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Samstag, 01 August 2009 16:02

Unternehmenskauf aus der Insolvenz

 Insgesamt bietet der Unternehmenskauf aus der Insolvenz zahlreiche Vorteile gegenüber einem Unternehmenskauf außerhalb eines eröffneten Insolvenzverfahrens. Dieser ist mit Haftungsgefahren verbunden, die zuvor eingehend aufgenommen und bewertet werden müssen (sog. due dilligence). Außerhalb eines Insolvenzverfahrens, insbesondere in einer Krisensituation, muss das Unternehmen deshalb viel tiefer durchleuchtet werden.

Wer schon immer mit dem Gedanken gespielt hat, sich selbständig zu machen, oder einen Konkurrenten zu übernehmen, für den bietet die aktuelle Finanz- und Wirtschaftkrise eine gute Chance, dieses Vorhaben in die Tat umzusetzen.

Prognosen zufolge ist in diesem Jahr mit einem erheblichen Anstieg der Insolvenzverfahren zu rechnen. Das Insolvenzverfahren, was in den meisten Fällen das Ende einer Geschäftstätigkeit des bisherigen Unternehmens bedeutet, bietet für alle anderen die potentielle Chance eines erfolgreichen Neuanfanges.


Am Anfang eines beruflichen Neuanfangs steht so ein Unternehmenskauf. Der Kauf und Verkauf von Vermögenswerten oder Anteilen eines Unternehmens, neudeutsch bezeichnet als „M&AGeschäft" (mergers and aquisitions), bietet vor allem im Rahmen eines Insolvenzverfahrens erhebliche Chancen.

Bei einem Unternehmenskauf aus der Insolvenz werden meist die einzelnen Vermögenswerte des insolventen Unternehmens käuflich beim Insolvenzverwalter erworben, soweit er über die Gegenstände verfügungsbefugt ist.

Als Interessent werden Sie vor die Frage gestellt, welchen Kaufpreis Sie dem Insolvenzverwalter bieten sollen, wobei das Interesse selbstverständlich auf einen möglichst geringen Kaufpreis gerichtet ist. Gleichzeitig müssen Sie damit rechnen, dass es gerade bei interessan ten Unternehmen mehrere Interessenten gibt. Die Veröffentlichung im Internet führt dazu
(www.insolvenzbekanntmachungen.de), dass die Insolvenz neben den Brancheninsidern zusätzlich im gesamten Bundesgebiet bekannt wird. In vielen Fällen ist damit zu rechnen, dass Sie mit bloßen Schnäppchenangeboten nicht zum Zuge kommen, zumal der Insolvenzverwalter verpflichtet ist, das vorhandene Vermögen im Interesse der Gläubiger bestmöglich zu verwerten.

Wie kommen Sie an die Informationen, um mit einem möglichst geringen Kaufpreis gegenüber den weiteren Interessenten konkurrenzfähig zu sein?

Zum einen natürlich im persönlichen Gespräch mit dem Insolvenzverwalter. Dieser wird jedoch die Preisgabe interner Informationen von der Unterzeichnung einer Verschwiegenheitserklärung abhängig machen. Dies ist durchaus üblich.

Informationen über den Wert der materiellen Vermögenswerte gibt es in den meisten Fällen in einer Bewertung durch einen Sachverständigen. Dieser wird in größeren Verfahren regelmäßig mit der Inventarisierung und Bewertung der einzelnen Vermögensgegenstände beauftragt.

Sie können dieses Gutachten bei dem (vorläufigen) Insolvenzverwalter anfordern. Erklärt sich dieser zu einer Herausgabe nicht bereit, besteht auch die Möglichkeit, über eine Akteneinsicht beim Insolenzgericht in das Sachverständigengutachten Einsicht zu nehmen. Die Gutachten und Berichte, insbesondere der Bericht zur ersten Gläubigerversammlung, sind darüber hinaus eine gute Erkenntnisquelle. Hier wird der Verwalter den aktuellen Verhandlungsstand darstellen. Wollen Sie wissen, ob es weitere Interessenten gibt, nehmen Sie Einsicht in die Insolvenzakte. Dies setzt jedoch voraus, dass Sie am Verfahren, z. B. als Gläubiger, beteiligt sind.

Ob Sie neben den rein materiellen Werten auch einen Kaufpreis auf die immateriellen Werte, wie z. B. Kundenbeziehung, Telefonnummern, Patente, Marken, Firmierung oder ähnliches ansetzen müssen, ist Frage des Einzelfalles und letztlich abhängig von der Nachfrage. Jedenfalls sind die immateriellen Werte bei einem insolventen Unternehmen im Vergleich zu einem gesunden Unternehmen regelmäßig geringer anzusetzen. Dies kann für den potentiellen Erwerber bei einem Unternehmenskauf aus der Insolvenz ein großer Vorteil sein.

Ein weiterer Vorteil eines Unternehmenskaufes aus einem eröffneten Insolvenzverfahren sind die im Verhältnis zu einem Unternehmenskauf außerhalb eines Insolvenzverfahrens erheblich geminderten Haftungsgefahren. Sowohl die Haftung für Steuerverbindlichkeiten gegenüber Finanzbehörden, als auch die Haftung für Verbindlichkeiten im Falle einer Firmenfortführung sind nach dem Zeitpunkt der Eröffnung des Insolvenzverfahrens abgeschnitten.

Das Unternehmen kann nun auf die eigenen Bedürfnisse zugeschnitten werden. Es besteht keine Verpflichtung, ungünstige Verträge des insolventen Unternehmens zu übernehmen. Der Insolvenzverwalter kann diese Verträge beenden. Mit den ehemaligen Vertragspartnern, z. B. Leasinggesellschaften, können von Erwerberseite neue Konditionen verhandelt werden oder bei einem anderen Vertragspartner völlig neue Verträge abgeschlossen werden.

Anders bei bestehenden Arbeitsverhältnissen: diese gehen bei einer Übernahme und Fortführung eines Geschäftsbetriebes kraft Gesetzes über. Allerdings gibt es bei einem Unternehmenskauf aus der Insolvenz erleichterte Möglichkeiten der Personalanpassung, soweit dies notwendig ist.

Eine eingehende Befassung mit dem Unternehmen ist jedoch auch bei einem Unternehmenskauf innerhalb eines Insolvenzverfahrens schon im Eigeninteresse erforderlich. Der Kauf des Unternehmens ist der Start in eine neue unternehmerische Tätigkeit, deren Tragfähigkeit in der weiteren Zukunft unter Zugrundelegung des Investitionsvolumens umfassend geprüft und geplant werden sollte.

„Nutzen Sie die Vorteile, die ein Unternehmenskauf aus der Insolvenz heraus bietet. "

Artikel verfasst im Juli 2009

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