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Donnerstag, 22 Mai 2014 08:06

Ablehnungsgründe verraten – Verpflichtung zum Schadenersatz

Ein Personalberater, der einer abgelehnten Bewerberin die Ablehnungsgründe mitteilt, muss dem Unternehmen, das ihn beauftragt hat, Schadenersatz bezahlen, wenn die abgelehnte Bewerberin Ansprüche nach dem AGG geltend macht.

Anspruch auf Schadenersatz nach dem AGG (Allgemeines Gleichbehandlungsgesetz)

Wird ein Arbeitnehmer im Bewerbungsprozess abgelehnt z. B. aufgrund seiner Herkunft oder aufgrund seines Geschlechts, so kann er, wenn der Arbeitgeber keine Rechtfertigung für die „Diskriminierung" hat, Entschädigung in Form einer Geldzahlung verlangen (vgl. z. B. unseren Beitrag „Stellenanzeige: „Geschäftsführer" gesucht ist diskriminierend".

Oftmals ist es schwierig für den Bewerber, die Gründe zu erfahren, weshalb er nicht ausgewählt wurde. Nicht so jedoch in dem Fall, den kürzlich das OLG Frankfurt am Main (Urteil vom 9.5.2014, AZ 16 U 175/13) zu entscheiden hatte.

Im dortigen Fall wurde eine Bewerberin vom Unternehmen abgelehnt, weil sie eine Frau ist. Dies hätte sie nicht erfahren, wenn nicht der dazwischen geschaltete vom Unternehmen beauftragte Personalberater ihr das nach Abschluss des Bewerbungsprozesses verraten hätte.

Der Personalberater ging sogar soweit, dass er der Bewerberin anriet, sich wegen eventueller Schadenersatzansprüche an einen Anwalt zu wenden. Dies tat die Bewerberin dann auch, sie machte Schadenersatz geltend gegen das Unternehmen, das dortige Verfahren wurde mit einem Vergleich abgeschlossen, sie erhielt eine Zahlung in Höhe von 8.500 €.

Diese Summe wollte das Unternehmen dann vom Personalberater wieder haben, weil dieser ja schließlich der Bewerberin den Tipp gab zum Anwalt zu gehen und diese überhaupt erst darauf aufmerksam machte, dass sie schon alleine deswegen keine Chance auf die Stelle hatte, weil sie eine Frau ist.

Vor Gericht bekam das Unternehmen dann auch teilweise Recht. Der Personalberater muss 1/3 der Forderung bezahlen, weil er als Berater Stillschweigen zu bewahren hatte. Erst Recht traf ihn eine solche Pflicht, da er in einem Flyer strikte Diskretion zusicherte.

Der Berater wurde aber nur zu 1/3 verurteilt, weil sich der Unternehmer ein überwiegendes Mitverschulden anrechnen lassen musste, da ein Verstoß gegen das AGG vorliegt.

TIPP der KANZLEI NICKERT:

Wenn Bewerber abgelehnt werden, ist es zwar interessant für den Bewerber zu erfahren, warum er abgelehnt wurde. Hier muss der Arbeitgeber aber vorsichtig sein, dass er nichts offenbart, was zu einem Schadenersatzanspruch nach dem AGG führen kann. Grundsätzlich sollten Absagen daher neutral formuliert sein.

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Autoreninfo

jana-testNadine Jablonski

Rechtsanwältin und Teamleiterin Personalberatung

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