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Freitag, 27 Juli 2012 07:46

Magazin: Strategie in stürmischen Zeiten

Die Krise eines Unternehmens erfordert entschlossenes Handeln der verantwortlichen Personen. Krise ist laut Duden eine „entscheidende Wendung“ und bedeutet eine „schwierige Situation (Zeit, die den Höhe- und Wendepunkt einer gefährlichen Entwicklung darstellt). Einen Wendepunkt stellt eine Krise jedoch nur für solche Unternehmen dar, die die Krise durch aktives Gegensteuern meistern.

Gerade Krisensituationen waren im Nachhinein betrachtet oft Auslöser wichtiger und überfälliger Veränderungsprozesse. Damit sich eine Krise zum Motor für das Unternehmen entwickelt, ist erforderlich, dass die Unternehmensleitung für die Sanierung des Unternehmens die richtige Strategie entwickelt.

Eine grundlegende Fragestellung auf dem Weg zu einer erfolgreichen Unternehmenssanierung ist die Entscheidung, auf welchem Weg diese erreicht werden soll. Grundsätzlich gibt es den Weg der Sanierung in einem (gerichtlichen) Insolvenzverfahren. Andererseits besteht auch die Möglichkeit, die Sanierung außerhalb der Insolvenzordnung zu beschreiten.

Diese strategisch außerordentlich wichtige Weichenstellung hat Auswirkung auf den gesamten weiteren Sanierungsprozess. Der Entscheidung hat eine eingehende und umfassende Prüfung des Sachverhalts voranzugehen. Bei der Abwägung sind folgende Kriterien zu berücksichtigen:

  •  Muss sich das Unternehmen von langfristigen Verträgen lösen?
  • Geht die Sanierung zwingend mit einem nennenswerten Personalabbau einher?
  • Sind ganze Standorte/Teilbetriebe zu schließen?
  • Gibt es einzelne oder mehrere Gläubiger, die eine Sanierung voraussichtlich freiwillig nicht unterstützen?


Falls diese Fragen bejaht werden, ist in vielen Fällen eine Sanierung über ein Insolvenzverfahren der bessere Weg. Allerdings gib es auch Punkte, die gegen ein Insolvenzverfahren sprechen:

  • Das Insolvenzverfahren ist über die Bekanntmachungen öffentlich.
  • Es gibt Anfechtungs- oder Haftungsansprüche gegen Gesellschafter und Geschäftsführer im Fall einer Insolvenzeröffnung.
  • Es entstehen durch die Verfahrenskosten zusätzliche Kosten.
  • Durch die Insolvenz verliert der Unternehmer Einfluss.


Je früher sich die Unternehmensleitung bei einer sich abzeichnenden Krise Gedanken über deren Beseitigung macht, desto größer der Handlungsspielraum.

Gerade auch durch das Gesetz zur weiteren Erleichterung der Sanierung von Unternehmen (ESUG) wurden für Unternehmen Anreize geschaffen, möglichst frühzeitig gerade den gerichtlichen Sanierungsprozess über ein Insolvenzverfahren zu beschreiten.

Mit dem neuen Schutzschirmverfahren und der Stärkung der Eigenverwaltung hat der Gesetzgeber Mechanismen geschaffen, die die oben genannten negativen Punkte zum größten Teil entkräften können. Eine Sanierung über ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung bedeutet, dass der Unternehmer weiterhin die volle Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis über sein Unternehmen behält. Zwingende Voraussetzung, um in den Genuss der Eigenverwaltung zu kommen, ist, dass noch keine Zahlungsunfähigkeit  eingetreten ist.

Weiteres Kernelement einer erfolgreichen Strategie zur Unternehmenssanierung ist die Erkenntnis, dass eine Sanierung immer auch von dem Mitwirken der sog. Stakeholder des Unternehmens abhängt. Unerlässlich ist es deshalb, dass das Unternehmen ein aussagekräftiges Sanierungskonzept erstellt und dies gegenüber den Stakeholdern aktiv kommuniziert.

Dies ist nicht nur bei der außergerichtlichen Sanierung wichtig. Auch bei einem Insolvenzverfahren ist dies spätestens nach Inkrafttreten des ESUG Grundlage einer erfolgreichen Sanierung. Werden die Großgläubiger vorab aktiv über eine Sanierung gerade im Wege eines Schutzschirmverfahrens in Eigenverwaltung informiert, so ist dies vertrauensfördernd. Bedenkt man nun auch, dass diese Gläubiger im Wege des ebenfalls durch das ESUG neu geschaffenen vorläufigen Gläubigerausschusses wesentlich Einfluss auf das Verfahren, insbesondere auch auf die Auswahl des vorläufigen Insolvenzverwalters oder Sachwalters haben, wird klar, dass durch das geschaffene Vertrauen zwischen Gläubiger und Unternehmen ein Insolvenzverfahren für alle Beteiligten planbar wird.

Die Strategie wird abgerundet durch ein genau durchdachtes Kommunikationskonzept gegenüber den Vertragspartnern und der Öffentlichkeit. Durch eine aktive Steuerung der Öffentlichkeitsarbeit kann das Risiko negativer Presse zumindest stark reduziert werden.

Dafür, dass die Krise wirklich zum Wendepunkt und nicht zum Ende eines Unternehmens wird, kann das Unternehmen selbst viel beisteuern. Wichtig ist, dass sich das Unternehmen frühzeitig mit den Ursachen und den möglichen Folgen auseinandersetzt. Auf Grundlage einer umfassenden Analyse ist eine Strategie zu entwerfen, die die Vor- und Nachteile aller Möglichkeiten berücksichtigt. Die Stakeholder müssen in diese Strategie aktiv eingebunden werden. Damit sind die Voraussetzungen gelegt, dass das Unternehmen gestärkt aus einer Krisensituation hervorgeht. Dann eine Krise ist immer auch eine neue Chance, die es zu nutzen gilt.

Ob die Krise wirklich zum Wendepunkt und nicht zum Ende eines Unternehmens wird, hat das Unternehmen größten Teils selbst in der Hand. Wichtig ist es, dass sich das Unternehmen frühzeitig mit den Ursachen und den möglichen Folgen auseinandersetzt.

Autoreninfo

kuma-testMatthias Kühne

Rechtsanwalt, Betriebswirt (IWW), Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Anlalyst EACVA)

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