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Mittwoch, 31 August 2022 13:19

Factoring zur Liquiditätssicherung

Verhinderung einer Unternehmenskrise

Inflation, Zinswende, Gasknappheit – derzeit kommt einiges zusammen. Dies zeigt sich auch an der Zahl der Unternehmensinsolvenzen. Eine erfolgreiche Verhinderung einer Unternehmenskrise setzt ein frühes Erkennen einer sich anbahnenden Schieflage voraus.

Frühwarnsignale

Wichtige Frühwarnsignale sind dabei z.B. der Rückgang der Auftragsanzahl, ein sinkender Umsatz, Forderungsausfälle, ein erhöhter Forderungsbestand, steigende Lieferantenverbindlichkeiten, ein angespanntes Bankkonto und ein schwindendes Eigenkapital. Viele Leitungsorgane werden jedoch erst wach, wenn die Lücke in der Liquidität sehr deutlich sichtbar wird.

Liquiditätsengpass durch Factoring vermeiden

Spätestens jetzt ist der Zeitpunkt für ein schnelles Handeln, um die Insolvenz zu verhindern. Dafür muss zunächst der Liquiditätsengpass beseitigt werden, um weiter zahlungsfähig zu bleiben bzw. wieder zahlungsfähig zu werden. Eine (erneute) Fremdfinanzierung bei einer Bank kommt aufgrund der schlechten Bonität in diesem Stadium regelmäßig nicht mehr in Frage. In diesem Fall bietet Factoring oftmals die letzte und beste Option, um eine Insolvenz abzuwenden. Für Unternehmen in der Krise stellt der Forderungsverkauf eine günstige und einfache Finanzierungsform dar. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen (KMU) können Factoring nutzen, wenn die Bank während einer Unternehmenskrise eine Finanzierung ablehnt.

Liquidität durch Vorfinanzierung von Forderungen

Das Hauptziel des Factorings liegt darin, die Liquidität eines Unternehmens zu erhalten bzw. zu steigern. Während Unternehmen ihren Kunden regelmäßig lange Zahlungsziele gewähren, müssen sie ihre Zulieferer oftmals kurzfristig bezahlen. Auch Miete, Personalkosten und andere Verbindlichkeiten müssen weiterhin bedient werden. Durch das Factoring verfügt das Unternehmen unmittelbar nach Faktura über liquide Mittel, was die Betriebsfortführung finanziell sichern kann. Der entscheidende Vorteil ist, dass Factoring ohne zusätzliche Sicherheiten auskommt und stets über liquide Mittel verfügt, um nicht in Zahlungsschwierigkeiten zu geraten.

Wie funktioniert Factoring?

Ein Unternehmen liefert seine Waren oder erbringt Dienstleistungen für seine Kunden. Das Unternehmen fakturiert dabei seine Leistungen direkt an den Kunden und sendet eine Rechnungskopie an den Factor. Dieser zahlt dem Unternehmen, dem Factoring-Kunden, nach einer kurzen Prüfung einen Vorschuss zur Rechnung auf sein Konto. Der Vorschuss kann dabei bis zu 90 % der Bruttorechnungssumme betragen. Die Rechnung begleicht der Kunde des Unternehmens direkt beim Factor. Hat der Kunde bezahlt, erhält das Unternehmen vom Factor den restlichen Rechnungsbetrag (Bruttorechnungssumme abzüglich des bereits ausbezahlten Vorschusses) abzüglich der Factoring-Gebühr, der Factoringzinsen sowie einer Prüfgebühr ausgezahlt. Das Unternehmen muss also nicht warten, bis der Kunde irgendwann die Rechnung bezahlt, sondern bekommt einen großen Teil schnell vom Factor.

Wie profitiert ein Unternehmen in Krise oder Insolvenz von einem Full Service Factoring?

Ein Full Service Factoring hat folgende Vorteile:

• Steigerung und Sicherung der Liquidität,
• alternative Finanzierungsform zu Bankdarlehen oder Lieferantenkrediten,
• keine Sicherheiten erforderlich,
• Outsourcing der Debitorenbuchhaltung und Mahnwesen.

Voller Schutz vor Forderungsausfällen

Für die durch den Factor angekauften Forderungen besteht zudem ein umfassender Ausfallschutz. Besonders einem Unternehmen in der Insolvenz bringt dies Sicherheit, da alle neu entstehenden Forderungen von Debitoren gegen einen Ausfall gesichert sind.
Die Sicherung der Liquidität ist aber auch in Sanierungsprozessen immer wieder eine Herausforderung. Regelmäßig scheitern Sanierungsprozesse an fehlenden finanziellen Mitteln. Dem lässt sich mit dem Instrument Factoring begegnen.

Planbare Liquidität in der Krise

Warum kommt der Liquidität in der Krise eine besondere Bedeutung zu? Zum einen muss es eine finanzielle Basis für die Durchführung der Restrukturierungs- oder Sanierungsmaßnahmen geben. Andererseits muss der laufende Betrieb des Unternehmens sichergestellt werden. In diesem Zusammenhang besitzt die Liquiditätsplanung einen besonderen Stellenwert. Nur: Wer weiß wirklich, wann die Kunden zahlen, insbesondere wenn die wirtschaftliche Lage generell angespannt ist? Bei der Nutzung von Factoring ist bereits bei der Annahme der Bestellung klar, wann die Liquidität aus dieser Forderung zur Verfügung steht. Wenn produziert und ausgeliefert wurde, die Rechnung erstellt und versendet sowie dem Factor diese (oder die entsprechenden Daten) zur Verfügung gestellt wurden. Dies macht die Liquiditätsplanung sowohl einfacher, als auch stabil.

Welche Arten von Factoring gibt es neben dem Full Service noch?

Neben dem Full Service gibt es noch weiter Formen des Factorings, die sich u.a. beim Ausfallrisiko unterscheiden.

Eigenservice-Factoring

Das Eigenservice-Factoring umfasst die Finanzierung und das Ausfallrisiko wie beim Full Service Factoring. Allerdings übernimmt der Factoring-Kunde das Forderungsmanagement selbst.

Fälligkeits-Factoring

Das Fälligkeits-Factoring unterscheidet sich ebenfalls nur in einem Punkt vom Full Service Factoring. Hierin sind Ausfallrisiko und Forderungsmanagement enthalten, allerdings verzichtet der Factoring-Kunde auf die sofortige Leistung der Zahlung.

Offenes und stilles Factoring

Beim offenen Factoring wird der Schuldner darüber informiert, dass die ihm gegenüber bestehende Forderung an eine Factoring-Gesellschaft verkauft wurde und die Zahlung an diese zu erfolgen hat. Beim stillen Factoring erfolgt diese Mitteilung an den Schuldner nicht.

Echtes und unechtes Factoring

Echtes und unechtes Factoring unterscheiden sich hinsichtlich des Ausfallrisikos. Trägt der Factor das Ausfallrisiko, spricht man von echtem Factoring. Anderenfalls handelt es sich um unechtes Factoring.

Für wen eignet sich Factoring noch?

Neben Unternehmen, die bereits in einer finanziellen Krise stecken, profitieren aber auch mittelständische Unternehmen, die sich noch in der Wachstumsphase befinden und einen hohen Liquiditätsbedarf haben, vom Factoring. Benötigt ein Unternehmen ein Bankdarlehen, hat es durch Factoring außerdem die Möglichkeit, seine Eigenkapitalquote zu erhöhen, um damit die Chancen auf eine Fremdfinanzierung zu verbessern.

Factoring ist damit eine einfache und günstige Alternative zur Sicherung der Liquidität eines Unternehmens. Eine Ausnahme davon sind große Unternehmen, die bereits über ausreichend liquide Mittel verfügen und ein sehr hohes Auftragsvolumen haben. Aufgrund der hohen Factoring-Gebühren würden diese Unternehmen kaum einen finanziellen Vorteil daraus ziehen können.

Im Einzelfall sollte dennoch genau untersucht werden, wie Vor-, und Nachteile sich bei dem jeweiligen Unternehmen zu Buche schlagen.

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