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Dienstag, 05 April 2011 20:03

Magazin: Liquiditätssicherung

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Ausreichende Liquidität ist das Lebenselixier eines Unternehmens. Kommt ein Unternehmen dieser Aufgabe nicht oder nur unzureichend nach, droht diesem Unternehmen, trotz möglicherweise guter Zukunftsaussichten, kurzfristig das Aus. Durch konsequente Umsetzung geeigneter Maßnahmen lässt sich die Liquiditätsbasis der Unternehmen spürbar stärken.

Die Möglichkeiten der Unternehmen, sich bei Banken oder auf dem Kapitalmarkt liquide Mittel zu beschaffen, sind in den vergangenen Jahren deutlich schwerer geworden. Gerade zu Zeiten der Wirtschafts- und Finanzkrise war in den Medien teilweise von einer Kreditklemme die Rede. Auch die erhöhten Anforderungen durch Basel II haben ihren Teil dazu beigetragen. Gerät ein Unternehmen selbst erst einmal in eine Krise, so steigen die Anforderungen der Banken an eine weitere Kreditvergabe je nach Krisenstadium noch einmal deutlich an.

Für Unternehmen ist es deshalb eminent wichtig, Liquiditätsmaßnahmen, auf die das Unternehmen selbst maßgebenden Einfluss hat, konsequent zu nutzen. Ein kleiner Ausschnitt dieser Liquiditätsmaßnahmen möchten wir kurz darstellen:

Liquidität durch Forderungsmanagement

Bei der Frage liquiditätswirksamer Maßnahmen fällt in vielen Fällen das Schlagwort „Factoring" – der Verkauf von Forderungen. Beim Factoring verkauft das Unternehmen seine Forderungen an spezialisierte Factoring-Unternehmen. Hierbei zahlt das Factoring-Unternehmen binnen einer sehr kurzen Frist von 2 bis 3 Tagen nach Abkauf der Forderungen ca. 80 bis 90 % des angekauften Forderungsvolumens aus.

Der Vorteil für das Unternehmen ist, dass die Forderungen sehr schnell liquidiert werden können. Nachteilig wirkt sich allerdings aus, dass für das Factoring Gebühren in Höhe von üblicherweise 1 bis 2,5 % verlangt werden. Für den vorfinanzierten Betrag fallen darüber hinaus marktübliche Zinsen an. Es darf also nicht außer Acht gelassen werden, dass das Factoring in vielen Fällen nur einen Einmaleffekt auslöst.

In vielen Fällen ist es für Unternehmen günstiger, den eigenen Forderungseinzug zu optimieren und die Debitorenlaufzeiten deutlich zu senken. Hierzu hat das Unternehmen ein konsequentes Mahnwesen einzurichten. Grundlage hierfür ist, dass die Unternehmen die eigenen erbrachten Leistungen konsequent und zeitnah abrechnen.

Schaffen Sie Zahlungsanreize durch die Einräumung eines Skonto. Ist das Skonto nicht nur in Prozentpunkten, sondern auch als absoluter Betrag ausgewiesen, sieht der Kunde sofort, welchen Betrag er sich durch eine Zahlung innerhalb der Skontofrist sparen kann.

Zur Senkung von Ausfallrisiken sollte vor Abschluss eines Vertrags die Bonität des Kunden geprüft werden. Kunden, die in der Vergangenheit durch schlechtes Zahlverhalten aufgefallen sind, sollten fortan nur noch gegen Vorauskasse bedient werden. Daneben sollten die Möglichkeiten geprüft werden, inwieweit Abschlagsrechnungen möglich sind.

Liquiditätsmaßnahmen im Bereich der Anlagegüter und Lagerhaltung

Stehen für ein Unternehmen Investitionen an, so ist zwischen Kauf und Leasing abzuwägen. Das Leasing von Anlagegütern entlastet die Liquidität, ist jedoch langfristig in vielen Fällen teurer als der käufliche Erwerb, sofern der Kauf durch ein Darlehen refinanziert wird. Maßgebend sind jedoch die Konditionen im Einzelfall.

Auch bereits vorhandene Anlagegüter können im Wege eines sog. Sale-and-lease-back-Verfahrens in Leasing umgewandelt werden. Hierzu wird Wirtschaftsgut zunächst an ein Unternehmen verkauft und dann von diesem zurückgeleast.

Auch im Bereich der Lagerhaltung binden Unternehmen enormes Kapital. Durch Abbau des Lagers und Erhöhung der Lagerumschlagszahlen lassen sich für die Unternehmen bislang gebundene Liquiditätsreserven generieren.

Liquiditätsmaßnahmen im Verbindlichkeitenbereich

Im Bereich der eigenen Verbindlichkeiten aus Lieferung und Leistung steckt ebenso ein großes Liquiditätspotential. Viele Unternehmen gehen dazu über, die Zahlungsfristen nicht nur vollständig auszuschöpfen, sondern sich über (geduldete) Lieferantenkredite zu finanzieren. Dies ist jedoch ein sehr teurer Kredit.

Hierzu ein Beispiel: Bei einer Lieferantenrechnung über 7.500 € erhalten Sie 3 % Skonto innerhalb einer Zahlungsfrist von 10 Tagen. Das sind absolut 225 €. Nahmen Sie für den Rechnungsbetrag einen Kontokorrentkredit mit 12,25 % für 20 Tage in Anspruch, kostet dies das Unternehmen ca. 50 € Zinsen.

Es ist deshalb ratsam, dass sich die Unternehmen frühzeitig um ausreichende bankseitige Liquiditätsreserven, z.B. durch Beantragung von Darlehen oder ausreichender Kontokorrentlinien kümmern. Dies setzt allerdings eine aussagekräftige Unternehmensplanung voraus, aus welcher sich die Liquiditätsengpässe rechtzeitig prognostizieren lassen.

Autoreninfo

kuma-testMatthias Kühne

Rechtsanwalt, Betriebswirt (IWW), Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Anlalyst EACVA)

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

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