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Sonntag, 01 August 2010 03:06

Magazin: Rechtsformvergleich

Bettina Kriegel, RechtsanwältinSie sind auf der Suche nach der idealen Rechtsform schlechthin? Die gibt es nicht. Welche Rechtsform für Ihr Unternehmen die beste ist, hängt vielmehr ganz davon ab, welche Punkte Ihnen persönlich besonders wichtig oder vielleicht auch völlig unwichtig sind. Möchten Siez. B. der „Alleinentscheider" sein? Wie hoch ist Ihre Risikobereitschaft, wie Ihr Verhältnis zu Formalitäten etc.? Diese und einige weitere Punkte können bei Ihrer Rechtsformwahl eine wichtige Rolle spielen.

 

Treffen Sie keine Entscheidung für eine Rechtsform und nehmen als „Einzelkämpfer" Ihre Geschäftstätigkeit auf, so sind Sie automatisch Einzelunternehmer. Eines Vertrags bedarf es zur Gründung des Einzelunternehmens nicht. Soweit Sie nicht Freiberufler oder Kleingewerbetreibender sind, sind Sie ins Handelsregister einzutragen. Als Kleingewerbetreibender haben Sie die Möglichkeit, sich freiwillig ins Handelsregistereintragen zu lassen.

Bevor Sie mit Ihrer Tätigkeit starten, müssen Sie kein Mindestkapital aufbringen. Sie haben die Unternehmensleitung und damit die alleinige Entscheidungsbefugnis. Sie haben aber auch die Verantwortung für alles, was in Ihrem Unternehmen anfällt. Für Sie hat das den Vorteil hoher Flexibilität und umfassender Bestimmungsmöglichkeit– allerdings sind Sie dafür auf sich selbst und Ihre Fähigkeiten gestellt. Eine Haftungsbeschränkung gibt es beim Einzelunternehmen nicht. Ihr „privates" Vermögen und Ihr „Geschäftsvermögen" werden rechtlich nicht als getrennte Vermögensmassen angesehen. Sie haften für Geschäftsschulden voll und ganz auch mit Ihrem privaten Vermögen, z.B. mit dem geerbten Häuschen.

Eine Pflicht, bei Zahlungsunfähigkeit ein Insolvenzverfahren über das eigene Vermögen zu beantragen, besteht für Einzelunternehmer nicht. Kommt es jedoch zur Eröffnung eines Insolvenzverfahrens, so ist davon mangels rechtlicher Trennung von Privat- und Unternehmensvermögen das gesamte Vermögen betroffen. Möchten Sie Ihre Geschäftsidee gemeinsam mit (mehr oder weniger) gleichberechtigten„Partnern" verwirklichen, können Sie das Unternehmen als Personengesellschaft, wie z.B. als Gesellschaft bürgerlichen Rechts (GbR), offene Handelsgesellschaft (oHG), Kommanditgesellschaft(KG) oder GmbH & Co. KG, oder als Kapitalgesellschaft, wie z. B. als GmbH, betreiben. Mit Ausnahme der GbR werden diese Gesellschaften ins Handelsregister eingetragen.

GbR, oHG, KG und GmbH & Co. KG müssen jeweils mindestens 2 Gesellschafter haben. Zu ihrer Gründung bedarf es eines Vertrags, der formfrei geschlossen werden kann. Prinzipiell wäre eine nur mündliche Vereinbarung also ausreichend. Selbstverständlich empfiehlt sich jedoch eine schriftliche Fixierung. Ein Mindestkapitalist vom Gesetzgeber für die Gründung der vorgenannten Gesellschaften nicht vorgesehen(wohl aber natürlich für die Gründung der Komplementär-GmbH in der GmbH & Co. KG).

Bei der Haftung der Gesellschafter für die Gesellschaftsverbindlichkeit ist zu differenzieren: Die Gesellschafter einer GbR oder oHG haften für Verbindlichkeiten ihrer Gesellschaft jeweils auch persönlich mit ihren Mitgesellschaftern zusammen als Gesamtschuldner. Die Gesellschafter sind geschäftsführungsbefugt, soweit im Gesellschaftsvertrag nichts Abweichendes geregelt ist. Bei der KG unterscheidet sich die Haftung des Gesellschafters danach, ob er Kommanditist oder Komplementär ist. Der Kommanditist haftet persönlich bis zur Höhe seiner Einlage. Seine Haftung ist jedoch ausgeschlossen, wenn er die Einlage erbracht hat. Demgegenüber haftet der Komplementär für die Verbindlichkeiten der KG uneingeschränkt persönlich, bei ihm liegt auch
die alleinige Geschäftsführungsbefugnis. In der GmbH & Co. KG ist die GmbH Komplementärin. Sie haftet mit ihrem Gesamtvermögen für die Schulden der GmbH & Co. KG. Bei Gesellschaften ohne Rechtspersönlichkeit besteht eine Insolvenzantragspflicht nur dann, wenn kein persönlich haftender Gesellschafter eine natürliche Person ist und auch zu den Gesellschaftern keine Gesellschaft zählt, bei der eine natürliche Person persönlich haftender Gesellschafter ist. Typischerweise besteht eine Insolvenzantragspflicht daher bei der GmbH & Co. KG.

Eine GmbH können Sie anders als eine GbR, eine oHG oder KG auch ohne einen Mitgesellschaftergründen, so dass sich diese Rechtsform auch für „Einzelkämpfer" eignet. Zur Gründung ist jedoch in jedem Fall ein Gesellschaftsvertrag oder bei einfachen Gründungen ein Musterprotokollnotwendig, die notariell beurkundet werden müssen.

Ferner ist bei der GmbH ein Mindeststammkapital von 25.000 € gesetzlich vorgeschrieben. Dafür ist die Haftung bei der GmbH gesellschafterfreundlich gestaltet: Für die Verbindlichkeiten der GmbH haftet bzw. haften der oder die Gesellschafter grundsätzlich nicht persönlich mit ihrem Vermögen, es sei denn natürlich, sie haben sich z. B. verbürgt oder ähnliches. Ist eine GmbH zahlungsunfähig oder überschuldet, besteht eine Verpflichtung, einen Insolvenzantrag zu stellen.

„Beim Einzelunternehmen haften Sie für Geschäftsschulden voll und ganz – auch mit Ihrem privaten Vermögen ,z. B. mit dem geerbten Häuschen."

Die verschiedenen Rechtsformen haben unterschiedliche Anforderungen und deshalb auch ganz unterschiedliche Vor und Nachteile. Um die geeignete Rechtsform für Ihr Unternehmen zu finden, muss deshalb analysiert werden, auf welche Punkte Sie besonderen Wert legen.

[Bettina Kriegel, Rechtsanwältin]

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Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

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