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Montag, 31 Januar 2022 08:21

Prüfung der Unternehmensstrategie

Die Corona-Krise wird ihre Spuren hinterlassen. Zwar wurden die akuten Folgen der Krise durch staatliche Unterstützungsmaßnahmen abgefedert und bei einigen Unternehmen sogar überkompensiert. Trotzdem wurden durch die Krise grundlegende Veränderungsprozesse in Gang gesetzt oder Entwicklungen beschleunigt mit dem Potential, Geschäftsmodelle ins Wanken zu bringen. Doch gehen solche Entwicklungen immer auch mit Chancen einher. Grund genug, die eigene Unternehmensstrategie zu prüfen.

Die Befürchtungen im Jahr 2020 waren groß. Viele Experten erwarteten im Zuge der Krise eine schnelle Pleitewelle. Es war gar von einem Insolvenz-Tsunami die Rede. Doch nichts davon ist bislang eingetroffen. Ganz im Gegenteil. Die Unternehmensinsolvenzen gingen im Jahr 2020 gegenüber 2019 zurück. Und auch 2021 lagen die Zahlen noch einmal 9% unter dem Niveau von 2020. Auf den ersten Blick könnte man damit sagen: „Glück gehabt“. Das wäre allerdings zu kurz gesprungen. Denn auf den zweiten Blick folgt die Erkenntnis, dass die Situation vieler Unternehmen über KfW-Mittel und Leistungen aus den staatlichen Leistungen, wie beispielsweise der Überbrückungshilfe, kompensiert wurden. Teilweise sogar überkompensiert. Die Liquiditätssituation ganz vieler Unternehmen ist besser im Vergleich zum Vorkrisenniveau.

Zombifizierung der Wirtschaft

Die beschriebene Entwicklung hat in den letzten Monaten dazu geführt, dass viele Experten vor sog. Zombie-Unternehmen warnen. Unter Zombie-Unternehmen sind solche Unternehmen zu verstehen, die ohne langfristige Überlebenschance allein durch die Unterstützungsmaßnahmen am Leben gehalten werden. Grundsätzlich ist diese Warnung durchaus nachvollziehbar. Was durch die akute Corona-Krise völlig in den Hintergrund und schon fast ins Vergessen geriet sind die Warnungen aus dem Jahr 2019 vor einem prognostizierten Abschwung der Wirtschaft. Auslöser dieser Diskussion war neben einem erwarteten zyklischen Abschwang vor allen Dingen die grundsätzlichen strukturellen Änderungen und die erwarteten enormen Herausforderungen.

Megatrends

Die Gesellschaft und Wirtschaft wird beeinflusst durch Megatrends. Die Unternehmen stehen vor der Herausforderung, solche Megatrends zu erkennen und zu antizipieren, um dann das eigene Geschäftsmodell danach auszurichten. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young (EY) hat in einer aktuellen Studie folgende Megatrends identifiziert.

Die digitale Zukunft ist da Neue Technologien und Digitalisierung greifen mittlerweile in alle Bereiche des gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Lebens ein. Informationen sind zu jeder Zeit und überall verfügbar.
Entrepreneure treiben das Wachstum Unternehmen, die ihre wirtschaftlichen Prozesse digital ausrichten, haben einen klaren Wettbewerbsvorteil. Dazu gehört unter anderem die Nutzung neuer und innovativer Ideen und Konzepte. Gerade hier sind Entrepreneure wichtige Stützen der Wirtschaft geworden, denn sie gehen Probleme oft auf unkonventionelle Art an und erzeugen so neue Lösungen und innovative Produkte, von denen die Wirtschaft profitiert.
Die Weltwirtschaft orientiert sich ostwärts Asien - und primär China - wird noch stärker in den Fokus des wirtschaftlichen Geschehens rücken. Aber durch die Nähe zu Europa und die niedrigen Produktionskosten werden sich auch in Afrika und im mittleren Osten neue Handelsknotenpunkte bilden.
Die Urbanisierung schreitet voran Bis 2050 wird der Anteil der in Städten lebenden Weltbevölkerung auf 66 Prozent ansteigen. Die 750 größten Städte werden in Zukunft 61 Prozent des weltweiten Bruttoinlandsproduktes erwirtschaften.
Ressourcenmangel Bis zum Jahr 2030 wird ein weltweites Bevölkerungswachstum von 1,2 Milliarden Menschen prognostiziert. Das wird den Wettbewerb um begrenzte Ressourcen intensivieren und erneuerbare Energien werden noch stärker an Relevanz gewinnen. Öl, Gas und Mineralreserven sind zunehmend erschöpft und schwerer zu erreichen. Außerdem wird die Wasserknappheit hier eine entscheidende Rolle spielen.
Digitalisierung im Gesundheitssektor Die Gesundheitsbranche trennt sich von traditionellen Strukturen und wird ihre Prozesse optimieren. Mit der Hilfe von mobilen Technologien in Form von Apps und kabellos verbundenen Medizininstrumenten verfügen Patienten zukünftig über mehr Transparenz und Kontrolle hinsichtlich ihrer eigenen Gesundheit.

 

Corona-Krise als Beschleuniger

Gerade im Bereich der Digitalisierung wirkte die Corona-Krise als Beschleuniger. Laut Statista hat die Krise in diesem Bereich die Unternehmensstrategien der Unternehmen wie folgt beeinflusst:

 wie corona die unternehmensstrategien beeinflusst

 

Die Erhebung von Statista beschreibt die unmittelbaren Maßnahmen insbesondere Im Bereich der Digitalisierung. Die Corona-Krise hat im Bereich der Digitalisierung der Arbeitsabläufe sicherlich als Beschleuniger bzw. als Auslöser für die Einleitung längst überfälliger Digitalisierungsmaßnahmen gewirkt. Auf der anderen Seite wurde durch die Corona-Krise auch die Verletzlichkeit von Wertschöpfungsketten in einigen Bereichen.

Tiefgehende Änderungen und Disruption

Wer aber meint, mit der Verlagerung einzelner Prozesse in die digitale Welt ist es getan, der irrt. Ebenso werden die durch die Corona-Krise angestoßenen Veränderungen nicht einfach wieder zurückgedreht werden. Die eigentlichen Änderungen stehen uns in den nächsten Jahren erst noch bevor. Wer sich mit den Prognosen von Zukunftsforschern beschäftigt bekommt schnell einen Eindruck, wie nachhaltig die Änderungen in den nächsten Jahren sein werden. So beschreibt beispielsweise Sven Gabor Janszky in seinem Buch „2030“, wie seiner Meinung nach technologische und gesellschaftliche Trends in den kommenden zehn Jahren unsere Welt verändern werden. Neue Technologien bringen für unsere Kinder neue Jobs, die wir heute noch gar nicht mit Namen kennen. Neue Supercomputer berechnen die meisten Dinge in unserem Leben voraus: Predictive Enterprises, Predictive Cities, Predictive Life. Dies mit der Folge, dass etablierte Geschäftsmodelle durch eine disruptive Innovationen vom Markt gefegt werden. Als Beispiel sind hier die selbstfahrenden Taxis genannt, die nach Planung eines Startups bereits im Jahr 2022 auf deutschen Straßen im Rahmen eines Pilotprojekts fahren sollen. Die klassischen Taxiunternehmer dürften diese Entwicklung mit Sorge betrachten. Die coronabedingten Änderungen waren deshalb wohl der Anfang.

Auswirkung auf Geschäftsmodelle und Unternehmensstrategien

In jeder Krise, wie auch jetzt in der Corona-Krise, werden Unternehmen von einem Moment auf den anderen vor kurzfristige, überlebenskritische Entscheidungen gestellt. Gleichzeitig muss die mittel- und langfristige Strategie in Rekordzeit an die neuen Gegebenheiten angepasst werden, um nicht nur erfolgreich durch, sondern auch gestärkt aus der Krise zu kommen, dies auch vor dem Hintergrund der bevorstehenden Änderungen. Änderungen bedeuten immer Risiko und Chance zugleich. Aufgabe der Unternehmer ist es, die Chancen und Risiken auf das eigene Geschäftsmodell zu hinterfragen und dies ggf. neu auszurichten. Unternehmer müssen sich darauf einstellen, dass sich die Realität nachhaltig verändern wird. Auch wenn noch nicht final absehbar ist, welche konkreten Veränderung Bestand haben werden, lohnt es sich, kurzfristige Veränderungen bereits frühzeitig im Unternehmenskontext zu bewerten, um daraus mögliche Implikationen für langfristige Chancen und Risiken abzuleiten. Hierbei kann es helfen, unterschiedlichen Szenarien zu entwerfen. Weniger entscheidend ist, ob ein Szenario eintritt. Wichtiger ist, dass der Raum für Möglichkeiten geöffnet wird. Damit kann ein Unternehmen auch kurzfristiger auf Veränderungen reagieren und im besten Fall, durch eine Antizipation von bevorstehenden Veränderungen proaktiv handeln.

Fazit:

Die Corona-Krise hat einen nachhaltigen Veränderungsprozess ausgelöst. Geschäftsmodelle müssen grundsätzlich überdacht warden. Wer sich frühzeitig mit diesen Themen beschäftigt, kann den Wandel aktiv vorantreiben.

Autoreninfo

kuma-testMatthias Kühne

Rechtsanwalt, Betriebswirt (IWW), Fachanwalt für Insolvenzrecht, CVA (Certified Valuation Anlalyst EACVA)

lifr-testFrank Lienhard

Rechtsanwalt, Fachanwalt für Steuerrecht, Fachanwalt für Handels- und Gesellschaftsrecht, CVA (Certified Valuation Analyst EACVA)

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