Kanzlei Nickert //images.kanzleinickert.de/nickert-logo-fb.jpg KANZLEI NICKERT | Rechtsanwälte und Steuerberater, Offenburg, kompetent in Rechts-, Steuerberatung, Finanz-, Lohnbuchhaltung, spezialisiert auf Branchen Bau, Handel und Industrie. info@kanzlei-nickert.de
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Dienstag, 01 April 2014 13:43

Magazin: Risiko

Für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) kann eine Zahlungsverzögerung oder ein totaler Ausfall von Seiten eines wichtigen Kunden schnell existenzgefährdend werden. Aus Risikogesichtspunkten macht es deshalb Sinn, sich Gedanken über eine mögliche Absicherung von dritter Seite zu machen.

Generell sollten Unternehmen sich vor schlecht zahlenden Kunden und Forderungsausfällen schützen. Neukunden sollten bei wesentlichen Einzelbeauftragungen oder auch beim Potenzial auf dauerhaftes Geschäft mit immer wiederkehrenden kleinen Beauftragungen auf Ihre Kreditwürdigkeit geprüft werden.

Aber auch bei Bestandskunden sollten routinemäßig Überprüfungen durchgeführt werden. Hierzu kann neben öffentlich zugänglichen Informationen, wie z. B. veröffentlichte Jahresabschlüsse von haftungsbeschränkten Gesellschaften im Unternehmensregister, auch auf die Dienste von Auskunfteien wie z. B. der Creditreform zurückgegriffen werden.

Trotz Vorbeugung und teilweise durchgeführten Überprüfungen leiden viele Unternehmen unter der schlechten Zahlungsmoral ihrer Kunden. Ob ein Schuldner nicht zahlen will oder kann, ist dabei letztlich unerheblich. Tatsache ist, dass der fehlende Ausgleich die Liquidität das eigene Unternehmen belastet. Denn die Leistung wurde erbracht und die Löhne, die Materialkosten sowie die weiteren Kosten müssen vom Unternehmen selbst auch bezahlt werden. Die Sicherung der Liquidität bzw. der Prozess bis zur Geltendmachung einer Forderung sollte vor diesem Hintergrund so gut wie möglich abgesichert sein.

Warenkreditversicherungen

Möglich ist der Abschluss einer umgangssprachlich sog. „Forderungsausfallversicherung". Richtig bezeichnet handelt es sich dabei um eine Warenkreditversicherung bzw. Delkredere-Versicherung. Gegenstand einer solchen Versicherung ist die Absicherung gegenüber Forderungsausfällen bei Warenlieferungen oder Dienstleistungen.

Viele Versicherungsanbieter haben in diesem Segment mittlerweile Standardpolicen speziell für mittelständische Unternehmen in ihrem Leistungsangebot. Sollten Sie als Unternehmer über einen aktiven Versicherungsschutz verfügen, würden Sie im Ausfall von der Versicherungsgesellschaft eine Entschädigung erhalten. Der Versicherungsnehmer (Unternehmer) hat jedoch auch besondere Pflichten zu erfüllen, unter anderem eigene Mahnungen durchzuführen sowie die Forderung an einen Inkassodienstleister abzugeben und den Forderungsausfall fristgerecht zu melden.

Ein passendes Versicherungsprodukt kann unter Risikogesichtspunkten förderlich sein, um dem Unternehmen nachhaltig die finanzielle Stabilität zu sichern. Die Kosten für eine solche Versicherung vereinbaren Sie in der Regel individuell mit der Versicherungsgesellschaft. Die Höhe der Versicherungsprämie richtet sich dabei auch insbesondere nach der Branche, der versicherten Umsatzart und -höhe sowie nach der Risikostruktur des Unternehmens.

Factoring

Zahlungsausfälle können auch durch Forderungsverkauf, sog. Factoring, vermieden werden. Die Forderungen werden also „hart" verkauft und gleich in Liquidität umgewandelt, anstatt wie im Warenkreditversicherungsfall „nur" gegen den Ausfall versichert.

Beim Forderungsverkauf ist zwischen echtem und unechtem Factoring zu unterscheiden. Echtes Factoring liegt vor, wenn ein Factor beim Ankauf von Forderungen die Delkrederefunktion übernimmt. Beim unechten Factoring übernimmt er diese Funktion nicht. Es liegt deshalb „lediglich" eine Bevorschussung durch die Zahlung vor, wobei das Risiko des Ausfalls nicht übernommen wird.

Warenkreditversicherungen und Factoring sind Instrumente der Forderungsabsicherung. Die Versicherung schützt vor Ausfällen und Factoring führt sofort zu Liquidität. Jeder Unternehmer muss aber am Markt Risiken eingehen, um überleben zu können. Zahlt der Kunde nur schleppend oder gar nicht, kann die Forderungseintreibung in der Praxis schwierig sein.

Nehmen wir ein Unternehmen mit einem Umsatz von 1 Mio. € im Jahr. Dieses Unternehmen arbeitet, so die Annahme, in einem Jahr an 10 Projekten mit einem Umsatzvolumen von je 100 T€. Im einem „normalen" Jahr bleiben am Ende des Jahres 100 T€ von der 1 Mio. € Umsatz als Gewinn übrig. Wenn ein Kunde der 10 ausfallen würde, wäre der Jahresgewinn dahin. Dieses kleine und zugegebenermaßen stark vereinfachte Beispiel soll die dramatischen Auswirkungen eines wesentlichen Forderungsausfalls deutlich machen.

Optimieren Sie ihr Risikomanagement im Forderungsbereich für die Zukunft, denn noch ist nichts passiert...

"Gute Kunden sind – so lange sie zahlen – Gold wert! Eine dauerhafte Forderungsabsicherung lässt Sie dennoch ruhiger schlafen."

Autoreninfo

kuma-testMatthias Kühne

Rechtsanwalt, Betriebswirt (IWW), Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Anlalyst EACVA)

Sebastian BroßSebastian Broß

Steuerberater, Diplom-Betriebswirt (FH), *CVA (Certified Valuation Analyst), IACVA, Teamleiter BWL

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

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