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Dienstag, 04 Dezember 2012 09:33

Magazin: Risikofrüherkennung

Der Aufwand für die Einrichtung und Pflege eines Risikofrüherkennungssystems zahlt sich für das Unternehmen und die Geschäftsleitung aus. Geeignete Kennzahlen bieten einen schnellen und verlässlichen Überblick auf die entscheidenden Werttreiber des Unternehmens. Maßgebende Faktoren können über statistische Buchungen in der Monats-BWA ausgewiesen werden. Die BWA gibt damit Auskunft sowohl über die Ertragslage des Unternehmens als auch über die definierten Risikofrühindikatoren. Ein wirksames Risikofrüherkennungssystem sichert die nachhaltige Wettbewerbs- und Überlebensfähigkeit Ihres Unternehmens.

Die Fähigkeit eines Unternehmens, Risiken und Fehlentwicklungen möglichst frühzeitig zu erkennen, ist für den langfristigen Erfolg eines Unternehmens evident wichtig. Die Einrichtung eines systematischen Früherkennungssystems bildet hierzu die Grundlage. In vielen Fällen werden als Risikofrüherkennungssystem Rechnungswesen basierte Kennzahlen vorgeschlagen. Eine solch fokussierte Betrachtungsweise beinhaltet jedoch auch Schwächen.

Finanzwirtschaftliche Kennzahlen sind für die Steuerung des Unternehmens sicherlich sinnvoll. Problematisch sind diese Systeme jedoch vor dem Hintergrund, dass diese Systeme lediglich solche Sachverhalte erfassen können, die sich bereits in der Buchhaltung des Unternehmens niedergeschlagen haben. Dadurch hat das Unternehmen nicht nur viel Zeit verloren. Rechnungswesen basierte Kennzahlen sind vor allem in vielen Fällen nur das Symptom und nicht die Wurzel, die es anzupacken gilt.

Z. B. können Umsatzrückgänge vielfache Ursachen haben. Zum einen die Unzufriedenheit von Kunden wegen Qualitätsmängel, negative Produktivitätsentwicklungen oder aber auch grundsätzliche Entwicklungen, wie z. B. das Ende eines Produktlebenszyklus.

Für Unternehmen stellt sich deshalb die Frage, wie ein Risikofrüherkennungssystem aufgebaut werden soll, damit es nicht nur die für das Unternehmen maßgebenden Aussagen liefert, sondern auch möglichst frühzeitig Fehlentwicklungen aufdeckt.

Diese können von Geschäftsmodell zu Geschäftsmodell und von Unternehmen zu Unternehmen unterschiedlich sein.

So ist z. B. bei einem Speditionsunternehmen die Kennzahl Umsatz pro gefahrenem Kilometer von ausschlaggebender Bedeutung. Diese Kennzahl lässt Rückschlüsse auf die Qualität der Disposition zu. Jeder leer gefahrene Kilometer bedeutet Verluste.

Bei produzierenden Betrieben können z. B. Durchlaufzeiten wichtige Aussagen und Rückschlüsse auf die Produktivität liefern.  Ebenso lassen Ausschussquoten Rückschlüsse auf die Qualität der eigenen Mitarbeiter, der Maschinen und der Produktionsabläufe zu.

Gerade auch in technologielastigen Branchen kann der Umsatzanteil auf innovative Verfahren ein Indikator auf die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens sein.

Zumindest ein Indiz für die Motivation der eigenen Mitarbeiter kann die Krankheitsquote ausdrücken. Steigt diese, müssen diese Entwicklungen von Unternehmensseite zumindest hinterfragt werden.

Die Beispiele lassen sich beliebig fortschreiben. Die Kunst der Aussagekraft eines Risikofrüherkennungssystems liegt jedoch nicht in der Fülle der Kennzahlen, sondern in der Identifikation der für das Unternehmen entscheidenden Kennzahlen.

Wie der Begriff Risikofrüherkennung schon zum Ausdruck bringt, sollte das Unternehmen sich insbesondere darauf konzentrieren, möglichst solche Indikatoren zu bestimmen, die frühzeitig Fehlentwicklungen aufdecken. Damit bewahrt sich der Unternehmer einen möglichst großen Handlungsspielraum, um diesen Fehlentwicklungen entgegenzuwirken. Schlagen sich diese erst einmal in Ertrag und Liquidität des Unternehmens nieder, so ist es oft schon zu spät.

Die Herausforderung für ein Unternehmen besteht damit darin, die eigenen Werttreiber zu definieren, die sog. Key Performance Indikators (KPI). Dazu bedarf es einer intensiven Analyse des eigenen Geschäftsmodells. Ebenso ist es notwendig, die weitere Strategie für das Unternehmen zu definieren. Auf dieser Grundlage können dann die entscheidenden Kennzahlen für das Unternehmen abgeleitet werden. Insgesamt sollten die Kennzahlen nicht überfrachtet werden. Die Reduktion auf das Wesentliche in Form von ca. 5 Kennzahlen ist sinnvoller, als das System zu sehr aufzublähen. Dies auch vor dem Hintergrund, dass ein aussagekräftiges Risikofrüherkennungssystem die Verlässlichkeit der zugrunde liegenden Annahmen voraussetzt. Das bedeutet zum einen erheblichen Einrichtungsaufwand, aber auch Pflegeaufwand und Disziplin.

Geeignete Kennzahlen bieten einen schnellen und verlässlichen Überblick auf die Entwicklung der entscheidenden Werttreiber des Unternehmens.


Autoreninfo

kuma-testMatthias Kühne

Rechtsanwalt, Betriebswirt (IWW), Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Anlalyst EACVA)

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