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Freitag, 18 Juli 2014 09:38

Zusammenhang Risikomanagement und Unternehmenswert

Kann die Implementierung eines Risikomanagements den Unternehmenswert steigern?
Risikomanagement ist zwischenzeitlich nicht nur aufgrund gesetzlicher Bestimmungen ein angewandtes System, sondern auch ein relevantes Aufgabengebiet für jegliche Unternehmen.

Obwohl der Großteil der Unternehmen das Risikomanagement als einen essenziellen Bereich betrachtet, ist es dennoch bei kleineren und mittleren Unternehmen (KMU) nur geringfügig angewandt. Meist wird es als eine kostengenerierente Aktivität angesehen, die im Gegenzug keinen ausreichenden Nutzen stiftet.

Vorteil eines Risikomanagements für KMUs

Jedoch sind die Unternehmen einem zunehmenden Risikoumfang (s. unseren Blog-Beitrag „Finanzkrise und Riskmanagement")ausgesetzt, der sich aus dynamischen Veränderungen der Marktgegebenheiten, beispielsweise durch gesetzliche Vorschriften, technologische Veränderungen oder neue Risikofelder (Cyberkriminalität), ergibt. Infolgedessen ergeben sich auch ausreichende Vorteile für KMUs, die sich über

• die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen (KonTraG)
• den Schutz des Vermögens
• die Erfüllung der Sorgfaltspflicht – Ausschuss des Haftungsrisikos
• das Erkennen von potenziellen Chancen und Wettbewerbsvorteile
• die Senkung der Risikokosten
• die Erhöhung der Planungssicherheit
• das Erkennen von kritischen Unternehmensentwicklungen
• die Erfüllung von Anforderungen für Fremdkapital

erstrecken. Dementsprechend ist die Implementierung eines Risikomanagements auch in KMUs zielführend und relevant. Werden die eigentümergeführten Unternehmen betrachtet, die vorrangig im Mittelstand anzutreffen sind, ergibt sich noch ein weiterer zentraler Vorteil: Mit einem adäquaten Risikomanagement kann die Unabhängigkeit gegenüber den Fremdkapitalgebern gestärkt werden.

Einführung des Risikomanagements

Für die Implementierung eines Risikomanagements sollte im Unternehmen ein „Risiko Manager" ernannt werden. Idealerweise kann dies, bei genügend Ressourcen, durch eine „eigenständige" Person geschehen, ansonsten sollte dies vom Geschäftsführer ausgeübt werden. Diese Person ist für die allgemeine Risikobehandlung im Unternehmen zuständig, sodass bspw. ein Risikobewusstsein im Unternehmen etabliert wird oder Risikoinstrumente und -methoden angewandt werden.
In kleineren und mittleren Unternehmen liegen gegenüber größeren Unternehmen aufgrund der geringeren Ressourcenausstattung die Schwerpunkte bei der Einführung eines Risikomanagementsystems in unterschiedlichen Bereichen. Vorrangig sollten einfache und schnell umsetzbare Methoden angewandt werden. Aus unterschiedlichen Untersuchungen heraus, lassen sich spezielle KMU-Schwerpunkte ableiten, fokussiert werden sollten die Risikoidentifikation und die Risikosteuerung.
Bei der Risikoidentifikation werden potenzielle Ereignisse ermittelt, welche sich auf die zukünftige Unternehmensentwicklung auswirken könnten. Dabei werden nicht nur die Risiken herauskristallisiert, sondern auch die möglichen Chancen eines Unternehmens. Elementare Methoden sind unter anderem das Risikoinventar und die Risikocheckliste.
Bei der Risikosteuerung liegt, das Hauptaugenmerk auf dem Umgang mit den Risiken, sozusagen das Risikomaßnahmen eingeleitet werden. Hierbei lassen sich vier Strategien bestimmen. Die Erste beruht auf die Risikovermeidung, dabei werden die risikoträchtigen Aktivitäten bewusst unterlassen. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Überwälzung der Risiken, sodass „Geschäftspartner" die Risiken tragen, bspw. mithilfe einer Versicherungslösung. Bei der Strategie „Vermindern", wird versucht, ein möglichst kleines anzunehmendes Restrisiko zu erzeugen. Bei der letzten Möglichkeit kann das Risiko komplett vom Unternehmen akzeptiert werden. Meist geschieht dies, wenn das Risiko minimal ist und ein entsprechender Ertrag dagegen steht.
Neben diesen beiden Aspekten sind die Risikobewertung, die Risikokontrolle und das Risikoreporting weitere Ansatzpunkte innerhalb des Risikomanagementsystems. Als Zwischenfazit lässt aussagen, dass das Risikomanagement in KMU größenspezifische Anpassungen bedarf, die jedoch zu Verbesserungen führen können.

Der Einfluss auf den Unternehmenswert

 Aus diversen Untersuchungen über den Einfluss des Risikomanagements auf den Unternehmenswert lässt sich eine Ursache-Wirkungskette ableiten und empirische bestätigen. Hierbei lässt sich aufzuzeigen, dass durch die Implementierung eines Risikomanagementsystems der Unternehmenswert unter sonst gleichen Bedingungen gesteigert werden kann. Für die Berechnung eines Unternehmenswertes können unterschiedliche Verfahren angewandt werden, die unter der Zugrundelegung von gleichen Annahmen zu gleichen Ergebnissen kommen.
Wird in einem Unternehmen ein adäquates Risikomanagement betrieben, kann ein Großteil der potenziellen Risiken sowie der Chancen aufgedeckt werden. Infolgedessen können einerseits durch die Chancenidentifikation zukünftige Wettbewerbsvorteile ermittelt sowie zusätzlich Erträge generiert werden. Andererseits sind mit der Risikobetrachtung Verlustpotenziale ersichtlich und existenzgefährdende Risiken können bestimmt werden. Beides führt dazu, dass die Unternehmensentwicklung stabilisiert wird und die Ausfallwahrscheinlichkeit des Unternehmens minimiert wird. Dementsprechend wird sich dies positiv auf das Rating auswirken und wiederum zu günstigeren Zinskonditionen bzw. Kapitalkosten führen. Denn das Risiko(management) ist in quantitativer und qualitativer Hinsicht ein elementarer Bestandteil bei der Bestimmung von den Kapitalkosten. Schlussendlich führt die Installation eines Risikomanagements i.d.R. zu einem höheren Unternehmenswert.
Allerdings kann diese Annahme nicht umfänglich bestätigt werden, da es sich um einen heuristischen Ansatz handelt. Demzufolge sollten die jeweiligen Auswirkungen situativ betrachten werden und die Inputgrößen für ein Risikomanagement (z.B. Aufwendungen für das Risikomanagement) mit einfließen. Des Weiteren sind in der KMU-Bewertung (Link einfügen: http://kanzlei-nickert.de/blogs/tax-law-blog/betriebswirtschaft/item/1585-magazin-kmu-bewertung.html) spezifische Einflussfaktoren zu berücksichtigen.

Fazit

Wie einleitend erwähnt, sind gerade KMUs passiv gegenüber dem Risikomanagement eingestellt, jedoch überwiegen die Vorteile einer Implementierung. Es können dabei schon einzelne und zugleich einfache Methoden dem Unternehmen helfen ein betriebswirtschaftlich sinnvolles Risikomanagement zu betreiben. Grundlegend sollte ein Risikobewusstsein im Unternehmen etabliert werden, damit ein verantwortungsbewusstes Handeln und Denken im Sinne des Risikomanagements entsteht, welches bei Bedarf kontinuierlich weiterentwickelt werden kann.

Tipps der KANZLEI NICKERT

Etablierung eines Risikobewusstseins im Unternehmen, sollte der Grundstein für jedes Risikomanagement sein.
Die Einführung eines Risikoinventars bildet ein einfaches aber zugleich umfängliches Verfahren um potenzielle Ereignisse zu erfassen um danach alle weiteren Risikovorkehrungen einzuleiten.
Ein einfaches Brainstorming mit ausgewählten Mitarbeitern ermöglicht schon eine Übersicht über ein Großteil von denkbaren Chancen und Risiken.
Regelmäßige Gespräche mit „Experten" geben schon detaillierte Auskünfte. Diese Expertengespräche können sich aus Unterhaltungen mit fachkundigen Vertretern, Bankern, Beratern ergeben. Vorteil für Sie ist, dass diese Experten die branchenübergreifenden Gegebenheiten kennen und zusätzlich Erfahrungen mit ähnlichen Unternehmen bzw. Situationen haben. Des Weiteren besitzen sie auch die Expertise die Zahlen und Daten zu analysieren, sodass hilfreiche Einschätzungen abgegeben werden können.

Weitere Beiträge zum Thema Risikomanagement und Unternehmenswert:

Risikomanagementprozess

Unternehmens-Risk

Magazin: Unternehmensbewertung in Krise und Insolvenz

[Benjamin Schilling]

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