Kanzlei Nickert //images.kanzleinickert.de/nickert-logo-fb.jpg KANZLEI NICKERT | Rechtsanwälte und Steuerberater, Offenburg, kompetent in Rechts-, Steuerberatung, Finanz-, Lohnbuchhaltung, spezialisiert auf Branchen Bau, Handel und Industrie. info@kanzlei-nickert.de
Rammersweierstraße 120 77654 Offenburg
Kanzlei Nickert 5 von 5 5 ratings.

kanzlei nickert logo

header-tax-blog-recht

Freitag, 28 März 2014 14:00

Indizien für eine Scheinselbständigkeit und ihre Auswirkung auf Auftraggeber

In unserem Magazinbeitrag „Scheinselbständigkeit" sind wir bereits auf einige Indizien, die für Scheinselbständigkeit sprechen, eingegangen. Dieser Beitrag zeigt weitere relevante Merkmale auf, die für die Beurteilung, ob eine Scheinselbständigkeit vorliegt oder nicht, eine wichtige Rolle spielen.

Zudem sollen die Auswirkungen für den Arbeitgeber bei einer Feststellung der Scheinselbständigkeit erläutert werden.

Merkmale für eine Scheinselbständigkeit

Übt er dieselben Tätigkeiten aus wie Festangestellte des Unternehmens?

Muss er in regelmäßigen Zeitabschnitten detaillierte Leistungsberichte beim Auftraggeber abgeben?

Wird von ihm spezielle Hard- und Software genutzt, die es dem Auftraggeber ermöglicht, seine Arbeit zu kontrollieren und damit seine unternehmerische Entscheidungsfreiheit einzuschränken?

Stammen 80 % des gesamten Umsatzes von einem Auftraggeber?

Je mehr dieser Fragen mit einem „Ja" beantwortet wurden, desto naheliegender ist die Vermutung, dass eine Scheinselbständigkeit vorliegt. Jedoch ist für das Vorliegen einer Selbständigkeit die Gesamtsituation des zu prüfenden Falls zu beurteilen. Neben den bereits erwähnten Indizien ist z. B. auch die Gestaltung von Verträgen zu beachten.

Auswirkungen für den Arbeitgeber

Ergibt die Prüfung, dass es sich um keinen Selbständigen handelt, sondern um einen Scheinselbständigen, so hat dies gravierende Folgen für den Arbeitgeber.

Der vermeintlich freie Mitarbeiter wird rückwirkend zum Arbeitnehmer mit allen Rechten (z. B. Urlaubsanspruch, Anspruch auf Lohnfortzahlung und dem Kündigungsschutz) und der Auftraggeber wird zum Arbeitgeber. Demnach ist der ehemalige Auftraggeber verpflichtet, alle ausstehenden Sozialversicherungsbeiträge (Arbeitgeber- und Arbeitnehmeranteil) der letzten 4 Jahre nachzuzahlen. Bei Vorsatz drohen sogar Bußgelder, Gefängnisstrafen und Rückzahlungsforderungen bis zu 30 Jahren. Darüber hinaus kann das Finanzamt für die letzten 4 Jahre die Lohnsteuer geltend machen.

Auch hinsichtlich der Umsatzsteuer hat die Feststellung der Scheinselbständigkeit erhebliche Folgen. Der Umsatzsteuerausweis auf den Rechnungen des Scheinselbständigen wird ungültig. Deswegen muss der Auftragsgeber für noch nicht veranlagte Geschäftsjahre die abgezogene Vorsteuer zurückzahlen.

Um das Risiko zu minimieren, sollten Unternehmen in regelmäßigen Abständen überprüfen, wie sich die Zusammenarbeit mit Selbständigen entwickelt. Die Übergänge zwischen Selbständigen und Scheinselbständigen sind oft fließend und nicht immer auf den ersten Blick erkennbar.

Eine Zusammenarbeit, die mit kleinen Aufträgen beginnt, kann im Laufe der Jahre die Dimension eines Angestelltenverhältnisses annehmen. In diesem Fall sollten Sie schnell reagieren, damit Sie für zukünftige Betriebsprüfungen gewappnet sind.

[Julia Knödler, Nadine Jablonski, Johanna Helmer]

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine Haftung übernehmen.

 

Die von uns verwendeten Cookies sollen sicherstellen, dass Sie unsere Website optimal genießen können.
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Nutzung dieser Cookies einverstanden. Weitere Informationen zum Datenschutz