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Freitag, 30 März 2012 14:15

Magazin: Basel III und die Folgen für den Mittelstand

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Einleitung:

Durch die Einführung von Basel III soll das Finanzsystem sicherer werden. Doch welche Auswirkungen wird Basel III auf die Unternehmensfinanzierungen im Mittelstandssektor haben? Gerade der Mittelstand mit seiner überwiegenden Investitions- und Betriebsmittelfinanzierung über die Hausbank war mit Sicherheit nicht Auslöser der weltweiten Finanzkrise, die ihre Spuren bis heute hinterlassen hat. Mit den Auswirkungen wird der Mittelstand jedoch stark konfrontiert, da die Banken die Regelungen, die sie selbst treffen, über ihre Geschäftsprozesse auf den Endkundenbereich transformieren müssen.

Hauptteil:

2009 beschlossen die Staats- und Regierungschefs der G-20-Staaten, durch die Einführung neuer Regeln die Finanzmärkte besser vor Krisen schützen zu wollen. Man gab die Aufgabe an den Baseler Ausschuss weiter, der sich um die Entwicklung neuer Regeln kümmern sollte. Bei Basel III handelt es sich somit um eine weitere Reaktion aufgrund der Erkenntnisse aus der jüngsten Finanz- und Wirtschaftskrise. Basell III baut dabei auf dem Reformpaket Basel II auf, wobei die Reglungen gegenüber der 2. Version weitaus tiefgreifender sind.

Das neue Reformpaket zielt vor allem auf eine bessere Eigenkapital- und Liquiditätssituation bei den Kreditinstituten ab.

Zukünftig müssen die Banken ihre Risiken, gerade im Liquiditätsbereich, deshalb noch besser überwachen, um negative Auswirkungen besser abschätzen zu können. Dafür müssen aber die Risiken erst einmal individuell identifiziert werden, um die Auswirkungen beim Eintritt beurteilen zu können. Die Gesamtbeurteilung ist aufgrund der Komplexität aus Institutsgröße, diverser Geschäftsfelder und der oftmals nationalen sowie internationalen Ausrichtung sehr kompliziert und daher nicht einfach.

Die Regeln sollen internationale Gültigkeit haben und ab dem 1.1.2013 greifen. Durch die Zusammenhänge strahlen die Regelungen auf das Tagesgeschäft der Banken aus. Dies bedeutet, dass die erhöhten Anforderungen an die Banken von diesen an die Endkunden (Privatkunden, Unternehmenskunden, etc.) weitergegeben werden.

Dies führt dazu, dass mit höheren Finanzierungskosten wie auch mit höheren Anforderungen an die Sicherheitenstellung zu rechnen ist. Dadurch werden zukünftig als risikoreich eingestufte Finanzierungen (Existenzgründungen, Unternehmensnachfolgen, Innovationen) wahrscheinlich noch schwieriger umzusetzen sein.

Des Weiteren müssen die Unternehmen künftig einen noch stärkeren Fokus auf eine transparente Berichterstattung gegenüber der Bank legen, z. B. durch die unterjährige Einreichung von aussagekräftigen BWAs wie auch die Abgabe einer Unternehmensplanung mit anschließendem Soll/Ist-Reporting.

Großunternehmen sind in diesen Bereichen oftmals besser aufgestellt, da sie zum einen teilweise per Gesetz zu einer größeren Transparenz verpflichtet sind und sie des Weiteren eine aussagekräftige Berichterstattung für die Steuerung des Unternehmens benötigen. Strategische und operative Planungen, Risiken, etc. sind dabei oftmals im Detail schriftlich festgelegt und gegenüber den Finanzierungspartnern offen gelegt.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass die Risiken und Ziele bei Mittelständlern nicht bekannt sind. Sie sind jedoch oftmals einfach nicht dokumentiert und deshalb auch nicht an die finanzierenden Hausbanken weitergegeben. Die Banken werden künftig jedoch mehr Informationen benötigen, um Geschäfte aufgrund der internen Vorgaben mit größerer Gewissheit als „sicher“ einstufen zu können. Aufgrund ihres eigenen Drucks werden sie versuchen, möglichst viele Informationen und Sicherheiten vom Kunden zu erhalten.

Die Kreditinstitute werden deshalb höchst wahrscheinlich bei künftigen Verhandlungen um Neukredite, Kreditverlängerungen oder Umfinanzierungen die Einführung von Basel III als Argumentationsbasis auswählen, um z. B. die Einforderung von weiteren Sicherheiten rechtfertigen zu können. Sie als Unternehmer müssen die Einforderung der Sicherheiten jedoch kritisch hinterfragen. Wer der Bank zu viele Sicherheiten gibt, nimmt sich eventuell den Spielraum für weitere Finanzierungen.

Schlussendlich bleibt festzuhalten, dass die ansteigenden Anforderungen durch Basel III auch ihre Ausstrahlung auf die Kreditvergabe im Mittelstandsbereich haben. Natürlich werden auch größere Unternehmen mit den neuen Regelungen konfrontiert, jedoch ist der Mittelstand aufgrund der vorhandenen Struktur und Organisation wahrscheinlich oftmals stärker belastet.

Abzuwarten bleibt, ob die absolute Sicherheit im Finanzsektor aufgrund der Komplexität und der bereits vorhandenen Risiken überhaupt erreicht werden kann. Basel III geht weit über die bisher vorhandenen Regelungen hinaus und versucht, einen höheren Schutz zu gewährleisten. Es bleibt zu hoffen, dass die Reglungen international einheitlich und harmonisiert eingeführt werden, da gerade die letzte Krise die globalen Zusammenhänge der Finanzmärkte aufgezeigt hat.

Die Kombination aus den Neuregelungen durch Basel III, die immer noch angespannte Situation an den Finanzmärkten sowie die damit einhergehende schwierige Prognose über die weitere wirtschaftliche Entwicklung wird teilweise negative Auswirkungen auf die Kreditvergabe im Mittelstand haben. Finanzierungen wird es auch zukünftig geben, jedoch wird es in der Regel schwieriger werden. Es wird künftig noch wichtiger werden, gegenüber den finanzierenden Kreditinstituten transparent die Zahlen, Pläne und Risiken zu kommunizieren.

I, II oder III – letzte Chance vorbei? Die neuen Regeln durch Basel III sollen endlich für mehr Sicherheit im Finanzsektor sorgen.

[Katharina Zapf und Sebastian Broß]

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