Kanzlei Nickert //images.kanzleinickert.de/nickert-logo-fb.jpg KANZLEI NICKERT | Rechtsanwälte und Steuerberater, Offenburg, kompetent in Rechts-, Steuerberatung, Finanz-, Lohnbuchhaltung, spezialisiert auf Branchen Bau, Handel und Industrie. info@kanzlei-nickert.de
Rammersweierstraße 120 77654 Offenburg

kanzlei nickert logo

header-tax-blog-recht

Dienstag, 12 Juli 2011 14:02

Magazin: Übergabevertrag, Testament & Co.

Die Beschäftigung mit dem Thema „Unternehmensnachfolge“ fällt vielen nicht leicht, jedenfalls wenn es um die Übergabe des eigenen Unternehmens geht. Das ist verständlich, setzt Unternehmensnachfolge doch entweder die Entscheidung voraus, sich von einem Unternehmen, für das man Jahre seines Lebens gearbeitet hat und das man vielleicht selbst aufgebaut hat, zu trennen oder (schlimmer noch!), dass man unfreiwillig von ihm getrennt wird. Trotzdem ist es unumgänglich, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen.

 

Meinen Sie, es ist für Sie noch zu früh, sich mit dem Thema Unternehmensnachfolge zu befassen?

Da liegen Sie falsch, auch wenn Sie vielleicht erst knappe 30 sind und vor Gesundheit nur so strotzen. Denn wie uns – jedenfalls theoretisch – allen klar ist, kann das Thema „Unternehmensnachfolge“ nicht nur dann relevant werden, wenn sich ein Unternehmer in den wohlverdienten Ruhestand zurückziehen will, sondern auch völlig ungeplant und unfreiwillig. Für diesen Fall müssen Sie Vorsorge treffen, jedenfalls, wenn Ihnen nicht völlig egal ist, was aus Ihrem Unternehmen wird und was auf Ihre Erben zukommen kann.

Wenn Sie sich einmal mit dem unangenehmen Szenario konfrontieren, heute auf dem Heimweg bei einem Verkehrsunfall ums Leben zu kommen, werden Sie vermutlich feststellen, dass es da sehr vieles gibt, was im Interesse Ihrer Erben und Ihres Unternehmens geregelt sein sollte. Nicht nur sollte gewährleistet sein, dass Ihr Vermögen überhaupt auf diejenigen übergeht, in deren Händen Sie es sehen wollen, sondern natürlich auch, dass eine Person da ist, die dazu in der Lage und bereit ist, das Unternehmen erfolgreich weiter zu führen. Und auch dafür, dass das Unternehmen kurzfristig handlungsfähig bleibt, z. B. Rechnungen stellen und begleichen, Gehälter zahlen kann etc. muss unbedingt gesorgt sein.

Wer die Beschäftigung mit dem unangenehmen Thema beiseite schiebt, riskiert eben, dass
vielleicht die nach Australien ausgewanderte, getrennt lebende Ehefrau, von der er sich aus Kostengründen nicht scheiden lassen hat, in Erbengemeinschaft mit dem 2 Monate alten Nachwuchs aus einer neuen Beziehung das Unternehmen weiterführen soll. Derartige Konstellationen lassen sich recht einfach durch entsprechende Verfügungen von Todes wegen und Vollmachten vermeiden, die Sie als Unternehmer ganz unabhängig von Ihrem Alter und Ihrer Lebenssituation getroffen haben sollten und gelegentlich darauf hin überprüfen sollten, ob sie angepasst werden müssen.

Andere Fragen stellen sich demgegenüber, wenn eine geplante Übergabe Ihres Unternehmens ansteht. Hier geht es darum, den richtigen Zeitpunkt für eine Übergabe zu wählen, den richtigen „Kandidaten“ zu finden, der das Unternehmen weiterführen soll, den Übergang ohne abrupten Bruch zu regeln und schließlich auch, eine adäquate Gegenleistung für das Unternehmen zu erzielen und die Erfüllung der Gegenleistungsverpflichtung abzusichern. Die denkbaren Konstellationen und Gestaltungsmöglichkeiten sind mannigfaltig.

Gibt es z. B. keinen potentiellen Erben, der fähig und willig ist, das Unternehmen zu übernehmen, werden Sie das Unternehmen vermutlich verkaufen. In der Regel ist es dann aufwendiger, einen geeigneten Käufer zu finden. Sie werden aber bei der Festlegung der Gegenleistung für Ihr Unternehmen weniger Rücksichten nehmen, als wenn sie das Unternehmen z.B. an eines Ihrer Kinder übergeben. Wahrscheinlich müssen Sie sich aber auch schneller und radikaler von Ihrem Unternehmen trennen, da ein fremder Dritter auf Ihren unternehmerischen Rat vermutlich weniger Wert legen wird als z. B. die eigenen Kinder.

Zeigt sich hingegen, dass z. B. eines Ihrer Kinder die richtige Ausbildung, die unternehmerischen Qualitäten und die Neigung mitbringt, Ihr Unternehmen zu übernehmen, haben Sie die Chance, die Unternehmensnachfolge sozusagen „von langer Hand“ zu planen. Es bietet sich dann an, dass der spätere „Übernehmer“ eine Zeit in Ihrem Unternehmen arbeitet, bevor es zur Übergabe kommt, damit sich schon vor der eigentlichen Übergabe ein Vertrauensverhältnis zwischen dem künftigen Chef und Ihren Geschäftspartnern entwickeln kann.

Die Möglichkeiten, in einem solchen Fall die Unternehmensnachfolge zu regeln, sind vielfältig. Es kommen sowohl ein Übergabevertrag unter Lebenden, eventuell mit Ausgleichszahlungen an andere Erben in Betracht als auch Verfügungen von Todes wegen wie Testament oder Erbvertrag. Für die Übergabephase oder auch für die Übergabe z. B. eines Einzelunternehmens an mehrere Erben kann ein Rechtsformwechsel sinnvoll sein etc.

Welcher Weg für Sie im Einzelfall der Richtige ist, hängt ganz davon ab, wer Ihr Unternehmen übernehmen soll, und was Ihnen, aber auch dem Übernehmer besonders wichtig ist. Damit keiner der Beteiligten in seinen Erwartungen enttäuscht wird, müssen Sie sich hierüber offen austauschen und darauf achten, dass auch tatsächlich Regelungen getroffen werden, z. B. darüber, welche Mitsprachemöglichkeiten Ihnen für wie lange in Ihrem Unternehmen bleiben sollen.

 

  • Regelungen für die Unternehmensnachfolge sind für jeden Unternehmer Pflicht, auch wenn noch keine Abgabe des Unternehmens geplant ist. Bei einer „planmäßigen“ Übergabe eines Unternehmens, insbesondere innerhalb der Familie, müssen die Beteiligten ihre Erwartungen klar definieren und entsprechende Regelungen treffen.

 

"Meinen Sie, es ist für Sie noch zu früh, sich mit dem Thema Unternehmensnachfolge zu befassen? Da liegen Sie falsch."



 

Autoreninfo

krbe-testBettina Kriegel

Rechtsanwältin, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht, Fachanwältin für Insolvenzrecht

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine Haftung übernehmen.

 

Die von uns verwendeten Cookies sollen sicherstellen, dass Sie unsere Website optimal genießen können.
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Nutzung dieser Cookies einverstanden. Weitere Informationen zum Datenschutz