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Dienstag, 28 Mai 2019 11:07

Werte im Unternehmen versus Werte im Jahresabschluss

Der Kaufmann ist verpflichtet, zum Schluss eines Geschäftsjahrs einen Jahresabschluss aufzustellen. In diesem werden das Vermögen und die Schulden gegenübergestellt.

Der Jahresabschluss dient unter anderem der Information des Kaufmanns über die wirtschaftliche Lage. Aber auch andere wirtschaftliche Parteien sollen mit dem Jahresabschluss einen Überblick über die wirtschaftliche Lage erhalten. Die Frage ist, ob der Jahresabschluss den Anforderungen noch gerecht wird.

Aussagekraft der Bilanz in Abhängigkeit zum Geschäftsmodell

Das Aktivvermögen eines Unternehmens setzt sich im Wesentlichen aus Anlagevermögen, immateriellen Werten und dem Umlaufvermögen zusammen. Zum Anlagevermögen gehören im Wesentlichen Grundstücke und Maschinen. Unter das Umlaufvermögen fällt hauptsächlich das Warenlager, fertige und unfertige Erzeugnisse und die Debitorenforderungen.

In einem industriell geprägten Unternehmen bildet die Aktivseite der Bilanz damit die wesentlichen wertbildenden Faktoren des Unternehmens ab. In einem anlageintensiven Geschäftsmodell sind Grundstücke und Maschinen ein wesentlicher wertbildender Faktor.

Bei wissensbasierten oder digitalen Geschäftsmodellen dagegen spielen Maschinen oder Grundstücke keine oder nur eine ganz geringe Rolle. Auch Warenvorräte, halbfertige oder fertige Erzeugnisse sind vielfach nicht relevant. Trotzdem sind es gerade diese Unternehmen, denen ein hoher Unternehmenswert zugewiesen wird. Damit hat der handelsrechtliche Bilanzansatz gerade in diesen Fällen offenbar wenig Aussagekraft in Bezug auf den Unternehmenswert.

Immaterielle Werte und Aktivierungsverbot selbstgeschaffener immaterieller Werte

Eine Erklärung könnte darin liegen, dass diese Unternehmen über hohe immaterielle Vermögenswerte verfügen. Zu den immateriellen Gegenständen gehören insbesondere Firmenwerte, Patente und ähnliche Schutzrechte, Gebrauchsmuster, Geschmacksmuster, Warenzeichen, Rezepturen, Konzessionen, Lizenzen, Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Software, Kundenlisten oder vergleichbare Werte.

Nach § 248 HGB können selbstgeschaffene immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens als Aktivposten in die Bilanz aufgenommen werden. Allerdings dürfen nach § 255 (2a) S. 1 HGB nur die auf die Entwicklungsphase entfallenden Herstellungskosten angesetzt werden. Die auf die Forschungsphase entfallenden Herstellungskosten nach § 255 (2) S. 4 HGB bleiben weiterhin von der Aktivierung ausgeschlossen.

Generell nicht aufgenommen werden dürfen selbstgeschaffene Marken, Drucktitel, Verlagsrechte, Kundenlisten oder vergleichbare immaterielle Vermögensgegenstände des Anlagevermögens. Aktivierungsfähig sind immaterielle Vermögenswerte dann, wenn diese nicht selbstgeschaffen sind, sondern von Dritten erworben wurden.

Weitergehende Dokumentation der Vermögenswerte

Nach den gesetzlichen Vorgaben des Handelsgesetzbuchs dürfen damit selbstgeschaffene immaterielle Vermögenswerte nicht bilanziert werden. Damit gibt die handelsrechtliche Bilanz bei digitalen oder dienstleistungsgeprägten Geschäftsmodellen die Vermögensseite nur teilweise wieder.

Die Dokumentation selbstgeschaffener immaterieller Werte muss damit außerhalb der handelsrechtlichen Bilanz dokumentierte werden. Dies kann über Bewertungsgutachten, z. B. nach dem Standard der Wirtschaftsprüfer nach IDW S5, erfolgen.

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Autoreninfo

kuma-testMatthias Kühne

Rechtsanwalt, Betriebswirt (IWW), Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Anlalyst EACVA)

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