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Montag, 17 Oktober 2022 08:00

Kosten- und Leistungsrechnung bei steigenden Preisen

Das Ziel der Kosten- und Leistungsrechnung ist vor allem die kurzfristige Planung des Unter-nehmens in Bezug auf erreichte Leistungen und auf anfallende Kosten.
Die Kosten- und Leistungsrechnung zählt zum internen Rechnungswesen. Im Fokus steht der betriebliche Gewinn oder Verlust. Somit bezieht sich die Kosten- und Leistungsrechnung auf den Prozess der betrieblichen Leistungserstellung.

Soll- Ist-Vergleich


In der Kosten- und Leistungsrechnung werden Soll- und Ist-Daten verglichen. Dadurch lässt sich die Wirtschaftlichkeit erkennen und die Ergebnisse können für unternehmerische Ent-scheidungen herangezogen werden. Es geht somit um Transparenz:

 wo fallen die Kosten im Unternehmen an und wofür,
 was verdient man mit den verschiedenen Produkten/ Produktgruppen und
 wie priorisiert man die Produktion in Engpasssituationen.

Vor- und Nachkalkulation


Dabei geht es auch um Vor- und Nachkalkulationen. Von welcher Kostensituation ist das Un-ternehmen bei der Angebotserstellung ausgegangen und wie sieht es nach der Fertigstellung des Auftrags aus? Gerade im heutigen Marktumfeld ein wichtiger Punkt, insbesondere wenn die gestiegenen Preise aufgrund der Vertragsverhältnisse nicht direkt an die Kunden weiter-gegeben werden können. In einer solchen Konstellation ist eine hohe Transparenz unter Um-ständen überlebenswichtig, da nur durch schnelle Anpassungen der Kalkulationen gegebe-nenfalls mit einem Sicherheitspuffer das Unternehmen in stabilem Fahrwasser gehalten wer-den kann.

Kernelemente einer Kosten- und Leistungsrechnung


Doch wie ist eine Kosten- und Leistungsrechnung aufgebaut und was sind deren Kernelemen-te? Die Kernelemente lassen sich wie folgt zusammenfassen:

1. Kostenträger: Die hergestellten Produkte oder Dienstleistungen
2. Kostenstellen: Bereiche/ Abteilungen der Kostenentstehung und Leistungserbringung
3. Kostenarten: Kategorien der Kosten (nach einem Kostenartenplan)

Vor-, Nach- und Zwischenkalkulation


Die Kalkulationsarten umfassen:
1. Vorkalkulation
2. Nachkalkulation
3. Zwischenkalkulation

Die Vorkalkulation kommt im Rahmen der Angebotspreisermittlung/Preisfestsetzung zum Einsatz. Bei der Nachkalkulation werden die tatsächlich angefallen Selbstkosten nach Fertig-stellung mit den Plankosten verglichen. Die Zwischenkalkulation kommt in der Regel bei lang-fristigen Projekten zum Einsatz.

Vollkostenrechnung


Des Weiteren werden die Vollkostenrechnung und die Teilkostenrechnung unterschieden. Bei der Vollkostenrechnung werden wie im Begriff enthalten die gesamten Kosten (fixe und vari-able Bestandteile) auf die Produkte verrechnet. Mittel- bis langfristig muss die Deckung der Vollkosten immer das Ziel des Unternehmens sein. Unternehmen können Unterdeckungen in der Regel immer nur über einen gewissen Zeitraum aushalten, aber mit dem Streben nach Gewinnerzielung und der Unternehmenserhaltung und Unternehmensweiterentwicklung muss die Gewinnerzielung angestrebt werden.

Teilkostenrechnung


Für kurzfristige Entscheidungen ist es aber auch wichtig die Teilkostenrechnung nicht aus dem Blick zu verlieren. Hintergrund ist, dass die Fixkosten wie Raumkosten für Büro, Produk-tion oder Lager, Abschreibungen für Maschinen, etc., kurzfristig nicht reduziert werden kön-nen und es somit bei freien Kapazitäten auch Sinn machen kann, einen Auftrag über den Teilkosten aber unter den Vollkosten anzunehmen.

Variable Kosten hängen direkt an der Produktions- bzw. Änderungsmenge. Es handelt sich um mengenabhängige Kosten. Mit steigender Ausbringungsmenge steigen in der Regel die variablen Kosten proportional.

Bei Deckung/ Überdeckung der Teilkosten verbessert das Unternehmen seine Ergebnissitua-tion, auch wenn damit kein Gewinn erzielt werden kann. Ohne den Auftrag müssten die Fix-kosten aus den bestehenden Aufträgen zu einem Teil abgedeckt werden. Ein Zusatzauftrag der die Teilkosten deckt hat daher einen positiven Effekt.

Somit kann mithilfe der Teilkostenrechnung kurzfristig die Preisuntergrenze für Angebotsprei-se ermittelt werden. Dadurch kann die Teilkostenrechnung preispolitisch eine wichtige Rolle spielen.

Kommen wir zur Zusammensetzung der Selbstkosten im Kalkulationsaufbau:

Materialeinzelkosten
+ Materialgemeinkosten
= Materialkosten
+ Fertigungseinzelkosten
+ Fertigungsgemeinkosten
+ Entwicklungskosten
= Fertigungskosten
= Herstellungskosten (Materialkosten + Fertigungskosten)
+ Verwaltungs- und Vertriebsgemeinkosten
= Selbstkosten

Dies schaut nach einem einfachen Kalkulationsschema aus. Das kann es auch sein, zumin-dest wenn die Kosteninformationen transparent vorliegen und systemseitig im Unternehmen abgebildet sind. In vielen Fällen gibt es jedoch Probleme mit der Datenqualität. Der Grund hierfür ist: Der Fokus liegt in der Regel auf dem externen Rechnungswesen, da dieses für Monats- und Jahresabschlüsse gesetzlich zwingende Vorgaben enthält. Somit ist das Kalkula-tionsschema nur auf den ersten Blick leicht. Die Musik spielt im Detail.

Doch wenn ein Unternehmen wächst und man sich nicht mehr weiter nur auf das Bauchge-fühl von ein paar Entscheidungsträgern verlassen will, macht es Sinn im Bereich der Kosten- und Leistungsrechnung weitere Schritte zu gehen, egal wo man sich auf dem Weg befindet.

Aktuelle Preissituation auf der Beschaffungsseite


Vielen Unternehmen haben aufgrund des derzeitigen hohen Preisniveaus Probleme, die eige-nen Produkte am Markt mit Gewinn verkaufen zu können. Dabei spielen nicht nur die direk-ten Materialkosten eine Rolle. Auch die steigenden Preise für Energie, Personal etc. wirken sich wesentlich auf die eigene Kalkulation aus. Deshalb ist es umso wichtiger für die Unter-nehmen die Effekte der Preissteigerungen auf die eigenen Produkte im Blick zu behalten. Wenn möglich sollten auch – soweit noch nicht umgesetzt –Absicherungsmöglichkeiten in Betracht gezogen werden, wie z.B. über eine Preisgleitklausel in den Verträgen mit den Kun-den.

Exkurs: Preisgleitklausel


Bei der Preisgleitklausel handelt es sich um eine Sicherungsklausel mit der sich ein Lieferant das Recht vorbehält, bei Erhöhung seiner Kosten für z.B. Rohstoffe den Preis seiner Produk-te anzupassen. In den aktuellen Zeiten ein nicht zu unterschätzender Baustein.

Unternehmerische Entscheidungen


Es wird deutlich, dass das Themenfeld der Kosten- und Leistungsrechnung eine wichtige Rol-le einnimmt und ein wichtiger Bestandteil bei unternehmerischen Entscheidungen leisten kann. Dies sowohl kurz- als auch langfristig wenn es um neue Produkte geht und diese sich im Stadium der Vorkalkulation befinden. Darüber hinaus ist die erreichbare Transparenz unter Umständen ein wesentlicher Stellhebel, um auch in wirtschaftlichen Drucksituationen die rich-tigen Entscheidungen zu treffen, auch wenn sie auf den ersten Blick unter der

Deckung der Selbstkosten vielleicht falsch erscheinen mag.

Autoreninfo

huka testKatharina Zapf

Steuerberaterin, Fachberaterin für Restrukturierung und Unternehmensplanung (DStV e.V.), Dipl.-Betriebswirtin (BA)

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HINWEIS

Falls Sie über den Beitrag hinausgehende Fragen haben, stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Allerdings weisen wir Sie darauf hin, dass wir diese individuelle Leistung nach dem Rechtsdienstleistungsgesetz auch abrechnen.

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