungsmittel stehen Vermögenswerte aus dem Vermögen des Gesellschafters selbst bereit. Hier ist zwischen persönlichen und dinglichen Sicherheiten zu unterscheiden. Typisches persönliches Sicherungsmittel ist die Bürgschaft. Hier haftet der Gesellschafter beschränkt oder unbeschränkt mit seinem gesamten privaten Vermögen. Typische dingliche Sicherheit ist die Grundschuld. Hier haftet das besicherte Grundstück gegenüber dem Darlehensgeber.

Ist nun eine Gesellschaft aufgrund einer eingetretenen Insolvenz nicht mehr in der Lage, die Darlehensrückzahlungsansprüche zu bedienen, so ist zwischen den beiden Konstellationen zu unterscheiden.

Stehen dem Darlehensgeber allein Sicherheiten aus dem Vermögen des Gesellschafters zur Verfügung, so wird der Darlehensgeber auf diese Forderungen zurückgreifen und diese verwerten. Je nach Art der Sicherheit besteht Zugriff auf das gesamte Vermögen des Gesellschafters oder aber nur auf das konkret als Sicherheit gestellte Wirtschaftsgut.

Sicherheiten aus Gesellschafts- und Gesellschaftervermögen

Bestehen sowohl Sicherheiten aus dem Gesellschaftsvermögen als auch aus dem Vermögen des Gesellschafters ist Folgendes zu beachten:

Aus Sicht des Darlehensgebers sind beide Sicherheiten gleichwertig. Der Darlehensgeber wird in erster Linie die Sicherheiten verwerten, die aus Sicht des Darlehensgebers zum einen schnell verwertbar sind, wirtschaftlich werthaltig sind, wenig Aufwand bereiten und mit einem geringen Kostenrisiko verbunden sind.

Daher werden in der Praxis unmittelbar nach Eintritt des Sicherungsfalls in Form des Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Gesellschaft die Bürgschaften angefordert.

Der Gesellschafter bleibt ebenfalls mit dem Argument ungehört, die Bank könne zunächst anderweitige Sicherheiten vorrangig verwerten.

Anfechtungsrecht des Insolvenzverwalters

Doch selbst wenn sich die Bank auf die Verwertung der Sicherheiten aus dem Gesellschaftsvermögen zunächst beschränkt, wird der Gesellschafter selbst dann nicht frei, wenn diese Sicherheiten ausreichen, die Verbindlichkeiten gegenüber dem Kreditinstitut vollständig zurückzuführen.

In diesem Fall besteht ein Anfechtungsanspruch des Insolvenzverwalters. Werden Sicherheiten des Gesellschafters innerhalb des letzten Jahres vor Insolvenzantrag oder nach diesem Antrag frei, weil Sicherheiten aus dem Vermögen der Gesellschaft verwertet werden, kann der Insolvenzverwalter dieses Freiwerden der Gesellschaftersicherheiten anfechten.

Das Argument, der Kreditgeber wäre über Sicherheiten aus dem Gesellschaftervermögen ausreichend besichert, spielt deshalb für den Gesellschafter als Sicherungsgeber in der Insolvenz der Gesellschaft wirtschaftlich keine Rolle. Der Gesellschafter ist verpflichtet, den Wert seiner bestellten Sicherheiten zu leisten: Entweder an die Bank als Sicherungsnehmer, oder aber im Weg eines Insolvenzanfechtungsanspruchs an den Insolvenzverwalter.

Dieses Risiko sollte der Gesellschafter zum Zeitpunkt der Bestellung der Sicherheiten stets beachten.


 

Autoreninfo

kuma-testMatthias Kühne

Rechtsanwalt, Betriebswirt (IWW), Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Anlalyst EACVA)

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