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Montag, 13 Dezember 2010 13:30

Fortbestehensprognose - Der planende Blick nach vorn

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Mit Inkrafttreten des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes als Antwort auf die allgemeine Finanz- und Wirtschaftskrise erlangte die Fortbestehensprognose im Rahmen der Prüfung der insolvenzrechtlichen Überschuldung eine eigenständige Bedeutung. Nach dem aktuellen Überschuldungsbegriff liegt eine Überschuldung nur dann vor, wenn sowohl ein Vermögensstatus unter Liquidationsgesichtspunkten, als auch eine Fortbestehensprognose negativ ausfallen. Seit der Gesetzgeber durch das Finanzmarktstabilisierungsgesetz den Überschuldungsbegriff zumindest vorübergehend geändert hat, ist eine positive Fortbestehensprognose geeignet, den Überschuldungstatbestand auszuschließen.

Wenn ein Unternehmen derzeit unter Liquidationsgesichtspunkten einen negativen Vermögensstatus ausweist, so ist die Erstellung einer Fortbestehensprognose erforderlich, um eine Überschuldung und damit letztlich auch eine Insolvenzantragspflicht zu vermeiden. Gesellschaften in der Rechtsform einer AG, GmbH oder GmbH & Co. KG sollen aufgrund der beschränkten Vermögenshaftung gehalten sein, zum Schutze des Vermögens und der Gläubiger, möglichst frühzeitig Insolvenz zu beantragen.

Bei der Prüfung der Insolvenzgründe ist die Fortbestehensprognose ein Kernelement. Eine Fortbestehensprognose gibt eine Aussage darüber, ob die Fortführung eines Unternehmens überwiegend wahrscheinlich ist. Die Fortführungsfähigkeit des Unternehmens ist in einem umfassenden Unternehmenskonzept zu prüfen. Das Ergebnis der Fortbestehensprognose orientiert sich allein an der prognostizierten Liquiditätsentwicklung eines Unternehmens. Eine Fortbestehensprognose kann dann als positiv bescheinigt werden, wenn das Unternehmen auf Grundlage der derzeitigen Planung mit überwiegender Wahrscheinlichkeit in der Lage sein wird, innerhalb des Beurteilungszeitraumes jeweils seine fälligen Verbindlichkeiten bedienen zu können. Als maßgeblicher Beurteilungszeitraum sind das laufende Wirtschaftsjahr und das Folgejahr in Ansatz zu bringen.

Aufbauend auf einer umfassenden Vergangenheitsanalyse ist das Leitbild des sanierten Unternehmens zu entwickeln. Im Unternehmenskonzept werden die Maßnahmen definiert, um von der Ist-Situation zur Soll-Situation zu kommen. Hieraus wird ein quantifizierter Ertragsplan für das Unternehmen erstellt. Aus dieser Ertragsvorschau wird letztlich ein Finanzplan abgeleitet. Dieser bildet die zukünftige Liquiditätsentwicklung des Unternehmens ab.

Kernelement einer Fortbestehensprognose ist deshalb eine Unternehmensplanung, die sich dem Grunde nach nicht von einer Unternehmensplanung außerhalb der Überschuldungsprüfung unterscheidet. Damit eine Unternehmensplanung interner und externer Prüfung standhält, sind die Grundsätze einer ordnungsgemäßen Unternehmensplanung zu beachten.

Die konkrete Ausgestaltung der Unternehmensplanung ist an den berufsständischen Verlautbarungen auszurichten.

Die Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensplanung des Bundes deutscher Unternehmensberater finden Sie in unserem gleichnamigen Whitepaper.

Ansonsten haben sich allgemeine Grundsätze herausgebildet, insbesondere der Grundsatz der Vollständigkeit und Genauigkeit der Daten und der Grundsatz der Vorsicht. Im Einzelnen sind die Grundsätze auf dem genannten Whitepaper zur Unternehmensplanung aufgeführt. Die Unternehmensplanung muss so klar und transparent gestaltet sein, dass sich ein sachverständiger Dritte innerhalb einer angemessenen Zeit in die Planung einarbeiten kann.

Eine seriöse Planung kann nur als integrierte Ertrags-, Bilanz- und Liquiditätsplanung ausgestaltet sein. Auch wenn je nach Planungsanlass die Akzente unterschiedlich gesetzt werden können, so ist die Planung generell als integrierte Planung auszugestalten. Wenn beispielsweise bei der Fortbestehensprognose der Planungsschwerpunkt eindeutig auf der Liquiditätsbetrachtung liegt, so kann schon allein aus Plausibilisierungsgesichtspunkten auf eine Ertrags- und Bilanzplanung nicht verzichtet werden.

In der Praxis typische Planungsfehler sind zu vermeiden, z.B.:

  • Die Planung beginnt bei Null, bestehende Verbindlichkeiten zum Planungsbeginn werden unterschlagen.
  • Die Planung berücksichtigt nicht die tatsächlichen Debitoren- und Kreditorenlaufzeiten.
  • Reine Planung des operativen Bereichs (keine Tilgungen, Entnahmen etc.).

Sofern die Planung mit externen Beratern erstellt wird, ist wichtig, dass diese die kritische Distanz wahren. Es macht keinen Sinn, die Zukunft schön zu rechnen.

Eine Unternehmensplanung soll vielmehr den Zweck verfolgen, die zukünftigen Entwicklungen auf Basis einer gründlichen Analyse zu prognostizieren. Diese Planung beinhaltet selbstverständlich Annahmen, deren Eintritt zum Zeitpunkt der Planerstellung noch ungewiss ist.

Mit der Planung werden Ziele gesetzt, die es zu erreichen gilt. Wer seine Ziele nicht kennt, wird nie die Chance bekommen, diese zu erreichen. Die Unternehmensplanung beinhaltet eine Motivationsfunktion, die gesetzten Ziele auch zu erreichen.

Zudem können durch eine Unternehmensplanung Fehlentwicklungen frühzeitig erkannt werden. Je früher eine solche Fehlentwicklung erkannt wird, desto größer ist der Handlungsspielraum, Gegenmaßnahmen zu ergreifen.

Nicht zuletzt wirkt sich eine transparente Unternehmensplanung auch vertrauensfördernd aus: Insbesondere die finanzierenden Banken sehen eine transparente und integrierte Unternehmensplanung als äußerst positives Element der partnerschaftlichen Beziehung. Über das Rating kann sich diese Unternehmensplanung auch monetär in Form von besseren Zinskonditionen auswirken.

Eine detaillierte und transparente Unternehmensplanung ist eine der intensivsten Formen, sich als Unternehmer mit seinem Unternehmen auseinanderzusetzen. Eine Unternehmensplanung ist nicht mit dem Blick in die Glaskugel gleichzusetzen.

[Rechtsanwalt Matthias Kühne]

 

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