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Samstag, 26 November 2011 12:33

Magazin: Zinsswap

„Zinsswaps gehören zu den Derivaten – Derivate sind risikobehaftet, haben ein schlechtes Image und ich möchte nicht auf das Monopoly-Spielfeld für Unternehmer, um zu zocken.“ Kommt Ihnen diese Aussage bzw. die darin enthaltene Botschaft aus Diskussionen mit anderen zum Themengebiet der Finanzinstrumente bekannt vor? Doch die grundlegende Abneigung ist nicht immer gerechtfertigt. Und zur Deckelung Ihrer Zinsbelastung kann der Einsatz unter Umständen von großem Vorteil sein.

Weltweit sind die Finanzmärkte in Bewegung und die Schwankungen werden immer stärker. Innerhalb kürzester Zeit kann Geld auch international über Grenzen hinweg transferiert werden. Mit der immer stärker werdenden Globalisierung steigen neben den damit verbundenen Chancen auch die Risiken. Durch die Weltwirtschaftskrise wurde uns deutlich gezeigt, wie stark weltweit die Auswirkungen sein können, wenn es in einem Land zu Problemen kommt.

Viele Staaten (Amerika, Deutschland, Frankreich etc.) haben sich daraufhin in der Wirtschaftskrise extrem verschuldet, um weitere bzw. noch stärkere Negativentwicklungen abwenden zu können. Dies ist gelungen und man schaffte sogar, die Wirtschaft so stark anzukurbeln, dass man wieder auf dem Niveau vor der Krise ist bzw. sogar in vielen Gebieten dieses übertreffen konnte. Doch zu welchem Preis?

Dies kann aktuell niemand mit 100%iger Sicherheit beurteilen und somit ist auch die Zukunft mit Unsicherheiten behaftet. Um die Inflationsentwicklungen wieder zu senken bzw. die Risiken weiterer inflationärer Entwicklungen einzuschränken, fordern viele eine Anhebung der Zinssätze. Auf der anderen Seite müssten sich durch eine Anhebung die Staaten weiter verschulden, da sie noch mehr Kapital zur Rückzahlung benötigen würden. Auch hat man Angst, durch eine Anhebung die aktuell positive wirtschaftliche Entwicklung zu gefährden.

Derzeit sind die Zinsen niedrig und durch den Einsatz eines Zinsswaps können sich Unternehmen gegen eventuell steigende Zinsen absichern. Doch wie funktioniert eine solche Absicherung und welchen Risiken ist man ausgesetzt?

Betrachten wir im näheren den Payer-Swap als eine Variante. Bei diesem Finanzinstrument handelt es sich um eine vertragliche Vereinbarung von Zahlungsströmen. Der Kunde zahlt Festzinssatz, während die Bank den Referenzzinssatz (z. B. EURIBOR) zahlt. Der Payer-Swap und das Grundgeschäft (Darlehensvertrag) stellen dabei rechtlich selbständige Verträge dar und können unabhängig voneinander abgeschlossen bzw. beendet werden.

Der Kunde hat dabei die Zielsetzung, etwaige Verluste im Grundgeschäft (Darlehensgeschäft) durch Gewinne im Derivat (Zinsswap) zu kompensieren. Der große Vorteil liegt für den Unternehmer dabei in der Deckelung der Zinsaufwendungen durch den Festzinssatz. Hierdurch erhält der Unternehmer für die Laufzeit des Kredits Kalkulationssicherheit. Die Position „Zinsaufwand“ wird steuerbarer.

Er könnte zwar im Zeitpunkt des Vertragsschlusses einen günstigeren flexiblen Zinssatz wählen, doch er hätte über die Laufzeit des Darlehensvertrags das Risiko, von eventuellen Zinssatzsteigerungen zu tragen. Bei hohen Darlehenssummen kann eine Steigerung von wenigen Prozentpunkten erhebliche Mehrkosten verursachen und damit die marktfähigen Produktpreise gefährden, da die Konkurrenz sich eventuell günstiger finanziert hat und dadurch günstiger anbieten kann.

Wenn die Zinsen am Geldmarkt auf dem niedrigen Stand langfristig bleiben bzw. noch weiter fallen (derzeit fast nicht möglich), existiert jedoch durch den Festzinssatz keine Möglichkeit mehr, davon zu partizipieren. Man kann diese Differenz jedoch auch dann als zu zahlende Versicherungsprämie sehen und bei der gegensätzlichen Entwicklung dreht sich die Prämie vom „Nachteil“ in einen „Vorteil“, siehe Grafik.

Die sich ergebenden Gewinnchancen und Verlustrisiken stehen sich bei jedem der beiden Vertragspartner spiegelbildlich gegenüber. Dabei sind Laufzeiten bis zu 10 Jahren üblich. Prinzipiell kann für jedes Anwenderbedürfnis ein maßgeschneiderter Swap abgeschlossen werden. Um den Verwaltungsaufwand gering zu halten, werden nicht die kompletten Zinszahlungen getauscht. Stattdessen wird nur die Differenz zwischen den beiden Zinszahlungen gezahlt.

Die Frage „Wann steigen oder sinken die Zinsen?“ zeigt, dass nur mit einem Zinsswap eine zeitnahe Antwort gegeben werden kann. Nichthandeln ist auch eine Form von Handeln, die Frage ist nur, ob es in diesem Bereich für Unternehmen derzeit die richtige Alternative ist.

Als Unternehmer sollten Sie versuchen, Ihr operatives Geschäft so gut wie möglich abzusichern. Wenn hierfür der Einsatz eines Zinsswaps sinnvoll sein könnte, sollte dieser nicht grundsätzlich ausgeschlossen werden.

Der Anwenderkreis hat auf jeden Fall in den letzten Jahren ein großes Wachstum erfahren. Es gibt natürlich auch risikoreichere Finanzinstrumente. Auf viele von diesen passt vielleicht auch die Aussage aus dem Einleitungssatz. Auf den Zinsswap-Einsatz bei Unternehmensdarlehen trifft dies aber nicht in vollem Umfang zu. Daher sollten Sie bei Kreditverhandlungen mit der Bank unter Umständen diese Möglichkeit ansprechen.

 

Erreichen Sie mit einem Zinsswap eine höhere Risikoabsicherung und Kalkulationssicherheit im Unternehmen! (swap = Tausch)

 

Wenn im Rahmen der Unternehmensfinanzierung mit der Bank keine Festzinsvereinbarung für den Darlehensvertrag vereinbart werden kann, sollten Sie ein weiteres Rechtsgeschäft in Form einer Zinsswap-Vereinbarung in Betracht ziehen. Durch das „überschaubare“ Risiko lohnt sich eventuell ein kleines „Monopolyspiel“, da im schlimmsten Fall bei weiterhin niedrigen Zinsen eine tragbare „Versicherungsaufwandsprämie für die Zinssatzabsicherung“ vom Unternehmer zu tragen ist.

 

Autoreninfo

Sebastian BroßSebastian Broß

Steuerberater, Diplom-Betriebswirt (FH), *CVA (Certified Valuation Analyst), IACVA, Teamleiter BWL

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