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Mittwoch, 09 August 2017 13:45

Risiken, die in der Unternehmensplanung zu berücksichtigen sind

Der Verzicht auf jegliche Unternehmensplanung ist eine häufige Voraussetzung für die spätere Krise eines Unternehmens – das sagen zumindest 81 % der Insolvenzverwalter, die in der Studie „Ursachen von Insolvenzen“ befragt wurden. Damit ist die fehlende Planung also ganz vorne mit dabei, wenn es um mögliche Krisen- bzw. Insolvenzursachen geht.

Für Unternehmen, die sich diese Tatsache zu Herzen nehmen und ihr Unternehmen planen, stellt sich daher die Frage: Welche weiteren typischen Risiken bzw. Krisenfaktoren gibt es, die in der Planung berücksichtigt werden sollten?

Die Studie

Der folgende Beitrag bezieht sich in erster Linie auf die Ergebnisse der Studie „Ursachen von Insolvenzen – Gründe für Unternehmensinsolvenzen aus der Sicht von Insolvenzverwaltern“. Diese Studie wurde von der Euler Hermes Kreditversicherungs-AG und dem Zentrum für Insolvenz und Sanierung an der Universität Mannheim (ZIS) in Auftrag gegeben und 2006 veröffentlicht.

Der Studie liegen standardisierte Interviews mit 125 Insolvenzverwaltern, die insgesamt rund 19.000 Unternehmensinsolvenzen abwickeln, zugrunde.

Die Top-Risiken

Die Top-Insolvenzursachen sind laut dieser Studie fehlendes Controlling, Finanzierungslücken sowie unzureichendes Debitorenmanagement.

Oder anders ausgedrückt: Um die allgemeinen Top-Risiken im Auge zu behalten, sollten Unternehmer im Rahmen ihrer Planung unbedingt ein aussagekräftiges Controlling verankern, Finanzierungslücken erkennen bzw. vermeiden und das Debitorenmanagement optimieren.

Controlling

Laut der Studie gaben 77 % der Insolvenzverwalter an, dass es in von ihnen verwalteten Insolvenzverfahren überhaupt keine Kostenrechnung und kein Controlling gab. Ob eine Kosten- und Leistungsrechnung, und wenn ja, in welchem Umfang, erforderlich ist, ist eine Frage des Einzelfalls. Sinnvoll ist die Kosten- und Leistungsrechnung aber, wenn bei einer Vielzahl von Aufträgen oder Produkten überprüft werden soll, mit welcher Leistung das Unternehmen Geld verdient und mit welcher Leistung eben nicht.

In jedem Fall aber muss der Unternehmer seine aktuellen Zahlen im Griff haben, um künftige oder aktuelle Fehlentwicklungen rechtzeitig zu erkennen. Aufgrund der weiterentwickelten Technik ist es mit überschaubarem Aufwand möglich, die Liquidität der kommenden 30-90 Tage sehr verlässlich abzubilden.

Damit gewinnt der Unternehmer bei Fehlentwicklungen schone einmal 1-3 Monate Zeit zum Gegensteuern. Ebenfalls sollte das Unternehmen die aktuelle Wirtschaftlichkeit anhand von betriebswirtschaftlichen Auswertungen überwachen. Dies ist aber nur möglich, wenn sichergestellt ist, dass sämtliche Geschäftsvorfälle (und nicht nur alle Belege) verbucht sind.

Hierzu müssen insbesondere unterjährig die Bestandsbewertungen (Halbfertige Arbeiten, Forderungsbewertungen etc.) und die Rückstellungsveränderungen erfasst werden. Ein sehr gutes Tool hierzu stellt die DATEV im Internet kostenlos zur Verfügung: www.datev.de/web/de/datev-shop/material/bwa-optimierer/

Neben der kurzfristigen Planung, bei der der Unternehmer quasi „auf Sicht“ fliegt, ist von herausragender Bedeutung, dass auch eine strategische Planung existiert. Der Unternehmer braucht ein Ziel und eine Leitlinie, wie er dieses Ziel erreichen will und wird. Dies ist eben die strategische Planung, die, je weiter nach vorne das Unternehmen plant, weniger quantitativ, dafür aber mehr qualitativ ausgearbeitet wird.

Sofern für die Planung Leitungsentscheidungen zu treffen oder zu unterstellen sind, bietet es sich an, in verschiedenen Szenarien zu planen. Z. B. könnte ein Automobilzulieferer ein Szenario mit rasant zunehmender E-Mobilität und ein Szenario mit schleppend wachsender E-Mobilität planen, um für beide Eventualitäten gerüstet zu sein.

Finanzierungslücken

Finanzierungslücken als Top-Risiko: Die befragten Insolvenzverwalter sahen diese vor allem begründet bzw. verursacht in zu wenig Eigenkapital, zu geringer Kreditwürdigkeit, zu hohen Zinslasten, zu geringen Rückstellungen für unerwartete Ereignisse sowie in der falschen Einschätzung halbfertiger Arbeiten.

Gerade wenn das Unternehmen eine Unternehmensplanung vorhält, können in der Zukunft liegende Liquiditätsengpässe sehr frühzeitig aufgedeckt werden. Damit bleibt Zeit, um diese Lücken, z. B. durch Kredit, zu schließen. Kurzum: Ein planendes Unternehmen ist sicherer und kann sich abzeichnende Lücken rechtzeitig schließen.

Damit einhergeht, dass die Finanzwirtschaft bei planenden Unternehmen von gut geführten Unternehmen ausgeht, die grundsätzlich über eine bessere Bonität verfügen, insbesondere wenn die Analyse der vergangenen Planungen eine hohe Planungstreue aufweist.

Dies kann aber auch ins Negative umschlagen: Ein Unternehmen, das behauptet, aufgrund der Ungewissheit der Zukunft nicht planen zu können, riskiert immer eine „Abstrafung“ durch die Hausbank – und zwar zu Recht. Denn diese finanziert im Zweifelsfall auch den oder die Wettbewerber und wenn von diesen Planungsrechnungen vorgelegt werden können und Sie das ablehnen, gehen die Banken zwangsläufig davon aus, dass Sie Ihr Unternehmen nicht im Griff haben.

Debitorenmanagement

Ein weiteres Top-Risiko ist laut der Studie ein unzureichendes Debitorenmanagement. Und zwar häufig in Kombination mit zu kurzfristig angelegten Finanzierungen sowie der ungenügenden Abstimmung verschiedener Finanzierungsfristen.

Peter Drucker hat einmal gesagt, dass es Aufgabe des Unternehmens ist, einen Kunden zu schaffen, dessen Scheck nicht platzt. D. h., Sie sollen nicht nur Rechnungen (wiederkehrend) schreiben, sondern auch dafür sorgen, dass diese pünktlich bezahlt werden.

Dies ist insbesondere Voraussetzung, um selbst die Lieferanten pünktlich bezahlen zu können und damit Skontierungsmöglichkeiten auszunutzen. Insbesondere an diesen Skontoerträgen lässt sich sehr schnell und deutlich ablesen, wer seine eigenen Debitoren im Griff hat.

Weitere typische Risiken

Weitere typische Risiken, deren Realisierung zu einer Insolvenz des Unternehmens führen können, sind laut der Studie ungenügende Transparenz und Kommunikation, falsche Produktionsplanung, Investitionsfehler sowie insbesondere auch autoritäre, rigide Führung.

Gerade letzteres ist nach unseren Erfahrungen ein Frühwarnindikator. Wenn gute Mitarbeiter das Unternehmen verlassen, kann dies auf eine sich anbahnende Krise schließen lassen.

Bezüglich der Kommunikation ist anzumerken, dass erfolgreiche Unternehmer sehr gute Kommunikatoren sind. Sie schaffen es, ihr Team auf die in der strategischen Planung festgelegten Ziele und Maßnahmen einzuschwören. Denn: Nur wer weiß, wohin er rudern soll, rudert mit seinem Chef in dieselbe Richtung.

Außerdem geht es darum, das ganze Team manchmal auch von weniger angenehmen Maßnahmen zu überzeugen – ähnlich einem Bundesliga-Trainer, der in der Saisonvorbereitung seiner Mannschaft immer wieder den Nutzen des unbeliebten Konditionstrainings vor Augen führt, und damit seine Mannschaft fit für die nächste Saison macht.

Tipp der KANZLEI NICKERT

Kümmern Sie sich um einen permanenten Überblick über Ihre wirtschaftlichen Verhältnisse. Damit wissen Sie immer, wo Sie stehen und können bei Fehlentwicklungen frühzeitig gegensteuern. Das macht Ihr Unternehmen sicherer uns lässt Sie nachts ruhig schlafen.

Nehmen Sie sich ferner die Zeit, Ihrem Team immer wieder die strategische Stoßrichtung vor Augen zu führen.

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Autoreninfo

nian-testAnne Nickert

Rechtsanwältin, Fachanwältin für Steuerrecht

nico-testCornelius Nickert

Rechtsanwalt, Steuerberater, Fachanwalt für Insolvenz- und Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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