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Freitag, 18 März 2016 08:23

Früherkennungssystem für KMU

Schon seit Jahrhunderten versuchen Menschen, die Zukunft vorherzusagen. Der Blick in die Glaskugel – das Sinnbild dieses Vorhabens.

Die Natur hat sich ihren eigenen Weg geschaffen, vorauszuschauen und Warnungen auszusprechen. So versendet unser Körper schon frühzeitig erste schwache Signale auf eine anstehende Erkältung.

Wir können uns darauf einstellen und nötige Maßnahmen einleiten. Nehmen wir die
Signale nicht ernst genug, erwischt es uns noch stärker.

Wie wäre es für ein Unternehmen, frühzeitig zu wissen, was in Zukunft geschieht? Es ist sicherlich für ein Unternehmen ein wettbewerbsentscheidender und existenzieller Faktor. Leider
wird die genaue Vorhersage nur Zukunftsmusik bleiben. Allerdings kann ein Unternehmen Maßnahmen initiieren, die ein frühzeitiges Identifizieren von Chancen und Gefahren/Risiken ermöglichen. Somit kann ein Unternehmen eine Krisensituation oder Insolvenz vermeiden.

Welchen Nutzen bietet eine Früherkennung?

Diese wettbewerbsentscheidenden Maßnahmen fasst die Literatur/Praxis unter der Rubrik Früherkennungssysteme zusammen und gehen einher mit dem Risikomanagement. Solch ein System zielt darauf ab, einem Unternehmen genügend Zeit zu verschaffen, damit es sich auf
bevorstehende Entwicklungen einstellen und nötige Steuerungsmaßnahmen (aktiv)
einleiten kann.

Infolgedessen dient eine Früherkennung dem Unternehmen, nicht von einer krisenbehafteten Situation überrascht zu werden oder eine Chance zu spät erkannt bzw. genutzt zu haben. Dementsprechend ist für einen heutigen Entscheidungsträger die Auseinandersetzung mit einem
Früherkennungssystem und dessen Implementierung ein unabdingbares Vorgehen.

Eine Früherkennung für KMU

Ein Früherkennungssystem spielt nicht nur bei Großunternehmen eine Rolle, sondern auch bei kleineren und mittleren Unternehmen (KMU). Denn KMU sind oft spezialisierte Unternehmen (z. B. auf einzelne Bereiche fokussiert) oder verfügen teils über geringes Haftungskapital, was zugleich unzureichend diversifiziert ist.

Hinzu kommt, dass KMU mehrheitlich eigentümergeführt sind und daher der Unternehmensfortbestand die Lebensgrundlage darstellt. Deshalb benötigen KMU ein Früherkennungssystem. Hierzu bestehen ebenso Ansätze, die in KMU Anwendung finden. Oft werden gewisse Schritte vom Entscheidungsträger unterbewusst ausgeführt, dann fehlt nur noch
die gewisse Strukturierung.

Einteilung eines Früherkennungssystems

Einteilen lässt sich eine Früherkennung in einen operativen und strategischen Teil. Der strategische Teil erstreckt sich auf einen längerfristigen Zeitraum und umfasst allgemeingültige
Veränderungen wie z. B. soziale oder technologische Trends. Im Gegensatz dazu
konzentriert sich die operative Früherkennung auf eine kurzfristige Sichtweise – vor allem auf die liquiditäts- und ergebnisorientierten Größen.

In der Literatur unterteilt sich die Früherkennung in 3 Generationen. Dabei wird die erste Generation durch (klassische) Kennzahlen und ihre Veränderungen bzw. Über- oder Unterschreitungen von Vorgabewerten geprägt. Die 2. Phase beschäftigt sich mit der Beobachtung und Auswertung von Indizien, also dem Deuten von zukünftigen, vagen Entwicklungen. In die letzte Generation gliedern sich sog. schwache Signale ein, die dem
Unternehmen anfänglich als unscharfe Informationen vorliegen.

Kennzahlen und Indikatoren

Die erste Generation beschränkt sich auf eine Abweichungsanalyse in Form eines Plan-/Ist-Vergleichs. Daraufhin werden die jeweiligen Abweichungen mit einer Interpretation versehen – wobei die Auswirkung der Abweichungen auf die zukünftige Unternehmensentwicklung im Vordergrund steht.

Bei diesem Kennzahleneinsatz sollte noch zwischen nachlaufend und zukünftig eintretenden Kennzahlen unterschieden werden. Unter ersterem verstehen sich Kennzahlen, die die Vergangenheit abbilden (z. B. Umsatz). Jedoch dienen diese Kennzahlen nur bedingt als
Erkennungsmerkmal, da sie schon abgeschlossene Tatbestände wiedergeben.

Demgegenüber sind die nachlaufenden Kennzahlen für die Früherkennung eher einsetzbar, da sie zukünftige Vorfälle des Unternehmens wiedergeben, z. B. den Auftragsbestand. Mit dem
Auftragsbestand kann ein Unternehmen ableiten, wie lange das Unternehmen mit Aufträgen ausgelastet ist, welche Umsätze in etwa generiert werden oder welche
Materialien gebraucht werden.

Die 2. Generation bezieht sich nicht auf reine Kennzahlen, sondern auf Indikatoren. Die Indikatoren fokussieren sich auf zukünftige Aspekte und sollen deren Auswirkungen einschätzen. Allerdings lassen sich Indikatoren nicht klar messen und bestimmen. Vielmehr geben sie
einem Unternehmen eine Orientierungshilfe. Typische Beispiele stellen die Mitarbeiter- und Kundenzufriedenheit dar.

Schwache Signale

In die letzte Generation gliedern sich die sog. schwachen Signale ein. Hierbei handelt es sich um verborgene Ereignisse, die vorerst nicht explizit wahrnehmbar sind. Sie definieren sich
als gewisse Frühindikatoren, wobei sich die Ereignisse mit einem zeitlichen
Vorlauf und einer Regelmäßigkeit aus- und wiedergeben.

Die Ereignisse kündigen sich anfänglich mit unscharfen Informationen an. Diese treten in Form von unstrukturierten sowie qualitativen Aspekten auf. Deshalb sind die Auswirkungen für ein Unternehmen nur schwer deutbar – dennoch sollten sie erkannt werden. Darin liegt auch die Herausforderung für jedes Unternehmen. Jedoch können die Ereignisse schon sehr früh wahrgenommen werden – bis hin zu mehreren Jahren im Voraus.

Im Lauf der Zeit ballen sich die einzelnen Ereignisse. Sie lassen eine Struktur erkennen bzw. lassen sich genauer bestimmen, was wiederum eine Quantifizierung zulässt. Allerdings sollte
ein Unternehmen in einem frühen Stadium die Signale identifizieren und deuten.

Für die schwachen Signale eignen sich Quellen wie das Soziale Netzwerk, Experten- und Internetforen, Zukunftsstudien, Vorträge bei Tagungen und Konferenzen, Artikel in Fachzeitschriften usw. Diese Quellen zeigen sich nur als vage Informationen. Daraufhin bildet sich beim Management/Mitarbeiter oftmals eine Intuition über mögliche Gefahren/Chancen
oder Entwicklungen.

Fazit

Folglich ist es für ein zukunftsfähiges, erfolgreiches Unternehmen essenziell, bereits rechtzeitig die Signale wahrzunehmen, sie zu orten und die nötigen Schritte einzuleiten. Denn nur wenn ein Unternehmen die Vorboten bzw. die schwachen Signale wahrnimmt und richtig deutet, kann es sich zukunftsfähig aufstellen. Das Unternehmen muss somit auch nicht enttäuschend feststellen, dass das bisher verfolgte Geschäftsmodell ausgedient hat.

Deshalb ist es für die Geschäftsführung hilfreich, so frühzeitig wie möglich die Entwicklung zu
erahnen. Denn nur dann steigt auch die Einflussmöglichkeit auf Veränderungen: Die erste Generation besitzt für das Unternehmen den kürzesten zeitlichen Spielraum, die 3. Generation den größten.

Ferner muss für ein Früherkennungssystem kein komplexes Verfahren angewandt werden und ist somit für ein KMU geeignet. Vielfach hilft es, sich regelmäßig mit der zukünftigen Entwicklung vertraut zu machen, mit Kunden und Mitarbeitern zu reden oder einzelne Kennzahlen zu installieren.

Tipp der KANZLEI NICKERT

  • Sensibilisieren Sie die Mitarbeiter über die Auswirkung von schwachen Signalen.
  • Werden Sie sich im Klaren, welche Bedeutung marginale Veränderungen in der Gegenwart für Auswirkungen in der Zukunft haben können – auf welche Unternehmenszahlen wirken diese sich zuerst aus?
  • Bestimmen Sie einfache Indikatoren/Kennzahlen, die die Zukunftsfähigkeit Ihres Unternehmens wiederspiegeln, wie z. B. die Anzahl der Auftragseingänge, die Auftragsreichweite, die Reklamationsquote oder den Bekanntheitsgrad des Unternehmens.
  • Notieren Sie sich auch die nicht erhaltenen Aufträge und fragen Sie nach, an was es gelegen hat.
  • Suchen Sie regelmäßig die Gespräche mit Ihren Kunden, sodass Sie deren Zufriedenheit erkennen können und etwaige Tendenzen wahrnehmen.
  • Machen Sie von Zeit zu Zeit anonymisierte Mitarbeiterbefragungen. Diese Befragungen zielen darauf ab, die Mitarbeiterzufriedenheit zu bewerten. Denn die Mitarbeiter sind ein weiterer
    Gradmesser des zukünftigen Geschäfts. Nur zufriedene Mitarbeiter setzen sich positiv für das Unternehmen ein.
  • Setzen Sie sich auch mit Zukunftsentwicklungen auseinander (u. a. Studien, Presseartikel). Viele namhafte Institute geben in regelmäßigen Abständen Zukunftsstudien/-ausblicke aus.
  • Lesen Sie auch die Lageberichte von Großunternehmen, die in Ihrem Aufgabengebiet tätig sind.

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HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

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