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Mittwoch, 14 September 2011 11:29

Fristlose Kündigung wegen eigenmächtigem Urlaubsantritt

Das Arbeitsgericht Krefeld hatte über den folgenden – verkürzt zusammengefassten - Sachverhalt zu entscheiden: Ein 61-jähriger Mitarbeiter hatte einen Urlaubsantrag gestellt, um den Resturlaub aus dem Jahr 2010 zu nehmen. Im Betrieb war geregelt, dass der Urlaub aus dem Vorjahr, der bis zum 31.3. nicht genommen wurde, nur ausnahmsweise mit Einverständnis der Geschäftsleitung auch nach dem 1. Quartal noch genommen werden kann.

Mitte März beantragte der Arbeitnehmer die Gewährung des Resturlaubs für den Zeitraum 31.3. bis 6.4.2011. Der Urlaubsantrag wurde wegen der Langzeiterkrankung zweier Arbeitskollegen abgelehnt. Die Nachfrage bei der Geschäftsleitung zur Übertragung des Urlaubs verlief negativ.

Der Arbeitnehmer blieb kurzerhand in der Zeit vom 31.3. bis 6.4.2011 der Arbeit fern, auf seinem Schreibtisch hinterließ er lediglich den schriftlichen Urlaubsantrag. Der Arbeitgeber kündigte daraufhin fristlos, da er die eigenmächtige Selbstbeurlaubung nicht hinnehmen wollte.

Keine Abmahnung erforderlich


In der Verhandlung vor dem Arbeitsgericht Krefeld (AZ 1 Ca 960/11) wurde dann am 8.9.2011 ein Vergleich dahin gehend geschlossen, dass das Arbeitsverhältnis nicht durch die fristlose Kündigung aufgelöst wurde, der Arbeitnehmer aber eine Abmahnung erhält wegen der Selbstbeurlaubung und er diese Abmahnung auch akzeptiert.

Das Arbeitsgericht begründete den Vergleichsvorschlag damit, dass eine eigenmächtige Selbstbeurlaubung zwar grundsätzlich zur fristlosen Kündigung berechtige, auch ohne vorherige Abmahnung. Da aber keine absoluten Kündigungsgründe bestünden sei im Einzelfall immer eine Interessenabwägung erforderlich und hier sei maßgeblich gewesen, dass der Arbeitnehmer bereits seit 18 Jahren dort arbeitete ohne dass es zu einem vergleichbaren Vorfall gekommen sei.

Tipp der KANZLEI NICKERT:

Für die Wirksamkeit einer außerordentlichen Kündigung ist insbesondere zu beachten, dass

  • ein wichtiger Grund vorliegt, z.B. Diebstahl oder Betrug wegen falschen Aufschriebs der Arbeitszeit.
  • die außerordentliche Kündigung innerhalb von 2 Wochen ausgesprochen wird.
  • es kein milderes Mittel zumutbares Mittel gibt, z.B. ordentliche Kündigung, Abmahnung.
  • eine Interessenabwägung vorgenommen wird zwischen den Interessen des Arbeitnehmers am Erhalt des Arbeitsplatzes und denen des Arbeitgebers an der sofortigen Beendigung


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Autoreninfo

jana-testNadine Jablonski

Rechtsanwältin und Teamleiterin Personalberatung

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