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Freitag, 11 August 2017 07:00

Rechtliche Mindestanforderungen an die Unternehmensplanung

Das Hauptziel der Unternehmensplanung ist die Sicherung der Unternehmenszukunft. Dafür ist es erforderlich, dass sich die Geschäftsführung mit der Zukunft des Unternehmens beschäftigt und daraufhin die nötigen Handlungsalternativen bestimmt.

Die Unternehmensplanung dient der Unternehmensführung somit als Steuerungs- und Informationssystem. Hierdurch soll die Erreichung der Unternehmensziele sichergestellt werden.

Ordnungsgemäße Planung ist eine Mischung aus Handwerkszeug, Intuition und gesundem Menschenverstand. Die Unternehmensplanung ist stets Aufgabe der Geschäftsführung, auch wenn einzelne Planungsaktivitäten delegierbar sind.

Gesetzliche Regelungen zur Unternehmensplanung

Es gibt zwar keine Norm, nach der eine allgemeine Pflicht zur Erstellung einer Unternehmensplanung besteht, und damit kein klares gesetzliches Gebot zur Einrichtung einer Unternehmensplanung.

Nichtsdestotrotz werden mit der Erarbeitung der Unternehmensplanung gesetzliche Erfordernisse erfüllt, die sich unter anderem aus dem AktG, GmbHG, HGB und der InsO ableiten lassen. D.h. mittelbar gibt es gesetzliche Konkretisierungen.

Planungsrechnung als allgemeine Sorgfaltspflicht

Ungeachtet dessen wird vermehrt davon ausgegangen, dass die Einrichtung einer Planungsrechnung als Ausprägung der Leitungspflicht und damit als allgemeine Sorgfaltspflicht anzusehen ist. Neben dem Vorstand einer AG gilt dies auch für die Leitungsorgane der GmbH und damit auch für die GmbH & Co. KG. Letztlich gilt diese Pflicht aber auch für Personengesellschaften.

Aufbau der Unternehmensplanung

Der Aufbau der Unternehmensplanung ist grundsätzlich unterteilt in 2 Planungsebenen: die strategische Planungsebene und die operative Planungsebene.

Strategische Planungsebene

Die strategische Planungsebene ist langfristig ausgelegt. Der empfohlene Zeitraum beträgt zwischen 5 und 10 Jahren – je nach Unternehmenszyklus. Ihre Aufgabe besteht in der Erschließung neuer Erfolgspotentiale, also der Sicherung der langfristigen Unternehmensexistenz.

Der strategische Planungsprozess gliedert sich in die strategische Analyse und Prognose der Unternehmensumwelt und dem Unternehmen selbst, in die Formulierung strategischer Ziele, in die Strategieentwicklung, in die Strategieimplementierung/-durchführung und in die strategische Kontrolle und Anpassung.

Operative Planungsebene

Auf der operativen Planungsebene werden die strategischen Vorgaben in den einzelnen Unternehmensbereichen umgesetzt. Sie dient zur Planung des jährlichen Geschäftsbetriebs und soll neben dem aktuellen Jahr noch 3 weitere Jahre umfassen.

Die operative Planung ist als integrierte Planung aufzubauen. Bei einer integrierten Planung ist die GuV-, Bilanz- und Liquiditätsplanung im Einklang miteinander und ergibt ein in sich (mathematisch) schlüssiges System. Ergänzend sollte diese integrierte Planung mit der strategischen Planung, dem Geschäftsmodell und dem Performance Measurement System in einem logischen Zusammenhang stehen.

Zu Beginn der Planungserstellung muss sich der Planer mit den Detailplanungen auseinandersetzen. Dies umfasst u.a. die Finanzplanung, Investitions-, Absatz- und Personalplanung. Diese Aufzählung ist allerdings nicht erschöpfend zu verstehen. Je nach Bedarf, Größe oder Branche, Struktur und wirtschaftlicher Lage des Unternehmens können Produktions-, Beschaffungs-, Entwicklungs-, Kosten- oder Ergebnisplanung hinzutreten.

Mit den Erkenntnissen der Detailplanungen werden dann die Planbilanz und die Plan-GuV erstellt sowie die Liquiditätsplanung abgeleitet. Die Dreiteilung stellt sicher, dass sowohl die Liquiditätskomponente als auch die Ertrags- und die Bilanzkomponente in der Planung Berücksichtigung finden.

Anforderungen an Art und Weise der Unternehmensplanung

Eine Verallgemeinerung der Anforderungen an Art und Weise der Unternehmensplanung ist allerdings angesichts der Vielfältigkeit des Erscheinungsbilds von Unternehmen praktisch nicht möglich. Die Konkretisierung liegt vielmehr weitgehend im unternehmerischen Ermessen des Leitungsorgans. Die von der Betriebswirtschaftslehre entwickelten Grundsätze ordnungsgemäßer Unternehmensplanung sind dabei für eine Konkretisierung aber sehr hilfreich, begründen jedoch keine rechtliche Verbindlichkeit.

Grundsätze ordnungsgemäßer Planung (GoP)

Die in den GoP enthaltenen Mindestanforderungen sind grundsätzlich als Maßstab zu berücksichtigen, wenn es darum geht, Unternehmensplanungen zu erstellen oder zu beurteilen. Diese Mindestanforderungen bilden einen Rahmen, in dem die eigenverantwortliche Planung für den jeweiligen Einzelfall stattfindet.

Einer Planung hat immer eine Analyse vorauszugehen, die den Ist-Zustand berücksichtigt und mögliche Potentiale aufdeckt. Alle zukünftigen Situationen, Entwicklungen und Entscheidungen für das Unternehmen sind zu berücksichtigen (z. B. Konkurrenz, Verbraucher, Handel, Gesetzgebung etc.).

Schwerpunkt der Unternehmensplanung ist die Entscheidung über das eigene zukünftige Handeln unter Berücksichtigung des zukünftigen Unternehmensumfelds. Das bedeutet, der Unternehmensplan legt u. a. die Unternehmensziele (Sollvorgaben), die geplanten Maßnahmen und die zur Realisierung vorgesehenen Mittel für die Planperiode fest.

Essenzielle Anforderungen an die Unternehmensplanung sind die Integration von Teilplänen, die Flexibilität gegenüber Datenänderungen, die Erfassung mehrerer Zeithorizonte, die Abstimmung mit dem Berichtswesen, die Kontrollierbarkeit, die Zielorientierung – und: Sie muss in sich widerspruchsfrei sein.

Wichtig bei der Erstellung von Unternehmensplanungen ist, darauf zu achten, dass keine Traumgespinste oder unerreichbaren Wunschziele Grundlage der Planung sind, sondern realistische und erkennbare Annahmen.

Dementsprechend haben sich für die Erstellung von Unternehmensplanungen allgemeine Grundsätze herausgebildet, die für alle Planungsrechnungen gelten. Diese lassen sich wie folgt skizzieren:

  • Grundsatz der Wahrheit
  • Grundsatz der Vollständigkeit und Genauigkeit der Daten und Informationen
    • Die internen und externen Daten müssen regelmäßig und nicht nur sporadisch erhoben werden.
    • Sind die Daten vollständig? Welche Daten sind nicht vollständig? Welche Auswirkungen hat dies auf die Planung?
    • Sind die Informationen zuverlässig und richtig?
    • Sind die Daten relevant?
    • Sind die Daten ohne Weiteres verwendbar oder müssen die Daten umgerechnet oder aufbereitet werden?
    • Wie lange braucht es, bis die Daten erhoben sind
    • Wie teuer ist die Informationsbeschaffung?
  • Grundsatz der zeitpunktgetreuen Planung
    • Periodenabgrenzung bei Ertragsplanung
    • Zahlungsfluss bei Liquiditätsplanung
  • Grundsatz der Vorsicht
    • Es ist realistisch und vorsichtig zu planen.
    • Je größer die Unsicherheit der künftigen Entwicklung oder je größer die Unsicherheit über die Daten oder Informationen, desto größer muss der Sicherheitspuffer dotiert werden.
  • Klarheit der Planung
    • Die Planung nebst Dokumentation muss übersichtlich sein, insbesondere dürfen Einnahmen und Ausgaben bzw. Erträge und Aufwendungen nicht saldiert werden.
  • Vergleichbarkeit und Stetigkeit der Planung
  • Elastizität der Planung
    • Die Planung muss jederzeit kurzfristig auf eintretende Veränderungen angepasst werden können.
  • Überprüfbarkeit der Planung
    • Die Planung muss von einem sachverständigen Dritten in angemessener Zelt überprüfbar sein. Zur Vorbereitung der Planungsrechnung sind die Vergangenheitsdaten zu analysieren und gegebenenfalls aufzubereiten. Sondereffekte (z. B. Anlagenverkäufe) sind zu bereinigen, um die Basis für die ordentliche Ertragslage zu ermitteln.

Risikoadjustierte Unternehmensplanung

Die Zukunft ist zumeist ungewiss und mit Chancen und Risiken/Gefahren behaftet. Erweitert um eine risikoadjustierte Planung (Bandbreitenplanung) können auch die potenziellen Chancen und Risiken sowie deren Einfluss auf das Unternehmen abgebildet werden. Dies lässt wiederum erwartungsgetreuere Entscheidungen zu und verringert Scheingenauigkeiten.

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Autoreninfo

lifr-testFrank Lienhard

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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