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Mittwoch, 28 November 2012 14:05

Best case: Schutzschirmverfahren HELIA Ladenbau GmbH - ein Interview mit Geschäftsführer Klaus Göppert

Matthias Kühne: Herr Göppert, wie fühlen Sie sich heute?


Klaus Göppert: Das Jahr 2012 hat schon Spuren hinterlassen. Es war ein intensives und anstrengendes Jahr. Die Sanierung von HELIA beanspruchte nicht nur meine volle Energie, sondern auch die aller Mitarbeiter. Für mich ist es deshalb ein großes Anliegen, auch auf diesem Wege allen Mitarbeitern für ihren Einsatz und Engagement zu danken.

 

Matthias Kühne: Als eines der ersten Unternehmen in Deutschland überhaupt haben Sie das am 1.3.2012 neu eingeführte Schutzschirmverfahren durchlaufen. Wie fühlten Sie sich, als Sie diese Entscheidung getroffen haben, genau diesen Weg zu gehen?

Portrait Klaus Göppert


Klaus Göppert: Noch zu Beginn des Jahres hatte mein Team und ich versucht, das Unternehmen auf einem außergerichtlichen Weg zu sanieren. Wir hatten ein Sanierungskonzept mit einer Vielzahl von Maßnahmen entworfen. Als es sich jedoch in den Verhandlungen herauskristallisierte, dass ein außergerichtlicher Weg wenig Aussicht auf Erfolg hatte, entschied ich mich, einen alternativen Weg zu gehen, um den Erhalt des Unternehmens zu gewährleisten.


Das neue Schutzschirmverfahren war eine der Alternativen, welche intensiv diskutiert wurden. In der Abwägung aller Möglichkeiten bot dieses Verfahren die größten Chancen auf erfolgreiche Umsetzung. Es hat sich gezeigt, dass HELIA sehr gut auf dieses Verfahren vorbereitet war, in der Öffentlichkeit und bei den Vertragspartnern das Schutzschirmverfahren jedoch noch wenig bekannt war.


Trotz der sehr intensiven Kommunikation mit allen Beteiligten führte dies zu einigen Unsicherheiten. Diese konnten jedoch in persönlichen Gesprächen und durch eine sehr transparente Gestaltung des Verfahrens alle insgesamt ausgeräumt werden.


Matthias Kühne: Nachdem der Insolvenzplan von den Gläubigern ohne Gegenstimme angenommen wurde, ist die Frage, was Ihrer Einschätzung nach die wesentlichen Knackpunkte für den Erfolg des Verfahrens waren?


Klaus Göppert: Ich denke in der Rückschau war es genau diese minuziöse Vorbereitung, die Transparenz und die intensive Kommunikation mit allen Beteiligten als Schlüsselfaktor für den Erfolg des Verfahrens. Schon vor dem Antrag auf Schutzschirmverfahren hatten wir das Vorhaben mit den wesentlichen Gläubigern erörtert.


Ebenso hatten wir ein vollständiges Kommunikationskonzept entworfen. Pressemeldungen, Kundenanschreiben, Lieferantenanschreiben und Listen zur telefonischen Unterrichtung waren vollständig ausgearbeitet. So waren wir in der Lage, innerhalb weniger Stunden die wichtigsten Vertragspartner über das Vorhaben persönlich zu informieren. Durch die gute Vorbereitung wurde das Verfahren auch in der Presse positiv aufgenommen. Ich denke, dies war Grundlage für den erfolgreichen Verlauf des Verfahrens.


Matthias Kühne: Jetzt  hatte das Verfahren noch einige Besonderheiten mehr zu bieten. Ebenso als eines der ersten Verfahren wurde hier ein vorläufiger Gläubigerausschuss konstituiert. Wie sind hier Ihre Erfahrungen?


Klaus Göppert: Ich empfand die Zusammenarbeit mit dem vorläufigen Gläubigerausschuss als sehr positiv. Wir hatten schon vor dem Antrag auf Eröffnung des Schutzschirmverfahrens Kontakt mit den wesentlichen Gläubigergruppen aufgenommen. Im vorläufigen Gläubigerausschuss waren alle wesentlichen Gläubigergruppen repräsentativ vertreten.
Durch den intensiven persönlichen Kontakt war sichergestellt, dass im Schutzschirmverfahren und im Insolvenzplanverfahren die Gläubigergruppen ausgewogenen beteiligt werden.


Offene Kommunikation und die Einbindung der wesentlichen Gläubigergruppen war ausschlaggebend dafür, dass bereits im Vorfeld intensiv über die einzelnen Planregelungen diskutiert wurde. Dies war letztendlich die Grundlage, dass der Insolvenzplan ohne Gegenstimme angenommen wurde.


Matthias Kühne: Wie bewerten Sie das Schutzschirmverfahren in der Nachschau?


Klaus Göppert: Ich bin mir bewusst, dass die Gläubiger in diesem Verfahren auf Forderungen verzichten mussten. Dennoch war es der Weg, den Gläubigern das bestmögliche Ergebnis anzubieten, und das Unternehmen nachhaltig zu sanieren. Dadurch konnten sämtliche Arbeitsplätze erhalten werden.


Trotz der sehr guten Vorbereitung war es für alle Beteiligten ein Kraftakt, dessen Dimension zu Beginn des Verfahrens für alle Beteiligten nicht abschätzbar war. Der Vorteil des Verfahrens ist sicherlich, dass innerhalb eines sehr kurzen Zeitraumes von 4 bis 7 Monaten Rechtsklarheit über den Erfolg der Sanierung geschaffen werden kann.


Allerdings hat sich die formale Aufhebung des Verfahrens etwas länger hingezogen als gedacht, da gerade auch durch die Beteiligung eines Lieferantenpools noch einige Formalitäten zu erledigen waren. Insgesamt ist das Schutzschirmverfahren jedoch ein sehr schnelles und erfolgsversprechendes Verfahren, sofern die Rahmenbedingungen stimmen und das Verfahren entsprechend professionell durchgeführt wird.

 

[Klaus Göppert, HELIA Ladenbau; Matthias Kühne]

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