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Mittwoch, 25 Juli 2012 08:27

Magazin: Strategie und Vertragsgestaltung

„Die Lehre von der Kriegsführung, die den Plan zur Erreichung eines Zieles entwickelt und die Bedingungen dafür analysiert …..“

So bzw. so ähnlich, nämlich ausführlicher, definiert mein schon etwas angejahrtes Lexikon den Begriff Strategie. Nachdem man wohl nur in seltenen Fällen seinen Vertragspartner schon bei Vertragsschluss als „Kriegsgegner“ ansieht, drängt sich die Frage auf, was Strategie und Vertragsgestaltung miteinander zu tun haben, schließlich ist letztere ein durchaus friedliches Handwerk.

Trotzdem sind strategische Überlegungen beim Ausarbeiten eines Vertrags auf jeden Fall angezeigt. Was das Ziel eines Vertrags ist, liegt zumeist auf der Hand und auch der Weg, wie man dort hingelangt scheint meist evident. Zu kurz kommt aber häufig die Analyse der Bedingungen, die gegeben sein bzw.  fortbestehen müssen, damit der Plan auch tatsächlich zum Ziel führen kann. Oft wird ungeprüft und unbewusst unterstellt, dass die erforderlichen Bedingungen gegeben sind und dass sich daran auch nichts ändern wird. Damit wird insbesondere die Chance verspielt, den möglichen negativen Auswirkungen von Veränderungen der äußeren Bedingungen auf die Vertragsabwicklung rechtzeitig durch eine vertragliche Regelung zu begegnen.

Gerade bei Verträgen, durch die die Parteien längerfristig gebunden sind und deshalb Änderungen der äußeren Bedingungen besonders wahrscheinlich sind, kann das zu einem bösen Erwachen führen.

So sind z. B. bei Vertragsschluss die Beziehungen zwischen den Vertragsparteien meist ungetrübt, manchmal sogar freundschaftlich. Weil jeder sich wünscht, dass das so bleibt, lässt man sich gerne dazu verleiten, den unerfreulichen Gedanken zu verdrängen, wie es sich auf die Vertragsabwicklung auswirken würde, wenn sich das Verhältnis zum Vertragspartner verschlechtert. Die Annahme, die Beziehung zum Vertragspartner werde unbelastet bleiben, in seinem Vertragspartner könne man sich gar nicht getäuscht haben, erweist sich allerdings allzu oft als falsch. Das zeigt schon die Zahl von 185.800 Ehescheidungen in Deutschland 2009.  

Sie sollten sich zumindest vor Verträgen mit einer längerfristigen Bindung deshalb überlegen, welche Auswirkungen es für die Vertragsabwicklung mit sich bringen könnte, wenn Sie mit Ihrem Vertragspartner nicht mehr „gut Freund“ wären. Schließlich kann Ihnen das schon alleine deshalb passieren, weil bei Ihrem Vertragspartner ein neuer, anderer „Entscheider“ ans Ruder kommt oder weil Sie es auf einmal nicht mehr mit Ihrem ursprünglichen Vertragspartner zu tun haben, sondern mit dessen Rechtsnachfolger.

Es lohnt, darüber nachzudenken, ob Sie den geplanten Vertrag so auch abschließen würden, wenn der Vertragspartner ein „unangenehmer Patron“ wäre oder ob dann nicht weitere Regelungen erforderlich wären. Vor dem Hintergrund eines möglichen Sinneswandels oder Wechsel des Ansprechpartners sollten Sie auch hinterfragen, ob alles, was Sie in Bezug auf die Vertragsabwicklung als selbstverständlich unterstellen, auch tatsächlich für einen außenstehenden Dritten selbstverständlich ist. Haben Sie daran Zweifel, sollten Sie den betreffenden Punkt explizit im Vertrag regeln. Wenn Sie sich mit Ihrem Vertragspartner wirklich einig sind, ist das eine Kleinigkeit, die Ihnen eventuell künftige Konflikte erspart. Zeigt sich, dass Sie sich in Wahrheit mit Ihrem Vertragspartner nicht einig sind, ist es besser, Sie bemerken das frühzeitig.

Genauso wie sich die Beziehung zum Vertragspartner ändern kann, kann dies auch mit anderen für den Vertrag wesentlichen Bedingungen geschehen. Sie sollten deshalb nicht davor zurückschrecken, einmal in die Rolle des Pessimisten zu schlüpfen und sich auszumalen, was passieren könnte, wenn sich verschiedene Parameter für Sie negativ entwickeln würden.

Natürlich können Sie sich nicht gegen alle möglichen und unmöglichen Widrigkeiten absichern und sollten das auch nicht versuchen. Aber nur wenn Sie einmal „Kassandra“  spielen und ein bisschen schwarz sehen, werden Sie erkennen, wo ernst zu nehmende und nicht völlig unrealistische Risiken lauern, die einer vertraglichen Regelung bedürfen. Und nur, wenn Sie ein Risiko erkannt haben, können Sie Maßnahmen ergreifen, um sich davor zu schützen.

Strategische Überlegungen bei der Vertragsgestaltung bringen also vor allem ein  „Vordenken“ möglicher negativer Entwicklungen mit sich. Das liegt aber einfach daran, dass Sie sich gegen positive Veränderungen nicht absichern müssen, auch nicht durch einen guten Vertrag – der bewährt sich in schlechten Zeiten.

Ein guter Vertrag bewährt sich in schlechten Zeiten.

Autoreninfo

krbe-testBettina Kriegel

Rechtsanwältin, Fachanwältin für Bank- und Kapitalmarktrecht, Fachanwältin für Insolvenzrecht

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