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Mittwoch, 06 August 2014 14:27

Wachstum – gut geplant. Das sind die Risiken!

Viele Unternehmen wollen wachsen, andere wollen es nicht und wiederum andere müssen wachsen, um ihre Position im Wettbewerb erhalten zu können. Aufgrund dessen setzen sich die meisten Unternehmen mit dem Thema Wachstum in irgendeiner Weise irgendwann auseinander.

Diejenigen, die den Wachstumskurs einschlagen, unabhängig davon, auf welchen Gründen die Wachstumsabsicht basiert, sollten sich aus Risikogesichtspunkten intensiv mit dem Vorhaben auseinander setzen.
In der Praxis geraten schwächere Unternehmen häufig nicht in wirtschaftlichen Abschwungzeiten in Liquiditätsengpässe, sondern in i.d.R. in der Zeit danach. Nämlich dann, wenn die Umsätze und damit einhergehend die Absatzmengen wieder steigen.

Warum sind Wachstumszeiten „gefährlich"?

Das in den Anfangszeilen aufgeführte Problem ist grundsätzlich auch auf gesunde Unternehmen, die in einem stabilen Marktumfeld wachsen wollen, übertragbar – wenn auch nicht gleich mit bestandsgefährdendem Ausmaß. Doch warum? Unternehmen, die material-, und personalintensiv produzieren oder handeln, gehen stark in finanzielle Vorleistung. Sie müssen oftmals Monate im Voraus bereits Zahlungen für Material, Löhne/Gehälter und sonstige Aufwendungen leisten, die sie erst viel später nach Auslieferung des Produkts und nachdem die Rechnung fällig geworden ist, wieder zurückerhalten.

Stabilität im eingeschwungen Zustand

Unternehmen, die seit längerem auf einem relativ stabilen Absatzmengenniveau agieren, haben diese zusätzlichen Überbrückungsprobleme i.d.R. nicht. Dies ist darauf zurückzuführen, dass die Situation eingespielt ist und sich über Jahre gefestigt hat. Wenn das Unternehmen ein Wachstum zu verzeichnen hatte und keine Probleme damit hatte, ist dies oftmals ein Zeichen für langsames und „gesundes" Wachstum.

Einmaleffekt durch schnelles Wachstum

Unternehmen, die schnell wachsen oder ein zügiges Wachstum planen, sollten sich mit den Auswirkungen im Vorfeld auseinandersetzen. Wenn ein Unternehmen für ein neues Produkt z. B. das dafür benötigte Material aufgrund der Anlieferung per Schiff aus dem Ausland 2 Monate vor Produktionsbeginn per Vorauskasse bezahlen muss, der Produktionszeitraum bis zur Fertigstellung einen Monat beträgt, das Produkt anschließend einen Monat am Lager liegt und dem Kunden ein Monat Zahlungsziel gewährt wird, beträgt der Vorfinanzierungszeitraum schnell 5 Monate. Es wird ersichtlich, dass es lange dauert bis der gefestigte Zustand wieder erreicht werden kann. Neben den Materialkosten sind wie oben bereits aufgeführt weitere Kosten vorzufinanzieren. Hinzukommt, dass der Effekt durch die Bestellungen in den Monaten 2 bis 5 noch verstärkt wird – bis ab dem 6. Monat wieder Einzahlungen aus diesen Produkten erfolgen und bei unterstellter konstanter Nachfrage unterjährig wieder eine Stabilität erreicht wird, wenn auch auf einen anderen Niveau als vorher.

Rechtzeitige Einbeziehung der Bankpartner

Mit Ihren Banken sollten solche Planungen frühzeitig besprochen und abgestimmt werden. Denn wenn dies nicht erfolgt und keine ausreichende Kreditlinie für den Wachstumskurs zur Verfügung steht, kann dies schnell zu einem Liquiditätsengpass führen. Ein frühzeitiger Einbezug verschafft einen größeren Handlungszeitraum. Denn neben den Ertragsaussichten, die mit dem Wachstumskurs einhergehen, rücken auch weitere Themen in den Mittelpunkt, wie z. B. Banksicherheiten für den erhöhten Kreditbedarf etc..

Da sich das Wachstum im beschriebenen Fall vor allem auf das Umlaufvermögen auswirkt, muss das Thema rechtzeitig diskutiert werden. Denn im Bereich des Umlaufvermögens sind die Sicherheitenabschläge oftmals größer, als wenn eine Immobilie zur Absicherung zur Verfügung steht. Themen im Bereich Kunden- und Lieferantenvereinbarungen (z. B. Eigentumsvorbehalt ja/nein), Lagermanagementthemen, Versicherungsthemen etc. erweitern darüber hinaus die Themenfelder.

Rechtzeitig in die Planung einsteigen

Es soll mit diesem Bericht nicht der Eindruck entstehen, dass Wachstum schlecht ist. Jedoch sollte die Unternehmensführung sich rechtzeitig und intensiv mit dem Vorhaben auseinandersetzen. Dadurch behält die Unternehmensführung das Heft in der Hand und kann agieren anstatt reagieren. So wäre es z. B. möglich, um ein Beispiel zu nennen, den gezielten Einsatz von Factoring anzustreben, um einen Monat Vorfinanzierung allein über diese Maßnahme abfangen zu können. Doch all diese Überlegungen benötigen Zeit.

Fazit

Die reine Fokussierung von Wachstum ist kein Erfolgsfaktor. Zu schnelles und ungeplantes Wachstum birgt das Risiko des Scheiterns und dies unter Umständen mit verheerenden Folgen.

Autoreninfo

Sebastian BroßSebastian Broß

Steuerberater, Diplom-Betriebswirt (FH), *CVA (Certified Valuation Analyst), IACVA, Teamleiter BWL

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