Kanzlei Nickert //images.kanzleinickert.de/nickert-logo-fb.jpg KANZLEI NICKERT | Rechtsanwälte und Steuerberater, Offenburg, kompetent in Rechts-, Steuerberatung, Finanz-, Lohnbuchhaltung, spezialisiert auf Branchen Bau, Handel und Industrie. info@kanzlei-nickert.de
Rammersweierstraße 120 77654 Offenburg

kanzlei nickert logo

header-tax-blog-recht

Donnerstag, 30 September 2010 11:00

(Un-) zulässige Fragen im Vorstellungsgespräch

jana-test

Arbeitgeber und Bewerber haben beim Vorstellungsgespräch unterschiedliche Interessenlagen: Der Arbeitgeber möchte möglichst viel über den potentiellen Mitarbeiter erfahren, um sich ein umfassendes Bild von dessen Eigenschaften, Kenntnissen und Tätigkeiten machen zu können. Der Bewerber hingegen möchte nicht jede persönliche Frage beantworten, manchmal auch aus der (berechtigten) Sorge, dass bei einer ehrlichen Antwort kein Arbeitsverhältnis zu Stande kommt.

Es stellt sich daher die Frage, ob und wenn ja welche Fragen der Kandidat beantworten muss und was passiert, wenn er die Antwort nicht oder nicht ehrlich gibt. Wenn der Bewerber keine Antwort gibt oder auf die Unzulässigkeit der Frage verweist, dürften seine Chancen auf den neuen Job im Regelfall schlecht aussehen. Wenn der Arbeitnehmer eine zulässige Frage nicht richtig beantwortet hat der Arbeitgeber die Möglichkeit, den Arbeitsvertrag anzufechten, es droht also der Job-Verlust.

Doch welche Fragen muss man denn überhaupt beantworten?

Grundsätzlich dürfen nur Tatsachen erfragt werden, die im Zusammenhang mit der zu besetzenden Stelle stehen. Fragen nach beruflichen Fähigkeiten und dem Werdegang müssen also beantwortet werden. Dazu zählen auch Fragen nach Prüfungs- und Zeugnisnoten sowie die Dauer der Beschäftigungsverhältnisse, Fremdsprachenkenntnisse und dergleichen. Beim privaten Werdegang sieht es allerdings anders aus mit der Zulässigkeit der Fragen. So ist die Frage, ob eine Bewerberin in absehbarer Zeit heiraten möchte oder einen Kinderwunsch hat, unzulässig.

Es gibt jedoch auch Fragen, bei denen man nicht pauschal sagen kann, ob sie beantwortet werden müssen oder nicht. Bei Fragen des Arbeitgebers nach Erkrankungen muss unterschieden werden nach der Art der beruflichen Tätigkeit und ob die Krankheit noch besteht. Nach noch bestehenden also aktuellen Krankheiten darf nämlich dann gefragt werden, wenn diese Erkrankung für die aufzunehmende Arbeit von Bedeutung ist. Von Bedeutung wiederum ist die Erkrankung dann, wenn der Bewerber nicht in gleicher Weise einsatzfähig ist wie ein gesunder Kollege.

Zwar darf der Arbeitgeber grundsätzlich nicht nach den Vermögensverhältnissen fragen, aber nach aktuellen Lohnpfändungen darf er fragen. Dies mag auf den ersten Blick nicht einleuchtend sein, erklärt sich aber damit, dass der Arbeitgeber bei einer Lohnpfändung ein erhebliches Haftungsrisiko hat.

Fragen nach Vorstrafen dürfen nur insofern gestellt werden, wie die künftige Tätigkeit es erfordert. Bei einem Kassierer können daher Vorstrafen wegen Vermögensdelikten wie z.B. Diebstahl erfragt werden. Bei einem Kraftfahrer kann nach Vorstrafen wegen Verkehrsdelikten gefragt werden.

TIPP: Die Unzulässigkeit von Fragen gilt nicht nur im Vorstellungsgespräch, sondern auch im Rahmen von so genannten „Personalbögen" oder in einem dem Vorstellungsgespräch vorgeschalteten „Telefoninterview".

[Rechtsanwältin Nadine Jablonski]

 

Wir verwenden zum Teilen der Inhalte sogenannte "Shariff"-Schaltflächen. Mit Shariff können Sie Social Media nutzen, ohne Ihre Privatsphäre unnötig aufs Spiel zu setzen. Das c't-Projekt Shariff ersetzt die üblichen Share-Buttons der Social Networks und schützt Ihr Surf-Verhalten vor neugierigen Blicken. Weitere Informationen zu Shariff finden Sie unter https://www.heise.de/ct/artikel/Shariff-Social-Media-Buttons-mit-Datenschutz-2467514.html.

HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

Alle Angaben sind sorgfältig geprüft. Durch Gesetzgebung, Rechtsprechung und Verordnungen sowie Zeitablauf ergeben sich zwangsläufig Änderungen. Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir für die Richtigkeit und Vollständigkeit des Inhalts keine Haftung übernehmen.

Die von uns verwendeten Cookies sollen sicherstellen, dass Sie unsere Website optimal genießen können.
Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich mit der Nutzung dieser Cookies einverstanden. Weitere Informationen zum Datenschutz