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Montag, 27 November 2017 09:36

Fallbeispiel zur Risikoeinschätzung

Sobald Unternehmen wesentliche Entscheidungen treffen „müssen“, ist es empfehlenswert, eine Unternehmensplanung sowie eine Risikoeinschätzung vorzunehmen. 

Somit kann das Unternehmen abwägen, wie sich das Unternehmen (zahlenmäßig) entwickelt und mit welchem Risikoumfang, also Planabweichungen, es möglicherweise konfrontiert ist.

Nutzen einer Risikoeinschätzung

Mithilfe einer Risikoeinschätzung können Unternehmen ermitteln, in welchem Umfang mögliche Chancen/Risiken auf das Unternehmen einwirken können. Also welche Abweichungen von den geplanten Unternehmenszahlen nicht ausschließbar sind.

Infolgedessen ist das Unternehmen nicht mehr einer Scheingenauigkeit bzw. „Quasi-Sicherheit“ ausgesetzt, sondern kann mit einer eigenen Risikoeinschätzung eine mögliche Bandbreite von Unternehmensentwicklungen ermitteln.

Daraufhin lassen sich geeignete Präventionsmaßnahmen einleiten. Z. B. ist im Vorfeld eine höhere Kontokorrentlinie zu beantragen, um mögliche Liquiditätsengpässe in Folge von Risikoeintritten zu kompensieren.

Erste eigene Risikoeinschätzung

Zur Ermittlung der ersten überschlägigen Risikoeinschätzung kann ein Unternehmen auf die vergangene Entwicklung aufbauen. Hierzu sind z. B. aus den letzten 10 Geschäftsjahren die Unternehmenszahlen zu analysieren. Auf Grundlage dieser Analyse ist eine vergangenheitsorientierte Risikoeinschätzung ableitbar.

Fallbeispiel zur Risikoeinschätzung

Als Fallbeispiel ist ein kunststoffverarbeitendes Unternehmen aufgeführt. Folgende Vorgehensweise ist beispielhaft zu tätigen:

1 Analyse der vergangenen Unternehmenszahlen

Die Unternehmenszahlen sind auf Unregelmäßigkeiten/Sondereffekte zu prüfen. Etwaige Sondereffekte sind zu hinterfragen, weshalb diese entstanden sind, sodass ein „Gefühl“ für die Unternehmenszahlen sowie vergangene Chancen/Risiken entsteht. Gegebenenfalls sind Sondereffekte auch zu eliminieren. (Excel-Funktion: Max/Min)

BlogbeitragFallbeispielzurRisikoeinschätzung Bild1

2 Veränderungen gegenüber dem Vorjahr

Danach wird die Veränderung des Umsatzes und des EBITs gegenüber dem Vorjahr ermittelt. Dies geschieht als absolute Größe in Euro und als relative Größe in %. Hierbei ist noch der höchste/niedrigste Umsatz/EBIT herauszufiltern, damit für die spätere Risikoeinschätzung eine Orientierungshilfe besteht. (Excel-Funktion: Max/Min)

BlogbeitragFallbeispielzurRisikoeinschätzung Bild2

BlogbeitragFallbeispielzurRisikoeinschätzung Bild3

3 Neutralisation des Vorzeichens

Hierbei wird das Vorzeichen neutralisiert, sodass ein gleiches Vorzeichen besteht und somit die reine Abweichung ersichtlich ist. Dies geschieht durch die Wurzel der quadrierten Abweichung. (Excel-Funktion: WURZEL (A1^2))

4 Größte Abweichung ermitteln

Ermittlung der größten Abweichung von Umsatz und EBIT in Euro und %. Durch die Ermittlung der größten Abweichung lässt sich näherungsweise abschätzen, in welchem Umfang in der Vergangenheit etwaige Chancen/Risiken auf das Unternehmen eingewirkt haben.

BlogbeitragFallbeispielzurRisikoeinschätzung Bild4

5 Branchenauswertung

Analog können – z. B. über die Deutsche Bundesbank – Branchendurchschnittswerte über die durchschnittlichen Veränderungen der jeweiligen Unternehmensgrößen herangezogen werden. Mit diesen Zahlen sind Schritt 2 und 3 zu tätigen.

BlogbeitragFallbeispielzurRisikoeinschätzung Bild5

6 Abweichungsvergleich

Vergleich zwischen eigener Abweichung und Branchenabweichung, die größten Abweichungen sind für die nächsten Schritte heranzuziehen.
Bei dem Vergleich mit der Branche ist zu beachten, dass aufgrund der Durchschnittswerte und dem Diversifikationseffekt der Branche geringere Abweichungen entstehen können.

BlogbeitragFallbeispielzurRisikoeinschätzung Bild6

7 Einbezug der Unternehmensplanung

Mit der Unternehmensplanung lässt sich die zukünftige Unternehmensentwicklung darstellen und somit eignen sich die Planzahlen als Basis für eine Risikoeinschätzung.

BlogbeitragFallbeispielzurRisikoeinschätzung Bild7

8 Ableitung Risikoeinschätzung

Damit die Risikoeinschätzung anhand der zukünftigen Unternehmensentwicklung abgeleitet werden kann, sind die oben ermittelten größten Abweichungen auf die in der Unternehmensplanung entsprechenden Größen (z. B. EBIT) als positive wie auch negative Abweichung zu beziehen.

Hierbei kann sowohl die prozentuale Abweichung als auch die absolute Abweichung genommen werden. Es ist der obere Rand (positive Abweichung) sowie der untere Rand (negative Abweichung) zu ermitteln.

 BlogbeitragFallbeispielzurRisikoeinschätzung Bild8

Anhand der Bandbreite der EBIT-Schwankung lässt sich eine erste Risikoeinschätzung ableiten, die zeigt, dass in Bezug auf die Vergangenheitszahlen eine EBIT-Abweichung vom unteren Rand bis zum oberen Rand (Bandbreite) von 176 T€ bzw.254 T€ in 2017 möglich sein kann.

Mit dieser Risikoeinschätzung kann ein Unternehmen z. B. prüfen, inwieweit das vorhandene Eigenkapital diese negative Abweichung tragen kann.
Ergänzend zur Darstellung der EBIT-Abweichung kann die Risikoeinschätzung mit einer Stressplanung erfolgen. Hierbei ist die größte Umsatzabweichung auf die geplanten Umsätze zu beziehen und das darauffolgende EBIT zu berechnen. Dieses Stress-EBIT ist in Bezug auf das Plan-EBIT zu ziehen und vermittelt die Robustheit der Unternehmenssituation.

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Hilfreich ist es auch bei einer überschlägigen Risikoeinschätzung, wenn man die Auswirkungen von in der Vergangenheit eingetretenen Chancen/Risiken auf die Unternehmensplanung bezieht. Dies zeigt ebenso eine erste Orientierung über die Robustheit der Unternehmenssituation.

Sicherlich sind die Verfahren mit Unschärfen verbunden. Dennoch geben die Methoden eine erste überschlägige Risikoeinschätzung ab, sodass das Unternehmen über die Entwicklungen von möglichen Risiko-/Chanceneintritten im Bilde ist und somit sich darauf einstellen kann. Zur tiefgreifenderen. Risikoeinschätzung sind vom Unternehmen bewusst mögliche Chancen/Risiken zu identifizieren, zu analysieren und zu aggregieren. 

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