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Mittwoch, 29 Juni 2016 15:16

Forderungsabsicherung und Bonitätsprüfung

Sobald einem Kunden ein Zahlungsziel eingeräumt wird, erhält dieser einen Kredit und kann somit seine Zahlung zeitlich nach hinten verschieben. Allerdings überprüfen Unternehmen selten, ob der Kunde überhaupt kreditwürdig ist.

Unter anderem fallen deshalb laut der aktuellen Creditforum-Studie (Wirtschaftslage und Finanzierung im Mittelstand, Herbst 2015) bei rund 75,5% der 3.949 teilnehmenden Mittelständler jährlich Forderungen aus. Oft handelt es sich um kleinere Beträge, bei 8,4% der Mittelständler liegen die Ausfälle jedoch bei über 1,0% des jährlichen Umsatzes.

Solch ein Verlust kann in manchen Branchen existenzbedrohend sein und dem Unternehmen einschließlich Geschäftsführung zusätzliche Arbeiten abverlangen, wie z. B. die Durchführung einer Insolvenzreifeprüfung.

Bonitätsprüfung zur Risikovorsorge

Daher empfiehlt es sich im Vorfeld zu klären, ob Gefahren durch Forderungsausfälle bestehen. Ein Ansatz für ein (Risiko-)Früherkennungssystem im Forderungsbereich ist die Bonitätsprüfung.

Damit Unternehmen seine Kunden und deren Bonität überprüfen können, sollten Unternehmen auf diverse unternehmensinterne und -externe Informationen zurückgreifen. Beigefügt finden Sie eine Auflistung von möglichen Informationsquellen, die für eine Bonitätsprüfung hinzugezogen werden können.

Allerdings sollte sich unter den Gesichtspunkten der Wesentlichkeit und der Wirtschaftlichkeit der Prüfungsumfang für die jeweiligen Kunden an der Forderungshöhe und an der potenziellen Eintrittswahrscheinlichkeit des Ausfalls orientieren. Dementsprechend sollten solche Forderungen, die die Unternehmensexistenz bei einem Ausfall gefährden, genauer geprüft werden, also solche Forderungen, die nur einen minimalen Bruchteil des Umsatzes ausmachen.

Mögliche Informationsquellen zur Bonitätseinschätzung:

Interne Informationsquellen

  • Finanzbuchhaltung (Überprüfung des Zahlungsverhaltens)
    • Welche Zahlungsmodalitäten wünscht sich der Kunden?
    • Welche Zahlungsmodalitäten nutzt der Kunde?
    • Zahlte der Kunde in der Vergangenheit seine Rechnungen zu spät? Wie oft?
    • Hat der Kunde schon einmal Zahlungsstockung beantragt?
    • Waren bei dem Kunden schon weitere Schritte (Rechtsanwalt oder Inkassobüro) notwendig?
  • Kritische Kundensignale
    • Besitzt der Kunde einen hohen Lagerbestand?
    • Wie ist der Zustand seines Maschinenparks?
    • Was für einen Kundenkreis bedient der Kunde?
    • Wie ist sein Image bei den eigenen Kunden?

Externe Informationen

Beim Kreditinstitut des Kunden können mit dessen Zustimmung gewisse Informationen eingeholt werden

  • Überziehung
    • Überzieht der Kunde sein Konto? Wie oft?
    • Wie stuft die Bank die Liquidität des Kunden ein?
  • Wirtschaftliche Verhältnisse
    • Passen die Ein- und Auszahlungen wirtschaftlich zueinander?
  • Kreditwürdigkeit
    • Welchen Anteil nimmt die Fremdfinanzierung ein? U.a. Kontokorrentkredit und dessen Auslastung.

SCHUFA-Auskünfte

  • Wie wird die Zahlungsunfähigkeit eingeschätzt?
  • Wie häufig wurde in der Vergangenheit Mahn- und Vollstreckungsbescheide an den Kunden ausgestellt?

Sonstige Informationen, z.B. Wirtschaftsauskunfteien, Handelsregisterauszüge oder Jahresabschluss (u.a. unter www.unternehmensregister.de abrufbar)

  • Haftung
    • Wer haftet für das Unternehmen? Welche Haftungshöhe umfasst dies?
    • Wer ist Geschäftsführer oder Prokurist?
    • Haftet das Unternehmen nur mit dem Geschäftsvermögen oder auch haftet auch der Unternehmer mit Privatvermögen der Gesellschafter?
  • Jahresabschluss
    • Wie ist das Unternehmen mit liquiden Mitteln zum Bilanzstichtag ausgestattet?
    • Wie ist das Verhältnis zwischen Eigen- und Fremdkapital?
    • Wie entwickelte sich das Unternehmen in der Vergangenheit?
    • Wie steht das Unternehmen im Vergleich zu anderen Branchenunternehmen dar?
  • Zahlungserfahrungen
    • Welche Erfahrungen haben andere Lieferanten des Kunden mit dessen Zahlungsfähigkeit getätigt?
    • Hatte sich in der Vergangenheit das Zahlungsverhalten des Kunden verändert?

Tipp der KANZLEI NICKERT

  • Bei einer negativen Bonitätsprüfung sollten Sie mit dem Kunden spezielle Zahlungsbedingungen eingehen, wie z. B. Vorkasse oder Zug um Zug.
  • Aktualisieren Sie regelmäßig die Informationen, insbesondere wenn dauerhaft Geschäfte mit dem Kunden getätigt werden und dieser eine kritische Bonität besitzt.
  • Neben der Bonitätsprüfung bestehen noch weitere Absicherungsinstrumente wie z. B. Bürgschaften oder Warenkreditversicherungen.
  • Denken Sie nicht nur an einzelne Forderungen, sondern auch an den gesamten Forderungsbestand. Denn mehrere kleinere Forderungsausfälle können auch die Existenz bedrohen (Risikoaggregation).

Weiterführende Blog-Beiträge der KANZLEI NICKERT zum Thema:

[Benjamin Schilling]

HINWEIS

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